Norwegen legt UKW-Radio still

Auf herkömmlichen Radios wird in Norwegen bald Funkstille herrschen. Der nordische Staat ist weltweit das erste Land, welches das UKW-Radio bis Ende Jahr in Etappen einstellt.

Noch funktioniert dieses norwegische Autoradio. Ab Ende Jahr herrscht aber Funkstille. Die UKW-Sender werden abgeschaltet.

Noch funktioniert dieses norwegische Autoradio. Ab Ende Jahr herrscht aber Funkstille. Die UKW-Sender werden abgeschaltet. Bild: Keystone

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Wer dieser Tage mit einem alten Auto in die nordnorwegische Region Nordland fährt und Radio hört, dürfte sich demnächst über die Funkstille wundern. Denn in Nordland gibt es kein UKW-Radio mehr. Norwegen ist das erste Land der Welt, das die völlige Abschaltung der Ultrakurzwellen bis zum Jahresende in Etappen durchziehen wird.

Am 13. Dezember werden die letzten Sendemasten in Troms und Finnmark abgestellt. Neugierig wird der Übergang vom analogen zum DAB-Radio von anderen europäischen Ländern beäugt. Auch im deutschspra­chigen Raum wird über die völ­lige UKW-Abschaltung nachgedacht.

Die Abschaltung verlief nicht ganz reibungslos, obwohl die Radios viel Information darüber sendeten. Viele Hörer beschwerten sich und klagten, sie bekämen selbst mit digitalen Radioempfängern kein Signal. Das lag jedoch daran, dass es zeitgleich zur UKW-Abschaltung einen Übergang vom bereits seit 1995 in Norwegen ausgestrahlten DAB- zum DAB+-Radio gab. Die Sendeplätze wurden dabei verändert und mussten neu eingestellt werden.

Hohe Kosten für UKW

Norwegen ist stark zentralisiert. Das Parlament hat die landes­weite Abschaltung schon 2011 entschieden. Begründet wurde dies mit den hohen Kosten für die UKW-Ausstrahlung. Diese ist im gebirgsreichen und dünn besiedelten Norwegen sehr kostspielig. 200 Millionen Kronen (24 Millionen Franken) sollen die landesweiten Sender dank der Abschaltung pro Jahr einsparen können.

Dennoch war die Kritik bis zuletzt gross. Noch im Dezember stimmten rund ein Drittel der Hörer gegen die UKW-Abschaltung. Die Boulevardzeitungen berichteten eher negativ. Derzeit sollen rund 1,3 Millionen norwegische Autos noch immer keinen digitalen Empfänger haben.

Das wurde als Sicherheitspro­blem kritisiert. Wichtige Eilmeldungen zu Wetter oder Verkehr würden nicht mehr alle erreichen. Die Nachrüstung pro Auto soll um die 1500 Kronen (180 Franken) kosten.

Kritik von den Grünen

Die Grünen, die ländlich orientierte Zentrumspartei sowie die Fortschrittspartei würden die Umstellung am liebsten stoppen. «Wir sind ganz einfach noch nicht bereit dafür», sagte etwa Ib Thomsen von der Fortschrittspartei. Die Grünen kritisieren, dass Unmengen funktionierender Radioempfänger weggeworfen werden müssen.

Gern wird auch angeführt, dass viele ältere Hörer nicht mit der neuen Technik klarkommen. Zudem haben viele Schiffe in der Küstennation Norwegen zurzeit Empfangsprobleme, die sie beim UKW nicht hatten, obwohl die DAB-Sender eigentlich bis 50 Kilometer vor die Küste reichen sollten.

Während die landesweiten Radiosender nun ausschliesslich digital zu empfangen sein werden, haben sich rund zweihundert norwegische Lokalsender dazu entschieden, bis 2022 weiter über UKW zu senden. Sie erhoffen sich durch die Umstellung rund eine halbe Million zusätzliche Hörer und höhere Werbeeinnahmen.

Viele finden den Übergang aber auch positiv. So etwa die 75-jährige Nordländerin Berith Olderskog. «Ich höre täglich von sechs Uhr morgen an Radio. Der Ton ist richtig gut mit den DAB-Radios», sagte sie enthusiastisch im Sender TV 2.

Einfache Lösung

Ihr Auto habe zwar noch immer nur UKW-Radio, aber das störe sie nicht. «Wenn ich fahre, habe ich ein kleines tragbares DAB-Radio dabei, das funktioniert genauso gut. Toll ist auch, dass ich damit auch Empfang in Tunneln habe. Das UKW-Radio funktionierte da nie», sagte sie. Doch bei weitem nicht alle norwegischen Rentner sind so aufgeschlossen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.02.2017, 10:12 Uhr

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