Kikis Universum: Vom Hockey zum Hardrock

Er war Hockeygoalie bei Biel, Ajoie und Rapperswil. Mit 27 Jahren trat er zurück, um für die und von der Musik zu leben. Es klappte. Kiki Crétin (42) spielt am Freitag mit seiner Band Silver Dust am Greenfield Festival in Interlaken.

Silver Dust mit dem Song «My Heart Is My Savior».
Quelle: Youtube.com/SILVERDUSTRockTV


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In der Eishockeyszene gab es viele, die ihn Träumer nannten. In den 1990er-Jahren war Christian Crétin Torhüter auf höchstem Niveau. Er spielte neun Saisons in der NLA und in der NLB, bei Ajoie, Biel und Rapperswil. Er stieg mit Ajoie in die NLA auf, er stand mit Biel im NLB-Final. Mit 27 Jahren hörte Crétin mit dem Hockey auf. Er wollte ganz für seine und von seiner Leidenschaft leben. Der Musik.

Mit rund 30 Jahren, muss man wissen, hat ein Hockeygoalie in der Regel die beste Zeit seiner Karriere. Er hat Erfahrung gesammelt, ist mental gefestigt und körperlich noch fast so fit wie ein Junior. War Crétin also, als er so früh zurücktrat, am Ende genau das, was sein französischer Name wörtlich übersetzt bedeutet? Ein Trottel?

Crétin sagt, er habe den Entscheid nie bereut. «Ich liebte das Hockey, aber die Musik ist mein Leben.» Und so tritt Kiki, wie ihn alle nennen, die ihn kennen, nach seinem Rücktritt vom Sport regelmässig auf, mit Bands, auch solo. Dazu unterrichtet er Gitarre und Bass. Mit der Hardrock-Crew Paganini feiert er internationale Erfolge.

2013 gründet Crétin Silver Dust, sein aktuell wichtigstes Projekt. Im Frühling ist das zweite Album «The Age of Decadence» erschienen. Die Bandmitglieder sehen aus, als wären sie aus einem Film von Tim Burton ausgebrochen. Der Bassist nennt sich Kurghan, der Schlagzeuger Mr. Killjoy, der Gitarrist Tiny Pistol. Crétin ist der Kopf der schrägen Truppe. Er schreibt die Songs, er singt, er spielt Gitarre. Sein Name als Silver-Dust-Frontmann ist Lord Campbell. Er trägt schwarzen Zylinder, schwarzen Anzug, Rüschenhemd. Die Haare sind lang, wie früher, als Hockeygoalie.

Grosses Drama

Und die Musik? Die reisst einen hin und her, da ist grosses Drama, viel Gitarre. Dann wieder sanfte Klänge, grosse Melancholie. Die Stimme von Crétin erinnert manchmal an jene von Metallica-Sänger James Hetfield. «Moderner Rock» nennt Crétin den Sound. «Silver Dust ist ein Universum für sich», sagt er noch. «Wer zum ersten Mal an ein Konzert von uns kommt, sieht etwas, das er noch nie gesehen hat.»

Am Freitag gibt es Gelegenheit dazu. Silver Dust spielen am Nachmittag am Greenfield Festival in Interlaken. «Eine grosse Sache für uns», sagt Crétin.

Harte Arbeit

Die grosse Parallele zwischen Rockmusik und Profieishockey sei die harte Arbeit, findet Crétin. «Im Hockey habe ich die Disziplin gelernt, die du als Musiker noch stärker brauchst. Ich arbeite wie ein Verrückter, jeden Tag.»

Der Mann, der seine Hockeykarriere der Musik zuliebe aufgegeben hat, lebt heute in Pruntrut. Verheiratet sei er mit der Musik, sagt er. Am Montag wird Crétin 43 Jahre alt. Träumer nennt ihn niemand mehr.

Silver Dust: «The Age of Decadence», Escudero Records. Termine und Infos: www.silver-dust.net

(Berner Zeitung)

Erstellt: 10.06.2016, 18:10 Uhr

1993: Torhüter Crétin im EHC-Biel-Dress. (Bild: zvg)

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