Thun

Eine Zeitreise durch die Thuner Geschichte

ThunDie neue Sonderausstellung des Schlossmuseums zeigt, wie die Vorfahren der Thuner lebten. Die Zeitreise beginnt in der Steinzeit.

Die Ausstellung «Spuren der Vergangenheit – eine Zeitreise im Schloss Thun»: Das Modell des Turms und der umliegenden Gebäude kann auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden.

Die Ausstellung «Spuren der Vergangenheit – eine Zeitreise im Schloss Thun»: Das Modell des Turms und der umliegenden Gebäude kann auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden. Bild: zvg

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«Spuren der Vergangenheit – Eine Zeitreise im Schloss Thun»: So heisst die zweite Sonderausstellung in den neuen Räumlichkeiten des Schlossmuseums Thun. «Es handelt sich um einen Schnelldurchlauf durch die Geschichte der Menschen und ihrer Stadt», sagt Museumsleiterin Lilian Raselli. «Wir zeigen Fundstücke, die typisch für den Schlossberg und die Region Thun sind.»

Feuersteine und Steinbeilklingen

Die Zeitreise beginnt in der Steinzeit, rund 3500 Jahre vor Christus. Steinwerkzeuge waren die einzige Hilfe, die die Menschen damals für Jagd, Handwerk und Nahrungszubereitung zur Verfügung hatten. In der ersten Vitrine der Sonderausstellung sehen die Besucherinnen und Besucher unter anderem eine Steinmühle, Feuersteine, Steinbeilklingen und Netzsenker. «Bei Letzteren handelt es sich um Steine mit einem Loch, mit denen die Fischer ihre Netze an Ort und Stelle hielten», sagt Lilian Raselli. Diese Technik war in der Steinzeit weit verbreitet. Doch die Netzsenker aus Thuner Ausgrabungen haben eine Form, die sich von vergleichbaren Funden aus anderen Gegenden unterscheidet. Warum dies so ist, ist derzeit noch nicht geklärt. Die Funde aus der Steinzeit wurden 1925 bei Grabarbeiten in der Marktgasse entdeckt.

Der einzigartige Fund

In der Bronzezeit (2200 bis 800 v.Chr.) benutzten die Menschen zum Fischfang nicht nur Netze, sondern neu auch feine Metallhaken, die bereits sehr modern wirken. In der entsprechenden Vitrine sind einige Exemplare ausgestellt, zudem Beilklingen, Gewandnadeln und auch eine Schmuckkette – aus Muscheln aus dem Mittelmeer. «Die Thuner Funde aus der Bronzezeit gehören zu den bedeutendsten in ganz Europa. Hier bestand damals ein wichtiges kulturelles Zentrum!», betont Lilian Raselli.

Einen «einzigartigen» Fund enthält die Vitrine zur Römerzeit: einen eierschalendünnen Bronzebecher, voll mit Münzen, gefunden in Thun-Allmendingen auf dem Gelände des früheren Tempels. Es handelt sich dabei um einen Hortfund. Mit anderen Worten: Irgendjemand hat den Schatz, aus welchen Gründen auch immer, absichtlich vergraben, um ihn vor einem unerlaubten Zugriff zu schützen.

Weiter gehts ins Mittelalter des 11.Jahrhunderts. Dass der Speisezettel unserer Vorfahren recht vielfältig war, bezeugen die Speisereste beziehungsweise Knochen, die am Schlossberg gefunden wurden. Neben Rind, Huhn, Schwein und Schaf taten sich die Leute auch an Bären gütlich. Vergleichsweise unspektakulär nimmt sich dagegen ein anderes Fundstück aus: eine blaue Glasscherbe. Für Lilian Raselli hingegen ist das Teil enorm wichtig: «Blaues Glas war damals teuer und deshalb sehr selten. Es zeigt, dass die Schlossbergbewohner einen sehr hohen Lebensstandard hatten.»

Ein zerlegbares Schlossmodell

Ein weiteres Prunkstück aus dem Mittelalter, das wieder gezeigt wird, ist das Thuner Richtschwert. Die ersten Erwähnungen stammen aus dem 16.Jahrhundert. «Neuere Erkenntnisse zeigen nun, dass es aus dem 13.Jahrhundert stammt und damit einen grossen Seltenheitswert hat.» Lilian Raselli kann noch mit einer weiteren Neuigkeit aufwarten: «Einen Verurteilten damit mit einem Hieb zu enthaupten, ist beinahe unmöglich, da sich der Schwerpunkt weit hinten befindet. Es handelt sich vielmehr um ein Schlachtschwert.»

Die ganz grosse Überraschung aus dem Mittelalter betrifft eine Erkenntnis aus den archäologischen Ausgrabungen anlässlich der Bauarbeiten im letzten Jahr: «Nun ist klar, dass die Freiherren von Thun im 11.Jahrhundert schon in einem grossen Bau, einem Saalbau, auf dem Schlossberg residierten. Seine Fundamente befinden sich unter dem zähringischen Donjon», verrät Lilian Raselli. Ein weiteres Ausstellungshighlight ist für die Museumsleiterin ein Schlossmodell, das in seine Bestandteile zerlegt und wieder zusammengesetzt werden kann. Die Ausstellung dauert bis am 31.Oktober.

www.schlossthun.ch (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 16.07.2015, 07:50 Uhr

Untersuchung

Das Alter der Getreidekörner

Welches ist das genaue Alter der verkohlten Getreidekörner, die 1924 in der Marktgasse in Thun gefunden wurden? Lilian Raselli, Leiterin des Schlossmuseums Thun, möchte es genau wissen und an der ETH Zürich mit den gut erhaltenen Weizenkörnern eine sogenannte C14-Analyse durchführen lassen.

Damit kann das Alter der ältesten Besiedlung Thuns festgelegt werden. Auch die Bodenproben aus derselben Fundstätte bergen ein Geheimnis, das sie lüften möchte: «Anhand einer archäobotanischen Untersuchung auf Pollen könnte man Aufschluss darüber gewinnen, wie sich die Menschen der Region in jener Zeit ernährten oder ob sie ihre Nahrung auch als Jäger und Sammler beschafften.»

Der Haken an der ganzen Sache: Die Untersuchungen kosten 4000 Franken. An sich ein kleiner Beitrag, doch für das Schlossmuseum kein Pappenstil, beträgt der finanzielle Beitrag der öffentlichen Hand doch lediglich 250'000 Franken. Lilian Raselli sucht deshalb einen Sponsor. Zudem schwebt ihr vor, mit interessierten Personen eine Exkursion an die ETH zu machen, um ihnen das Vorgehen der Forscher näherzubringen.

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