Thun

Melli sorgte für erhitzte Gemüter

ThunUnerwartet hitzig verlief im Thuner Stadtrat die Diskussion um eine Überbauungsordnung für die Hofgruppe Melli in Goldiwil. Die Vorlage wurde dann aber doch mit 24 gegen 13 Stimmen angenommen.

Die Hofgruppe Melli, wo früher die Goldiwiler zur Schule gingen: Die Gebäude sollen weitgehend erhalten bleiben, aber teilweise umgenutzt und mit einem Neubau ergänzt werden können.

Die Hofgruppe Melli, wo früher die Goldiwiler zur Schule gingen: Die Gebäude sollen weitgehend erhalten bleiben, aber teilweise umgenutzt und mit einem Neubau ergänzt werden können. Bild: Patric Spahni

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Während der Ausarbeitung der Überbauungsordnung (ÜO) für die Hofgruppe Melli in Goldiwil gab das Vorhaben kaum zu reden. Nach dem Wegzug der dortigen Holzverarbeitungsbetriebe kommunizierte die Stadt Thun im Dezember 2014 ihre Absicht, die Parzellen im Melli einer neuen Nutzung zuzufügen: Künftig sollen die Gebäude der Wohnnutzung dienen.

Die für den Ort besonders wertvollen Bauten sollen möglichst saniert oder durch Neubauten mit ähnlichem Charakter ersetzt werden. Im Sinne der Siedlungsentwicklung nach innen ist auch ein zusätzlicher Neubau vorge­sehen. Bei der öffentlichen Mitwirkung im Januar 2015 gab es lediglich eine anonyme Eingabe, ansonsten gingen keine Beanstandungen ein.

Während der Auflage der ÜO im letzten Herbst wurden eine Rechtsverwahrung und eine Einsprache eingereicht. Diese konnte auch nach einer Einspracheverhandlung nicht bereinigt werden, wie der Gemeinderat in seiner Botschaft schreibt. Zudem erschienen in den letzten Tagen in dieser Zeitung zwei Leserbriefe, welche unter anderem die Erschliessung oder die Dachgestaltung des Neubaus kritisierten.

«Mehrverkehr verträglich»

Die spät erwachte Opposition gab am Donnerstag auch im Stadtrat zu reden. «Wir müssen hier aber die Balance zwischen öffentlichen und privaten Interessen wahren», gab Gemeinderätin Marianne Dumermuth (SP) zu Bedenken. Der kritisierte Mehrverkehr sei mit 12 bis 20 Fahrten pro Tag «verträglich». Die vorliegende ÜO werde der Entwicklung des Melli mit seinem schützenswerten Hofcharakter gerecht.

Auch in der vorberatenden Sachkommission (Sako) waren die Meinungen geteilt, das Geschäft wurde dort mit 4 zu 3 Stimmen abgelehnt. So hätten sich sechs Familien aus der Nachbarschaft mit einem Brief an die Sako gewandt und darin vor allem die Zufahrt über den schmalen Flühliweg und die Ermöglichung von Flachdächern kritisiert, teilte Sako-Sprecher Peter Aegerter (BDP) mit. Zudem werde der geplante Neubau als zu gross empfunden.

«Flachdächer bereits erlaubt»

Für Andrea de Meuron (Grüne) war dieser Kritikpunkt nicht «ganz nachvollziehbar». So werde die maximale Nutzung nicht ausgeschöpft. Zudem sei es sinnvoller, zuerst ein konkretes Projekt abzuwarten und dann allenfalls eine Einsprache zu machen. Ähnlich argumentierte auch Adrian Christen (SP). Zudem seien gemäss geltendem Baugesetz schon heute Flachdächer in Goldiwil möglich. Die Fraktion der Mitte wie auch die BDP orteten bei den Gegnern «Partikularinteressen» und sprachen sich ebenfalls für die ÜO aus.

«Wollen kein Klein-Davos»

In den falschen Hals geriet die Vorlage der SVP/FDP-Fraktion. «Wir wollen nicht zu einem Klein-Davos werden», wetterte der in Goldiwil wohnhafte Hans­peter Aellig (FDP). Der geplante Neubau füge sich nicht in die historische Hofgruppe ein. Zudem befänden sich die geplanten Wohnungen in der Nähe des Schiessstandes. «Wir wollen hier oben auch künftig noch schiessen können», sagte Aellig. Eine Entwicklung des Gebiets Melli solle möglich sein, «aber mit gesundem Augenmass».

Der Widerstand der SVP-FDP-Fraktion nützte allerdings nichts: In der Schlussabstimmung wurde die ÜO Goldiwil-Melli mit 24 zu 13 Stimmen angenommen. Nach dem Ja des Stadtrats kann die ÜO nun im Frühling dem Kanton zur Genehmigung vorgelegt werden. Bevor im Gebiet Melli gebaut werden kann, braucht es dann auch noch ein Baubewilligungsverfahren. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 17.02.2017, 08:37 Uhr

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