Stromschlag trifft 13 Menschen – mehrere Tote

Insgesamt 21 Tote haben die Proteste in Caracas gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro bislang gefordert.

Ausschreitungen in Venezuela: Drei Tote bei Demonstration. Video: Tamedia/AFP

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Bei Demonstrationen gegen eine drohende Diktatur sind in Venezuela nunmehr 21 Menschen getötet worden. Allein bei den Unruhen in der Nacht auf heute in der Hauptstadt Caracas sind mindestens zwölf Menschen getötet worden. Bei den Ausschreitungen seien auch mindestens sechs Menschen verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am heute mit.

Die meisten Toten habe es in El Valle gegeben. Dort wurden nach Oppositionsangaben 13 Menschen von einem Stromschlag getroffen, als sie versuchten, eine von einem Elektrozaun gesicherte Bäckerei zu plündern.

Seit dem Ausbruch der Proteste am 4. April seien mindestens 1289 Menschen festgenommen worden, teilte der Direktor von Foro Penal Venezolano, Alfredo Romero, in Caracas mit. Allein seit Mittwoch habe es in der besonders dramatischen Phase rund 750 Festnahmen gegeben.

«Nicht mit Titanic untergehen»

Im blutigen Machtkampf hat die Opposition das Miltär zum Bruch mit dem sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro aufgerufen. «Gehen Sie nicht mit der Titanic Maduros unter», sagte einer der Oppositionsführer, Freddy Guevara, an die Adresse von Verteidigungsminister Vladimir Padrino.

Der Vizepräsident des Parlaments kündigte für Montag neue Massenproteste im Land mit den grössten Ölreserven an, das nach Jahren des Niedergangs vor dem Ruin steht. Er sprach auch von einem «unkonventionellen Krieg» mit Regierungsgegnern und kriminellen Banden. Diese würden zusammenarbeiten, sagte er am Freitag.

Demonstranten nannten Maduro einen «Mörder», weil er Soldaten und Milizen zum rücksichtlosen Vorgehen aufrufe.

Angesichts dramatischer Szenen in Caracas fordert auch die internationale Gemeinschaft von Maduro ein Zurückziehen der brutal agierenden Milizen. Bilder zeigten, wie von Motorrädern aus auf Demonstranten geschossen wurde, zudem prügelten Polizisten auf Protestierende ein, von denen einige ebenfalls gewalttätig wurden.

Es gab brennende Strassenbarrikaden, Molotowcocktails flogen – die Polizei setzte massiv Tränengas ein. Maduro bezeichnete die Demonstranten als Terroristen, erklärte sich aber zugleich zum Dialog bereit. «Es wird nie einen Bürgerkrieg in unserem Vaterland geben».

Kritik aus dem Ausland

Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Luis Almagro sagte, die Demokratie in Venezuela sei «tödlich verletzt». Seit Tagen demonstrierten Hunderttausende für Neuwahlen und gegen ein Abdriften in die Diktatur - Auslöser war die zeitweise Entmachtung des Parlaments und die zunehmende Repression.

«Wir verurteilen vor allem, dass das Regime die Colectivos bewaffnet hat, damit sie unkontrolliert Repression ausüben», sagte der frühere uruguayische Aussenminister Almagro. Als Colectivos werden mit den seit 1999 regierenden Sozialisten sympathisierende Milizen bezeichnet, die mit Waffen und Schlagketten Gegner attackieren.

Bilder von einer Frau, die sich einem gepanzerten Fahrzeug inmitten von Tränengas entgegenstellt oder von einem nackten Mann, der einen Panzerwagen besteigt und ein Ende der Gewalt fordert, gingen um die Welt.

Maduro klassifizierte die Aktion als lächerliche Show. «Zum Glück ist ihm kein Stück Seife hingefallen, das hätte ein komisches Foto gegeben», lästerte er von Anhängern.

Wirtschaftlicher Absturz

Er fordert die Verteidigung der von Hugo Chávez begonnenen sozialistischen «Revolution» – dank der Öleinnahmen wurde lange massiv in Sozialprogramme und Wohnungsbau investiert. Aber Misswirtschaft liess das Land zuletzt abstürzen.

Wegen der Bedienung milliardenschwerer Auslandsschulden und der höchsten Inflation der Welt können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden, die in Euro oder Dollar zu bezahlen sind. Maduro macht den niedrigen Ölpreis und einen «Wirtschaftskrieg» verantwortlich.

2016 brach die Wirtschaftsleistung um 18 Prozent ein. Antibiotika, Diabetes- oder Epilepsie-Medikamente sind kaum noch zu bekommen. Die Kindersterblichkeit stieg deutlich an. Auf Müllkippen in Caracas suchen Menschen, gestört von Geiern, nach Essensresten. (nag/oli/sda/dpa/afp)

Erstellt: 21.04.2017, 19:22 Uhr

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