Grosshöchstetten

Märchentag im «Weltmeisterdorf»

GrosshöchstettenLuca Aerni fährt an der Ski-WM in St. Moritz sensationell zur Goldmedaille. Seine Wohngemeinde Grosshöchstetten war vom Erfolg zuerst genauso überrascht wie die restliche Schweiz, reagierte dann aber blitzschnell.

Das Rennen konnten sie nicht zusammen verfolgen, aber die Medaillenübergabe feierten die Grosshöchstetter gemeinsam im Restaurant Pintli.

Das Rennen konnten sie nicht zusammen verfolgen, aber die Medaillenübergabe feierten die Grosshöchstetter gemeinsam im Restaurant Pintli. Bild: Hans Wüthrich

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Normalerweise findet während des Rennens ein Public Viewing statt. Nicht so am Montag in Grosshöchstetten. Das Rennen war um 18.30 Uhr längst gelaufen. Trotzdem strömten Dutzende Dorfbewohner ins Restaurant Pintli und versammelten sich vor dem kleinen Fernseher im Stübli. Wenn man schon nicht gemeinsam die Entscheidung miterleben konnte, dann wenigstens die Medaillenübergabe.

Starke Nerven waren da nicht mehr gefragt. Man konnte sich einfach nur freuen. Freuen mit Luca Aerni aus Grosshöchstetten. SRF-Moderator Matthias Hüppi nannte den Wohnort des Goldmedaillengewinners gleich mehrmals während der Übertragung. Und jedes Mal leuchteten die Augen der Anwesenden. Es war für Grosshöchstetten der ­Abschluss eines märchenhaften Nachmittags.

Hier kriegt Luca Aerni seine WM-Goldmedaille. Video: sda

Das grosse Zittern mit Luca

Seinen Anfang nahm dieser Nachmittag um 13 Uhr. Luca Aerni katapultierte sich genau um diese Zeit in St. Moritz aus dem Starthaus. Dynamisch, flink, agil: Für den Laien sah es nach dem perfekten zweiten Durchgang aus. Auch SRF-Skiexperte Bernhard Russi sagte, der Lauf sei sehr gut, und auf sein Urteil kann man sich in der Regel verlassen. Dass die Zeit vielleicht sogar weltmeisterlich sein könnte, war aber noch nirgends absehbar.

«Ich war zu Hause am Arbeiten und verfolgte das Rennen nebenbei», sagt Gemeindepräsident Hanspeter Heierli (BDP). «Nachdem Hirscher durch war, dachte ich, das reicht sicher für die Top Ten.» Marcel Hirscher, der Slalomcrack aus Österreich, landete lediglich eine Hundertstelsekunde hinter Aerni. Für viele fing das grosse Zittern da bereits an. Auch im Restaurant Pintli.

«Ich hielt es zeitweise fast nicht mehr aus», sagt Wirtin Heidi Bichsel rückblickend. Nach Hirscher fiel Fahrer um Fahrer hinter Aerni zurück. Die Medaille kam immer mehr in Griffweite. «Als der Dritte des ersten Laufs ins Ziel kam, löste sich bei mir erstmals die Anspannung», sagt Bichsel. Denn da war klar: Es wird eine Medaille für Luca Aerni geben.

Aber auch Adrien Théaux und Romed Baumann konnten Aerni nicht mehr vom ersten Podestplatz stossen. Grosshöchstetten konnte nicht nur den Gewinn einer Medaille feiern, sondern einen Weltmeistertitel. Im Pintli konnte das Feiern losgehen. «Jetzt führt das Emmental den Medaillenspiegel an», sagt ein Restaurantbesucher euphorisch. Da mache es ihm auch nichts aus, dass der österreichische Kommentator fälschlicherweise sagte, dass Aerni «aus der Gemeinde Grosshöchstetten im Berner Oberland» komme.

FC organisiert spontane Feier

Gemeindepräsident Hanspeter Heierli passte umgehend seine Telefonansage an. «Weltmeisterdorf Grosshöchstetten, Heierli» bekamen die Anrufer fortan zu hören, wenn sie ihn anriefen. Und es waren viele Leute, die plötzlich etwas von Grosshöchstettens oberstem Re­prä­sen­tanten haben wollten. Wann, wo und wie wird in Grosshöchstetten gefeiert? Heierli konnte viele dieser Fragen nicht umgehend beantworten. «Wir werden mit der Familie von Luca Aerni schauen und seinem Fanclub», sagte Heierli zu den vielen Anrufern.

Aber die Glücksgefühle waren so gross, dass eine Feier nicht warten konnte. «Unglaublich, ich bin völlig überrascht», sagte Christoph Brunner, Vizepräsident des FC Grosshöchstetten-Schlosswil, Minuten nach Aernis Goldfahrt. Mit dem Fussballverein Grosshöchstettens ist Luca Aerni besonders verbunden. Er spielte lange selbst für den Verein, und sein jüngerer Bruder Damiano ist heute noch aktiv.

Über die Whatsapp-Gruppe des FC wurde spontan eine Feier organisiert. Kurz vor 17 Uhr war klar, wo diese stattfinden wird. «Wir treffen uns um 18.20 Uhr im Pintli», informierte Christoph Brunner. Aus dem märchenhaften Montagnachmittag wurde von da an eine lange Nacht des Feierns.

Damit es auch alle wissen: Ein Transparent an der Laube des Pintlis. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.02.2017, 21:53 Uhr

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