Die F/A-18 sollen länger fliegen

Verteidigungsminister Guy Parmelin will die F/A-18-Kampfjets für eine halbe Milliarde Franken nachrüsten, damit sie länger genutzt werden können. Sonst droht laut Armee bis zur Beschaffung neuer Kampfjets eine Lücke in der Sicherung des Luftraums.

Die F/A-18 sollen 1000 Flugstunden länger im Einsatz stehen als vorgesehen. Die notwendigen Nachrüstungen kosten bis 490 Millionen Franken.

Die F/A-18 sollen 1000 Flugstunden länger im Einsatz stehen als vorgesehen. Die notwendigen Nachrüstungen kosten bis 490 Millionen Franken. Bild: Keystone

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Der am Montag veröffentlichte Kurzbericht zeigt, wie es mit der Schweizer Luftwaffe weitergehen soll. Im Mai 2014 hat die Bevölkerung den Kauf von 22 Kampfflugzeugen Gripen an der Urne abgelehnt. Die heutigen Jets des Typs F/A-18 sind bis ins Jahr 2025 einsatzfähig.

Da der Flugzeugkauf ein kniffliger Prozess ist, der sich über mehrere Jahre erstreckt, gerät die Luftwaffe in Zeitnot: Bis zur Beschaffung neuer Jets droht eine zeitliche Lücke, während dieser der Luftraum nicht gesichert werden könnte. Eine Expertengruppe sucht nun nach einem Weg, dies zu vermeiden, und arbeitete den erwähnten Kurzbericht aus.

Parmelin stellt Weichen

Die Weichenstellung, die Verteidigungsminister Guy Parmelin am Montag vor Medien präsentierte, lässt sich in zwei Kernpunkten zusammenfassen:

Nutzungsverlängerung Die bisherigen F/A-18 sollen insgesamt während 6000 Flugstunden eingesetzt werden, obwohl nur 5000 vorgesehen sind. Anstatt bis höchstens 2025 könnten sie so bis ins Jahr 2030 von der Luftwaffe verwendet werden.

Dafür müssen verschiedene Teile ersetzt werden. Die Expertengruppe rechnet dafür mit zusätzlichen Kosten von bis zu 490 Millionen Franken. Und die noch älteren ­F-5-Tiger möchte die Armee wenigstens teilweise länger als bis 2018 nutzen.

Bundesrat Guy Parmelin. Bild: Keystone

Neue Beschaffung Für die Projektierung, Erprobung und Vorbereitung der Beschaffung eines neuen Kampfjets will Parmelin einen ersten Kredit von 10 Millionen Franken beantragen.

Und weil die Zeit drängt, will Parmelin den 10-Millionen-Kredit schon 2017 mit der Armeebotschaft dem Parlament vorlegen. Auch die Mehrkosten für die Sanierung des F/A-18 soll wenn möglich 2017, spätestens aber 2018 ins Parlament kommen. Diese Weichenstellungen sind laut Armee «zeitkritisch». Erfolgen sie später, drohen weitere Verzögerungen bei der Neuanschaffung.

2022 im Parlament

Der Plan sieht vor, dass der neue Kampfflugzeugtyp im Jahr 2020 festgelegt wird. Zwei Jahre später soll das Parlament über den Beschaffungskredit entscheiden. Wenn alles plangemäss läuft, stehen ab 2025 die ersten neuen Jets im Einsatz. Bis 2030 soll die neue Flotte schrittweise komplettiert werden.

Die F-5-Tiger sind heute schon veraltet. Militärisch argumentiert bedeutet das: In einem Luftkampf gegen moderne Jets wären sie chancenlos. Sie haben einen vergleichsweise schwachen Radar und Kanonen mit veralteten Infrarotlenkwaffen für kurze Strecken. Sie werden nur bei Tag und guten Sichtbedingungen eingesetzt, wie die Experten in ihrem Kurzbericht schreiben.

Sie dienen zum Beispiel als Ziel im Luftkampftraining oder überwachen die Radioaktivität in der Luft. Für luftpolizeiliche Aufgaben taugen sie laut Expertengruppe nur noch in sehr beschränktem Umfang. Die Kosten für den Weiterbetrieb werden auf 30 Millionen Franken geschätzt.

Erdkampf wieder gefragt

Die Kampfjets der Luftwaffe sollen auch wieder ins Geschehen am Boden eingreifen können. Die Expertengruppe neues Kampfflugzeug empfiehlt, schon mit dem F/A-18 für den Erdkampf zu trainieren.

«Der neue Kampfjet sollte im Jahr 2030 bereit sein.»Bundesrat Guy Parmelin

Dabei werden angreifende ­Bodentruppen auf Distanz bekämpft, zum Beispiel mit Präzi­sionslenkbomben. Die Luftwaffe ist dafür nicht mehr ausgerüstet, seit Mitte der 1990er-Jahre die Hunter-Kampfjets ausser Dienst gestellt worden sind.

Inzwischen scheint die Fähigkeit wieder gefragt: Der Gripen hätte ebenfalls Bodenziele bekämpfen können. Im Hinblick auf dessen Beschaffung sprach sich der Bundesrat vor drei Jahren dagegen aus, die F/A-18 für den Erdkampf nachzurüsten.

Mit dem Nein zum Gripen hat sich die Ausgangslage verändert. In einem am Montag veröffentlichten Bericht empfiehlt die Expertengruppe, schon mit dem F/A-18 für den Erdkampf zu trainieren.

Die Wiedererlangung der verlorenen Erdkampffähigkeit daure längere Zeit, heisst es in dem Bericht. Würde sie erst mit dem neuen Kampfflugzeug aufgebaut, stehe sie frühestens 2030 zur Verfügung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.11.2016, 07:56 Uhr

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