Thun

Ankläger plädiert auf Freispruch

ThunOft kommt das nicht vor: Am Mittwoch plädierte der Staatsanwalt auf Freispruch für einen Mann, der wegen Vergewaltigung und sexueller Handlungen mit Kindern angeklagt ist. Am Donnerstag entscheidet das Gericht.

Das Regionalgericht in Thun behandelt am Mittwoch und Donnerstag einen Fall von sexuellen Handlungen mit Kindern. (Symbolbild)

Das Regionalgericht in Thun behandelt am Mittwoch und Donnerstag einen Fall von sexuellen Handlungen mit Kindern. (Symbolbild) Bild: Fotolia

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Das dürfte selten sein: In seinem Plädoyer beantragte am Mittwoch der Staatsanwalt selber einen Freispruch für den Angeklagten. Er erklärte, dass die Staatsanwaltschaft als Untersuchungsbehörde nach dem Prinzip «in dubio pro duriore» (im Zweifelsfall für das Härtere) eine Anklage hatte erheben müssen, weil es sich um ein sehr schweres Delikt handelte. «Im Verfahren selber werde ich zur Partei», sagte er. Und in dieser Funktion plädierte er «in dubio pro reo» (im Zweifelsfall für den Angeklagten) für einen Freispruch.

Vor Gericht stand ein gut 50-jähriger Mann, der von Arbeit und einer Teil­invalidenrente lebt. Er erhalte sie wegen «Zurückgebliebenseins», sagte er. Er hatte lange Jahre einen Freund, den er besuchte. Dieser hatte zwei Töchter, und die jüngere soll er im Jahr 2012, als sie 12 Jahre alt war, vergewaltigt haben. Und zwar brutal: In der Anklage steht, dass er sie aufs Bett warf, ihr das Pyjama vom Leib riss, ihr den Mund zuklebte und die Hände fixierte, sich auszog und in sie eindrang.

Vor Gericht bestritt er, jemals an so etwas gedacht oder es gar getan zu haben. Man habe gespielt und manchmal vielleicht auch ein bisschen gebalgt, wie er dies früher mit seinem Vater getan habe. Im Verlauf des Verfahrens ­waren seine Aussagen nicht immer gleichbleibend. Einmal antwortete er, dass eine fünffache Vergewaltigung doch «etwas hochgegriffen» sei. Vor Gericht zeigte es sich, dass rein sprachliche Missverständnisse nicht ausgeschlossen werden können.

Motivation unklar

Das Mädchen, inzwischen 17 Jahre alt, wurde als Zeugin befragt. Die Befragung wurde für den Angeklagten in einen anderen Gerichtssaal übertragen. Einmal lebte die junge Frau so richtig auf, als sie erzählte, dass sie in ihrer Schule in einer Filmproduktion die Hauptrolle gespielt habe. Sie lebt jetzt in einer Institution für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Sie sprach, leise und unsicher, von Vergewaltigung, davon, dass sie «Nein gesagt» und geschrien habe, aber auch, dass der Mann ihr den Mund zugeklebt habe, mit einem Band, das an verschiedenen Orten gelegen habe. Erzählt von der Vergewaltigung habe sie 4 Jahre später ihrem 25 Jahre älteren Freund, im Beisein der Mutter.

Ins Rollen gekommen war der Fall, weil sie einer Freundin per Whatsapp von einer Vergewaltigung berichtet hatte, worauf Erwachsene reagierten. «Es geht nichts auf. Die Aussagen sind pauschal und undifferenziert», sagte der Verteidiger des Angeklagten. Das Ganze soll sich in einem ringhörigen Holzhaus abgespielt haben; Eltern und die ältere Schwester haben nie etwas bemerkt, auch nicht, dass der Angeklagte sich länger im Zimmer des Mädchens aufhielt.

Über die Motivation, warum die junge Frau eine solche Beschuldigung erhoben hat, lässt sich schwer etwas sagen. Möglicherweise hatte der Freund, dem sie auch heute ihrer Aussage nach sehr zugetan ist, eine Rolle gespielt. Am Donnerstag wird das Gericht im Dreierkollegium – das aus Frauen besteht – sein Urteil fällen. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 17.05.2017, 19:53 Uhr

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