Kälteeinbruch hat fatale Folgen für Obstbäume

Landwirten und vor allem Obstbaumbesitzern beschert der strenge Frost der letzten Nächte Sorgenfalten. Erfrieren durch den Spätfrost die Blüten, gibt es kein Obst.

Der Frost setzt den Obstbäumen zu.

Der Frost setzt den Obstbäumen zu. Bild: Keystone

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«Das ist ein klassischer Spätfrost», stellt Baumpflegespezialist Fabian Dietrich fest. «Frostnächte sind eigentlich nichts Aussergewöhnliches im April.» Doch dieser Spätfrost habe es in sich. «Zuvor war es während einer sehr langen Periode sehr warm. Dadurch ist die Vegetation dieses Jahr sehr weit fort­geschritten.» Und sie ist deshalb besonders anfällig für Frost­schäden.

Blüten erfroren

Die Blüte der Apfel- und Birnbäume – normalerweise erst im Mai fällig – ist in vollem Gang, besser gesagt, war es. Denn die nächtliche Eiseskälte hat den empfindlichen Blüten ein jähes Ende gesetzt. «Sie sind erfroren, über Nacht braun und welk geworden und fallen zum Teil ab», sagt der Baumexperte aus Därligen.

«Wenn die Blüte abstirbt, wächst auch keine Frucht.»

Fabian Dietrich, Baumexperte

Wenn die Blüte abstirbt, wächst auch keine Frucht. Bei den Kirschbäumen ist es nicht besser. Deren Blüte ist in der Region zwar vielerorts schon vorbei. Doch die winzigen, bereits heranwachsenden Kirschen sind empfindlich auf Minustemperaturen. «Die Folgen für die Obstbauern sind fatal», sagt Dietrich. Er befürchtet für viele Obsthaine einen Ertragsausfall von bis zu zwei Dritteln oder noch mehr.

Auch die Triebe des Frühlingslaubs können erfrieren. Stark betroffen sind vom Spätfrost ebenfalls Zierbäume und eingeführte Gehölze, die dem hiesigen Klima nicht angepasst sind. Für bereits geschwächte oder frisch gepflanzte Bäume, die noch wenig Reserven für einen neuen Blattaustrieb haben, kann der Spätfrost schlimmstenfalls den Todesstoss bedeuten. «Immerhin lassen sich solche Bäume besser vor der Kälte schützen», sagt der Oberländer Baumexperte, «etwa mit Vlies.»

«Die Folgen für  die Obstbauern  sind fatal.»

Fabian Dietrich, Baumexperte

Landwirte, die im grösseren Stil Erwerbsobst anbauen, haben eigene Methoden, ihre Haine vor Spätfrost zu schützen. Etwa mit der Frostberegnung. Dabei besprinkeln sie kurz vor der kältesten Stunde den Obsthain mit Wasser. Dieses ist weniger kalt als die Luft und hat somit einen wärmenden Effekt. Zudem geben die Wassertropfen beim Gefrieren physikalisch Wärme ab und bilden einen isolierenden Eisfilm.

Weniger betroffen vom Spätfrost sind einheimische Waldbäume wie Buche, Esche oder Fichte. Doch auch für sie sind die aktuellen Minusgrade eine Belastung. «Entsprechend werden auch sie diesen Sommer anfälliger sein für Krankheiten und Schädlinge», befürchtet Dietrich. Offenkundig ist, dass der Spätfrost erheblichen Schaden an Bäumen und Pflanzenkulturen der Region angerichtet hat.

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 21.04.2017, 07:47 Uhr

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