Die Zweiklassengesellschaft bei den Emmi-Milchbauern

Von den 6500 Milchbauern, die Emmi beliefern, kassiert ein grosser Teil mit, wenn es Emmi gut geht. Weil sie am Aktionariat beteiligt sind, profitieren sie von der üppigen Dividende. Alle anderen gucken wegen des tiefen Milchpreises in die Röhre.

Der Milchpreis ist tief: Bauern die nicht am Aktionariat von Emmi beteiligt sind, leiden darunter.

Der Milchpreis ist tief: Bauern die nicht am Aktionariat von Emmi beteiligt sind, leiden darunter. Bild: Keystone

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Am nächsten Mittwoch, dem 26. April, ist Zahltag. Dann füllt sich für etliche Bauern, die Emmi ihre Milch liefern, das Loch zum Teil wieder, das der tiefe Milchpreis in der Milchrechnung hinterliess. Denn sie profitieren via Beteiligung am hervorragenden Geschäftsgang der Firma. Über 140 Millionen Franken Reingewinn bleibt 2016 unter dem Strich übrig. Nach 2015 wieder ein Rekord.

Von den 6500 Emmi-Lieferanten erhalten gewiss die Hälfte etwas davon ab. Zuallererst jene 2600, die Mitglied sind bei den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP). Aber auch die rund 1000, die 2016 mit dem Verkauf der Mittelland Molkerei an Emmi zu deren Aktionären wurden.

Erstere erhalten etwa 2500 Franken. Das macht im Durchschnitt ein Viertel der Mindereinnahmen gegenüber 2014 wett, als der Milchpreis noch akzeptabel war. Bei den neuen Aktionären lässt sich der Erlös nicht beziffern; dieser hängt von der Anzahl Aktien ab. Eine wirft eine Dividende von 5 Franken 90 Rappen ab, insgesamt gibt es knapp 5,35 Millionen Emmi-Aktien.

ZMP am Tropf von Emmi

Der ZMP-Verband leitet etwa die Hälfte der 17 Millionen Franken Dividende, die er als Mehrheitsaktionär erhält, an seine Mitglieder weiter. Den Rest braucht er zum grossen Teil selber. Denn statt von Mitgliederbeiträgen lebt der Verband von dieser Dividende.

Zeichnet sich da nicht ein Interessenkonflikt ab? Wie soll ein Verband für einen höheren Milchpreis einstehen, wenn er am Tropf der Firma hängt, die als grösste Abnehmerin in der Schweiz den Preis wesentlich steuern kann?

Muss sie den Bauern für die Milch mehr bezahlen, drückt das auf den Gewinn, soweit ist die Milchbüechlirechnung einfach. ZMP-Sprecherin Carol Aschwanden winkt ab. Würden die Dividenden einmal weniger üppig fliessen, müsste man wieder Beiträge erheben. Aber tatsächlich kriege man hie und da zu hören, man jammere bei den Zentralschweizer Milchbauern auf hohem Niveau.

Sogar Nicht-Emmi-Bauern profitieren

Bitter ists nämlich für jene Emmi-Lieferanten, die nicht zum Klub gehören, zum Beispiel die meisten der 750 aus dem Kanton Bern. Sie müssen sich mit dem schmaleren Milchgeld begnügen. Besonders süss ist der Zustupf dagegen für jene rund 600 Milchbauern, die zwar ZMP-Mitglieder sind, aber gar nicht an Emmi liefern.

Sie profitieren dennoch vom Extrabatzen aus Luzern – pardon, aus Übersee oder zumindest aus dem Ausland. Denn Emmi erwirtschaftet schon fast die Hälfte des Umsatzes dort. Welcher Teil des Gewinns dieser beisteuert, sagt der Milchproduktefabrikant nicht. Dass es sich lohnt, lässt sich aus Zu­käufen und dem erwarteten Umsatzwachstum im Ausland ablesen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2017, 12:04 Uhr

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