Schoren genügt nicht mehr

Am Freitag startet Langenthal gegen Thurgau in die NLB-Playoffs. Vor der entscheidenden Saisonphase äussert sich Geschäftsführer Gian Kämpf über die Saison, die Situation in der NLB und die Notwendigkeit eines neuen Stadions.

Fordert rasch einen verbindlichen Entscheid: Für Langenthals Geschäftsführer Gian Kämpf ist ein neues Stadion für den Klub ein Muss.

Fordert rasch einen verbindlichen Entscheid: Für Langenthals Geschäftsführer Gian Kämpf ist ein neues Stadion für den Klub ein Muss. Bild: Andreas Blatter

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Langenthal hat die Qualifikation als Sieger beendet. Sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf uneingeschränkt zufrieden?
Gian Kämpf: Im Zusammenhang mit dem Sport ist es immer schwierig, das Wort «zufrieden» zu benutzen. Grundsätzlich aber haben wir eine hervorragende Qualifikation gespielt, die beste, die der SCL seit der Rückkehr in die NLB gespielt hat. Das zeigt sich auch darin, dass wir noch so viele Punkte geholt haben (110; die Red.). Es ist jedoch jetzt eher der Zeitpunkt dafür, auf die kommenden Playoffs auszublicken.

Nachdem der Qualifikationssieg feststand, verlor das Team zweimal in Folge. Hat Sie das beunruhigt?
Nein, überhaupt nicht. Man hat gemerkt, dass im Umfeld eine gewisse Unruhe aufkam, auch die Medien haben kritisch berichtet. Das kommt vielleicht auch aus der jüngeren Klubgeschichte heraus. 2007 sind wir als Qualifikationssieger im Viertelfinal gegen die GCK Lions ausgeschieden, in der letzten Saison im Viertelfinal gegen Martigny. Gerade das Aus in der letzten Saison hat uns wehgetan. Wir haben das über den Sommer hin aufgearbeitet. Und wir haben vor diesen zwei Niederlagen in 18 Spielen nur einmal verloren. Von daher waren wir intern nicht verunsichert.

Ist Thurgau als Gegner im Playoff-Viertelfinal eine einfache Hürde?
Es wäre gelogen, wenn ich uns nicht als Favoriten bezeichnen würde. Es wird jedoch garantiert kein Selbstläufer. Wenn wir nur leicht nachlassen, können wir gegen dieses Team verlieren.

Haben Sie keine Angst davor, ­erneut im Viertelfinal zu ­scheitern?
Nein. Die Situation ist auch eine andere als in der letzten Saison. Captain Stefan Tschannen fiel damals verletzt aus, mit Jeff Campbell einer unserer Ausländer zeitweise auch. Ihn sollte Gianni Ehrensperger ersetzen, auch er verletzte sich. Es mussten auch die Linien neu zusammengestellt werden. Das heisst aber nicht, dass es jetzt, wo alle Spieler fit sind, automatisch einfacher wird.

Nehmen wir einmal an, der SC Langenthal setzt sich durch, wird wie 2012 NLB-Meister und zieht in die Ligaqualifikation ein. Könnte der SCL aufsteigen?
Wir senden andere Signale aus als Rapperswil-Jona und Olten, die in den nächsten zwei bis drei Jahren aufsteigen wollen. Solche Aussagen gibt es von uns nicht. Wir wollen in erster Linie ein NLB-Spitzenklub sein. Der grosse Punkt ist die Infrastruktur. In der Schorenhalle ist es nicht möglich, ein NLA-Budget zu ­finanzieren, es von 4 auf 8 Millionen Franken für die erste Mannschaft zu verdoppeln. Es ist jedoch möglich, die Anforderungen für NLA-Spiele bezüglich ­Sicherheit und TV-Übertragungen zu erfüllen. Wenn wir NLB-Meister würden, gäbe es nochmals eine Sitzung mit den ­Kernaktionären. Die finanzielle Absicherung für eine NLA-Saison müsste extern erfolgen, aus operativer Tätigkeit allein wäre dies nicht möglich.

Würde die Schorenhalle als NLA-Spielstätte überhaupt zugelassen?
Als Überbrückung würde sie ­zugelassen. Man müsste aber gegenüber der Liga innerhalb der nächsten zwei Jahre klar nachweisen können, dass rasch ein Folgeprojekt realisiert werden könnte. Dies brauchen wir so oder so. Der Schoren ist auch für die NLB nicht mehr zeitgemäss. Verändern sich die Rahmenbedingungen nicht, müssten wir mittelfristig unsere Selbstständigkeit aufgeben und allenfalls ein Farmteam eines NLA-Klubs werden oder zurück in die Amateurliga. Die Sensibilität bezüglich der Stadt und der Öffentlichkeit diesem Thema gegenüber ist vorhanden. Was wir jetzt brauchen, ist in nächster Zeit ein verbindlicher Entscheid, in welche Richtung es geht.

Wünschen Sie sich, dass aus dem SCL ein NLA-Klub wird?
Ich wünsche mir, dass der SCL ein erfolgreicher Nationalligaklub ist. Er soll nachhaltig finanzierbar sein; der Nachwuchs eine wichtige Rolle spielen. Man soll erkennen, dass der SCL ein wichtiges Element für Langenthal, den Oberaargau und für unsere Region ist. Dass der SCL Wertschöpfung kreiert und positiv ausstrahlt, egal, wo er spielt. Wichtig ist, dass man sich zum Klub bekennt, auch in Sachen Infrastruktur. Es wird auch die Frage aufgeworfen, ob es im Kanton Bern vier NLA-Klubs vertragen würde. Es wären sehr viele. Andererseits aber decken der SCB, die SCL Tigers, Biel und wir unterschiedliche Regionen ab.

In der NLB sind derzeit grosse Leistungsdifferenzen vorhanden. Wie beurteilen Sie den ­Zustand der Liga?
Es ist nicht einfach, die NLB ist derzeit sehr heterogen. An der Spitze gibt es Klubs mit NLA-Ambitionen. Die Farmteams verfolgen andere Ziele. Es ist gut, dass wieder 12 Teams in der NLB spielen, und die Farmteams haben die Chance genutzt, diese Plätze zu besetzen. Ich hätte es aber lieber gesehen, wenn etwa ein Klub wie Chur wieder dazugestossen wäre. Wichtig erscheint mir auch, dass Swiss Ice Hockey für eine bessere Vermarktung der NLB sorgt. Zufrieden bin ich mit dem Zustand der Liga derzeit nicht, aber man kann etwas dagegen machen.

Zurück zur aktuellen Situation. Trainer Jason O’Leary hat noch keinen Vertrag für die nächste Saison. Hängt seine Zukunft vom Abschneiden in den ­Playoffs ab?
Es ist derzeit nicht der Zeitpunkt, um über Vertragssituationen gross Auskunft zu geben. Es ist aber sicher so, dass wir mit seiner Arbeit sehr zufrieden sind. Es könnte sehr gut sein, dass sein Vertrag verlängert wird.

Auch wenn der SCL erneut in den Viertelfinals scheitert?
In den Playoffs wird abgerechnet, das ist klar. Man muss aber auch sehen, wie sich die Mannschaft in dieser Saison positiv entwickelt hat. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.02.2017, 22:21 Uhr

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