Das Ende einer bizarren Karriere

Aus und vorbei. Oskar Freysinger ist als Walliser Staatsrat abgewählt. Seine «konservative Revolution» ist gescheitert.

Abgewählt: Oskar Freysinger nach seiner Wahlniederlage. (19.03.2017)

Abgewählt: Oskar Freysinger nach seiner Wahlniederlage. (19.03.2017) Bild: Olivier Maire/Keystone

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Das wars. Vier Jahre nach seinem Einzug in den Staatsrat haben die Walliser Stimmbürger SVP-Mann Oskar Freysinger abgewählt. FDP-Novize Frédéric Favre schnappte sich den fünften Sitz und ermöglicht seiner Partei den Wiedereinzug in die Regierung. Die Wahl fiel knapp aus, weil offenbar viele CVP-Anhänger im Unterwallis nicht Favre wählten. Hier wirken jahrzehntealte Rivalitäten zwischen Freisinn und Christdemokraten, wie es sie in dieser Ausprägung nur im Wallis gibt. Die CVP konnte derweil ihre drei Sitze halten. Der Plan der SVP, das C-Lager mit dem Dissidenten Nicolas Voide zu zersplittern und Christophe Darbellay sein uneheliches Kind zum Vorwurf zu machen, ist nicht aufgegangen: Die Stimmbürger schätzen diese Art der Stimmungsmache nicht, Freysingers «konservative Revolution» scheiterte grandios.

Mit seiner Abwahl endet eine bizarre Politkarriere. Der SVP-Vize, so schien es lange, konnte sich alles erlauben und wurde trotzdem gewählt: Von 2003 an drei Mal in den Nationalrat, 2013 in die Walliser Regierung. Mit seinen Ausfälligkeiten stiess er bei all jenen auf Zuspruch, die auf frischen Wind im Politbetrieb hofften. Doch Freysinger blieb als Nationalrat wirkungslos, und auch seine Bilanz nach vier Jahren Walliser Staatsrat ist mager.

Was sich aber über all die Jahre wie eine Konstante durch Freysingers Wirken zog, war die Anbiederung bei menschenverachtenden Ideologien. Der Walliser schmückte sein Haus mit der von Neonazis verwendeten Reichskriegsflagge, relativierte den Völkermord an den Armeniern und engagierte einen Rassisten sowie einen Leugner des Genozids von Srebrenica als Berater. Regelmässig war Freysinger Gast bei Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern in ganz Europa und verklärte am russischen Staatsfernsehen die Politik von Wladimir Putin.

Hält man sich all dies vor Augen, erstaunt es, dass Freysingers Karriere erst heute ein Ende fand. Denn ein Mann, dessen politisches Programm zur Hauptsache aus degoutanten Provokationen besteht, ist in einer Kantonsregierung fehl am Platz. Freysingers Abwahl ist denn auch ein wohltuender Kontrapunkt in Zeiten, da der Populismus auf dem Vormarsch ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2017, 18:32 Uhr

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