Thun

Blättern, Blödeln und Bullshit-Bingo

ThunAls üppige Vorspeise entpuppte sich der künstlerische Teil der Gala der Künstlerbörse. Ob Ohne Rolf oder mit Pudelmütze machte die Show Lust auf mehr.

Die deutschen Kleinkünstler Ulan & Bator haben bei ihren Auftritten nie kalte Ohren.

Die deutschen Kleinkünstler Ulan & Bator haben bei ihren Auftritten nie kalte Ohren. Bild: Markus Hubacher

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Mit Trommelwirbeln, glockenhellen Gesängen, Plakatblätterei, Blödsinn auf höchstem Niveau und balkanesken Weisen sprühte die Gala im zweiten Teil des Eröffnungsabends der Künstlerbörse. Die rund 700 Gäste im Schadausaal zeigten sich spätestens infiziert, als zwei Herren im grauen Anzug auftauchten und sich ihre Baby-Pudelmützen umschnallten und herrlich dämlich aus der Wäsche schauten.

«Hunger, Pipi, kalt»

Die bemützten Ulan & Bator, zwei hochdekorierte Künstler aus Deutschland, stellten fest: «Hitler war Nichtraucher ­– und ein Arschloch!» Mit erhobener Faust skandierten sie im Stechschritt «Hunger, Pipi, kalt» und verschwanden ins Sozialhilfemuseum.

Als Joggerinnen machte die Formation 9 Volt Nelly die Bühne zu ihrem Sportplatz. Beim verhaltenen Work-out tauschten die beiden Frauen Weisheiten aus wie «Wenn Wasser in Afrika überschwappt, dann wirds gleich von der Nestlé geschnappt».

Ohne Rolf blätterten bei der Gala blind mit Papiertüte auf dem Kopf, um zu beweisen, dass sie ihre Texte auswendig wissen. Dass dem natürlich nicht so war, überraschte niemanden. Doch, o Wunder, tauchten auf einmal die Ohne-Rolf-Herren Wolfisberg und Anderhub auf der Bühne auf. Unter den Papiertüten befanden sich jene Babymützen-Träger.

Eclecta, das sind zwei gesangsstarke Frauen, die mit bomben­sicheren Stimmen a cappella wie begleitet Atmosphäre zaubern. An der Gala wurde es bei «Live Is a Dream» mucksmäuschenstill. Auch zusammen mit 9 Volt Nelly als Aufziehpuppen lag bei «Anneli, wo bisch geschtern gsi» ein Zauber in der Luft. Der Applaus donnerte. Balkan-Klänge und eine Erzählung, die an Franz Hohlers «Totemügerli» erinnerte, lieferte Zidoni ab.

Lionel Frésard mutierte schliesslich zum Fussballspieler und amüsierte mit witzigen Erzählungen aus seinem Alltag im elterlichen Restaurant.

Groteskes Dampfgeplauder

Den Vogel schossen dann wieder Ulan & Bator ab, die bei einer Art Drehbuchphrasen-Bullshit-Bingo ohne Zusammenhang saukomische Sätze wie «Können Sie schweigen?», «Wir müssen reden!», «Ich gehe nicht», «Bleib doch hier!», «Sie verschweigen mir doch etwas!» im Sekundentakt abfeuerten. Dazu garnierten sie das Dampfgeplauder mit Verrenkungen der grotesken Art.

Mit einem fulminanten Finale, in dem alle Künstler zu den Klängen von Zidoni und Musique en route mitschmetterten, endete die Gala. Den Schlusspunkt setzte ein temperamentvolles «Hoi», das alle Akteure wie ein Lauffeuer versetzt nachsangen – bis auf Ohne Rolf, die ihre Plakate mit der Aufschrift «Hoi» hochhielten. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 21.04.2017, 18:52 Uhr

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