Thun

Flüchtlinge bleiben ein Thema

ThunAuch wenn derzeit die Flüchtlingszahlen überschaubar sind, wird das Thema die Gemeinden weiter beschäftigen. «Darauf müssen wir vorbereitet sein», hielt Bundes­rätin Simonetta Sommaruga gestern am Politforum fest.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga informierte die über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Politforum im KKThun über die aktuelle Lage im Asylwesen.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga informierte die über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Politforum im KKThun über die aktuelle Lage im Asylwesen. Bild: Patric Spahni

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«Die Flüchtlinge werden uns weiter beschäftigen», sagte gestern Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) am Politforum in Thun. Die Magistratin kam im Kultur- und Kongresszentrum gleich zur Sache.

Denn genau 432 Forumsteilnehmer aus zahlreichen Gemeinden und Behörden wollten wissen, wie es um die aktuelle Situation im Asylwesen steht. Und die Bundesrätin hatte auch gleich ein paar Zahlen bereit.

So seien im Januar dieses Jahres 1600 Asylgesuche gestellt worden. Im Februar zählten die Amtsstellen 1500 Begehren. «Dies sind weniger als auch schon», hielt die Bundesrätin fest. Aber: «Wir wissen nicht, wie sich die Lage entwickeln wird.»

«Angesichts der Ungewissheit müssen wir vorbereitet sein.»Bundesrätin
Simonetta Sommaruga

Die zuständigen Stellen hätten deshalb mit dem Bundesrat ein Notfallszenario in die Wege ge­leitet, das auch mit den benachbarten Staaten abgesprochen sei. Denn die Flüchtlingsproblematik könne die Schweiz nicht allein lösen. Dazu brauche es ganz Europa. «Angesichts der Ungewissheit müssen wir vorbereitet sein», so Sommaruga weiter.

Dabei sei die Zusammenarbeit mit den Kantonen und den Gemeinden das A und O. «Wenn die Gemeinden mittragen, kommt es gut. Wenn sie sich dagegen wehren, wird es schwierig», meinte sie. Zumal Flüchtlinge, die Schutz nötig hätten, diesen auch erhalten sollten. Oder eben, wenn dies nicht der Fall sei, diese auch konsequent zurückgewiesen würden.

Verfahren beschleunigen

Simonetta Sommaruga sprach sich denn auch für ein beschleunigtes Asylverfahren aus. «Dies ist wichtig für die Glaubwürdigkeit der schweizerischen Asylpolitik», sagte sie. Und sie ging ebenso auf die Wichtigkeit der Integration der Flüchtlinge ein. «45 Prozent der Aufgenommenen sind unter 25-jährig», hielt die Bundesrätin fest.

Und weiter: «Dies ist ein riesiges Potenzial, aber auch eine grosse Herausforderung.» Zumal es darum gehe, die Leute so zu integrieren, dass sie die Gesellschaft unterstützen könnten und nicht das Sozialsystem belasten würden. Integration bedeute deshalb eben auch eine Investition in die Zukunft.

Die Bundesrätin nahm sich am Politforum in Thun auch Zeit für eine Fragerunde. Und sie konnte vorab lobende Worte ernten. So laufe im Dorf mit Asylbewerberinnen und -bewerbern vieles gut, meinte etwa eine Gemeindevertreterin. Auf die Frage, wie wichtig für den Bund die direkte Hilfe vor Ort sei, meinte die Bundesrätin, dass für die Leute in der Heimat vorab Perspektiven wichtig seien. «Dort gilt es unterstützend zu wirken.»

Recht auf Bildung

Überhaupt wurde am Forum das Thema Integration gleich mehrfach auf den Plan gebracht. «In unserer Gesellschaft hat jeder Mensch ein Recht auf Bildung», betonte Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne). Der Berner Erziehungsdirektor stellte fest, dass viele Flüchtlinge motiviert seien, etwas zu erreichen.

«Dieses Potenzial dürfen wir nicht brachliegen lassen», sagte Pulver. Voraussetzungen für eine soziale und eine berufliche Integration seien indes eine gute Volksschulbildung und Sprachkenntnisse. Hier hätten sich die ergriffenen Massnahmen wie etwa Intensivkurse in Deutsch und Französisch bislang bewährt.

Regierungsrat Bernhard Pulver sprach vor allem über Integration. Bild: Patric Spahni

Auch das Brückenangebot berufsvorbereitendes Schuljahr nehme dabei einen wichtigen Platz ein. Diese Klassen sind offen für Jugend­liche zwischen 17 und 25 Jahren. Weil die Zahl der spät zugewanderten Jugendlichen aber stetig steige, bestehe trotz zusätzlicher Klassen nach wie vor eine grosse Warteliste.

Weiter habe die Erziehungsdirektion die Absicht, auch die Berufseingliederung mit Vorlehre zu fördern. «Vorgesehen ist, bis 2020 rund 120 zusätzliche Vorlehrstellen für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene zu schaffen», erläuterte Pulver.

Als grosse Herausforderung in Sachen Bildung ortete er angesichts der geplanten Sparpakete den ­Finanzbedarf, die kulturellen Unterschiede der Flüchtlinge, aber auch Familien und Kinder, die durch Gewalterlebnisse traumatisiert und auf psychologische Betreuung angewiesen sind.

«Gemeinsam werden wir diese Herausforderungen meistern», zeigte sich Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP) überzeugt. ­Gute Chancen räumt er den beschleunigten Asylverfahren ein. Diese sollen künftig maximal 140 Tage dauern und auf eine «Integration von Beginn an und einen raschen und konsequenten Vollzug» fokussiert sein. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 10.03.2017, 20:04 Uhr

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