FC Thun: Werben in eigener Sache

Der FC Thun hat die letzten drei Spiele gewonnen und sich der Abstiegssorgen entledigt. Mauro Lustrinelli ist noch für fünf Partien im Amt, Angst um seine Zukunft hat der Trainer jedoch nicht.

Nur die Ruhe: Mauro Lustrinelli wird trotz Erfolg nicht euphorisch.

Nur die Ruhe: Mauro Lustrinelli wird trotz Erfolg nicht euphorisch. Bild: Keystone

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Es ist noch gar nicht lange her, da dominierten Angst und Zweifel die Gefühlslage beim FC Thun. Nach der Niederlage in Lugano Mitte April trennten ihn nur vier Punkte vom Tabellenende.

Die Furcht vor einem Endspiel um den Ligaerhalt am letzten Spieltag gegen Vaduz war spürbar, und hie und da kamen bei Aussenstehenden Zweifel auf, ob es falsch gewesen war, Jeff Saibene zu Bielefeld ziehen zu lassen und ob Interimstrainer Mauro Lustrinelli der Aufgabe gewachsen sein würde. Diese Gefühle sind mittlerweile weit weg.

Denn mit 10 Punkten Vorsprung auf den Abstiegsplatz sind die Thuner fünf Runden vor Saisonende ihre Sorgen um den Ligaerhalt los. Freilich wird dies nicht so kommuniziert. Freilich sagen die Beteiligten, dass sie erst gerettet seien, wenn der Abstieg auch mathematisch nicht mehr möglich sei.

Mauro Lustrinelli ist diesbezüglich keine Ausnahme, wenn er sagt: «Wir wollen so schnell wie möglich den Ligaerhalt schaffen.» Mit einem Sieg in Basel (Sonntag, 13.45) bei einer gleichzeitigen Niederlage von Vaduz in St. Gallen könnten auch die Mathematiker nicht mehr am Thuner Klassenerhalt rütteln.

Die Aussage Lustrinellis ist ein Zeichen für die Ernsthaftigkeit, mit der er und seine Kollegen im Trainerstaff an ihre Aufgaben gehen. Allerdings wirkt der Tessiner im Gespräch überhaupt nicht angespannt, vielmehr gelöst. Er lacht, macht auch mal einen Spruch. Mitverantwortlich für diese Lockerheit dürften auch die Resultate der letzten Wochen sein.

Die Thuner reihten zuletzt drei Siege aneinander – etwas, dass ihnen vor sechs Jahren letztmals gelungen war. «Wir haben uns gut gefunden», sagt Lustrinelli. Er lobt seine Mannschaft dafür, dass sie immer konsequent am Matchplan festhalte, sich nicht verunsichern lasse - egal, was in einem Spiel passiert. Der Tessiner steht mittlerweile seit sechs Spielen an der Seitenlinie des FCT.

Lustrinelli wäre nicht Lustrinelli, würde er ob der drei Siege in Folge in Euphorie verfallen. «Das ist ein Anfang, es kann schnell wieder anders aussehen», mahnt er.

Und sowieso: Ein Manko, das die Thuner schon die ganze Saison über begleitet, konnte auch der 41-Jährige bisher nicht ausmerzen: Die mangelhafte Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Nicht nur am Wochenende gegen Luzern hatten die Thuner eine Vielzahl von Möglichkeiten vergeben, ehe sie mit drei Toren den Rückstand doch noch in einen Sieg umwandelten.

«Wir sind diesbezüglich noch nicht da, wo wir hin wollen», meint Lustrinelli. Der Trainer arbeitet viel mit den Stürmern zusammen, und Simone Rapp, obwohl er bisher unter Lustrinelli zu weniger Einsatzzeit kam, erwies sich zweimal als der Mann für die siegbringenden Tore.

Auch am Sonntag in Basel dürfte die Kaltblütigkeit eine entscheidende Rolle einnehmen, denn der zu Hause in dieser Saison noch ungeschlagene Meister wird nicht derart viele Chancen zulassen wie die letzten Thuner Gegner. Für Trainer Lustrinelli spielt das Resultat eine untergeordnete Rolle. Basel stehe nicht umsonst bereits als Meister fest, meint er.

«Wir wollen einfach unsere Leistung bringen.» Dass er sich für sein Team dennoch Chancen auf den vierten Sieg de suite ausrechnet, zeigt sein Verweis auf die erste Begegnung der Thuner dieser Saison im St. Jakob Park. Damals, Anfang Oktober, kassierte der FCT erst in der Nachspielzeit den Ausgleich (1:1). «Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie auch in Basel mithalten kann.»

Auf Jobsuche

Lustrinelli passt mit seiner Ruhe und Abgeklärtheit ins Umfeld der Berner Oberländer. Obwohl es für ihn von Aussen betrachtet durchaus Anlass dazu gäbe, beunruhigt zu sein. Sein Vertrag bei den Thunern läuft Ende Juni aus, mit den jüngsten Erfolgen betreibt er jedoch beste Werbung in eigener Sache.

Zu seiner Zukunft habe er sich noch keine Gedanken gemacht, sagt Lustrinelli. Der Fokus liege nun voll auf seinen Aufgaben beim FC Thun. Sorgen macht er sich jedoch keine.

«Ich bin sicher, dass Angebote kommen werden.», sagt Lustrinelli. Er möchte sich bei möglichen neuen Jobs indes nicht auf einen Cheftrainerposten in der Super League beschränken. Er sei in verschiedene Richtungen offen, sagt Lustrinelli. «Mehr kann ich dazu nicht sagen.»

Vor zwölf Jahren hatte die Thuner Siegesserie übrigens sieben Spiele lang angedauert. Mauro Lustrinelli schoss in dieser Zeitspanne acht Treffer und war zum Saisonende mit 20 Treffern gar der zweitbeste Skorer der Liga. Thun qualifizierte sich wenig später sensationell für die Champions League. Da wich die Ruhe sogar beim FC Thun temporär einer Euphorie. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.05.2017, 09:30 Uhr

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Zwischen dem 1. November und dem 1. Mai bestritten die Ausländer bei den Oberländern gerade einmal 2,1 Prozent der Einsatzminuten. Nur der FK Rad Belgrad (Serbien), der FK Oleksandriya (Ukraine) sowie Admira Wacker (Österreich) und Helsinki IFK (Finnland) weisen während dieses Zeitraums noch einen tieferen Wert auf.

Im Vergleich der europäischen Ligen rangiert die Super League im Mittelfeld, 36,1 Prozent der Spielzeit absolvierten Ausländer. Den ersten Platz belegt Zypern (76,6 Prozent der Einsatzzeit). Danach folgen die Türkei, Belgien, England und Italien. Mit 15,7 Prozent weist derweil die serbische Liga den tiefsten Wert aus. dwu

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