Zweite Chance für Lashoff bei den Tigers

Matt Lashoff ist ein ungewöhnlicher Eishockeyspieler. Der Amerikaner liebt die Musik, hat sogar ein Album herausgegeben. Nun versucht der 30-jährige ­Verteidiger bei den SCL Tigers ein zweites Mal, in der NLA Fuss zu fassen.

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Kennen Sie «Living on Heart»? Wahrscheinlich nicht. Es handelt sich um das Debütalbum von Matt Lashoff. Matt Lashoff? Genau, dabei dürfte Licht ins Dunkel kommen, figuriert der Amerikaner doch seit letzter Woche im Kader der SCL Tigers. Er soll die knapp besetzte Defensive in der entscheidenden Saisonphase unterstützen. Hauptberuflich ist der 30-Jährige also Eishockeyspieler – doch er hat ein besonderes Flair für die Musik.

Er ist so etwas wie der «Hoarau des Eishockeys»: Matt Lashoff beweist musikalisches Talent. Quelle: Youtube

«Meine Leidenschaft ist Eishockey, aber die Musik ein Hobby, mit welchem ich gut abschalten kann», hält er fest. Über «Living on Heart» mag der sonst sehr joviale, freundliche Lashoff nicht mehr allzu viele Worte verlieren. «Es war ein grosser Spass. Aber mittlerweile hat sich mein Stil ziemlich verändert, ich arbeite lieber als Songwriter, mag die kreative Seite.»

Interessant allerdings ist die Geschichte, wie es dazu kam, dass er überhaupt ein Album aufnahm. Lashoff spielte für Boston in der NHL, als ihn ein Produzent fragte, ob er nicht Lust hätte, ins Studio zu kommen. Er habe gezögert, sagt der Verteidiger. «Aber dann habe ich doch zugesagt, weil ich sonst womöglich von mir selbst enttäuscht gewesen wäre.»

Als Inspiration diente ihm nicht zuletzt Bernie Williams. Der Puerto Ricaner gehörte Ende der 1990er-Jahre zu den besten Baseballspielern überhaupt, gewann mit den New York Yankees viermal die World Series, und: Williams ist ebenfalls ein passionierter Musiker. «Er erzählte mir, wie er es geschafft hat, Sport und Musik zu vereinbaren, welche Hürden er dabei überspringen musste. Das hat mir sehr geholfen.»

Kein Glück in Zürich

Und nun also ist der Erstrundendraft der Boston Bruins von 2005 in Langnau gelandet. Vor fünf Jahren hatte er bereits einmal in der Schweiz gespielt, vermochte bei den ZSC Lions allerdings nicht restlos zu überzeugen, weshalb er nach einer Saison wieder gehen musste. Er habe gleichwohl immer mit einer Rückkehr in die NLA geliebäugelt, hält La­shoff fest. «Das Niveau ist hoch, die Lebensqualität in der Schweiz ebenso. Als Familienvater ist es schön, wenn du oft zu Hause sein kannst, anstatt die meiste Zeit in Bussen zu verbringen.»

Und nicht zuletzt hat er auch noch etwas gutzumachen, attestierte ihm doch ZSC-Sportchef Salis nicht den besten Leistungsausweis («Er tat sich lange schwer mit dem hohen Tempo in unserer Liga»). Er sei nach einer Knieverletzung zu früh ins Training eingestiegen, erklärt Lashoff, «ich konnte nicht das zeigen, was ich eigentlich könnte. Deshalb ist es grossartig, hier nochmals eine Chance zu erhalten. Und nun fühle ich mich wirklich gut.»

Seit 2013 spielte Lashoff für sieben Vereine in Schweden, Russland, Deutschland und zuletzt in der nordamerikanischen AHL. Er ist ehrlich, sagt, «es gibt nur einen Grund, nach Russland zu wechseln». Doch im sibirischen Novokuznetsk wurde er trotz fürstlichem Verdienst nicht glücklich. «Ich war erst einen Monat da, als unsere Tochter zur Welt kam. Meine Frau musste sich in den USA allein um alles kümmern, unser Sohn war damals zwei Jahre alt. Das war hart.»

Ein halbes Jahr später verliess Lashoff Russland deshalb wieder. Nun möchte er endlich sesshaft werden. Er hofft, sich bei den SCL Tigers für ein längeres Engagement aufdrängen zu können. «Ich will ein Teil dieser Mannschaft sein. Und ich hoffe, nun zeigen zu können, was ich wirklich kann.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.02.2017, 15:24 Uhr

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