Die Premiere in der 300. Partie

Enrico Schirinzi steht beim FC Thun vor einer ungewissen Zukunft. Beim Spiel in Lugano ist der 32-jährige Linksverteidiger erstmals in seiner langen Karriere mit einer direkten Roten Karte des Feldes verwiesen worden.Zufall?

Enrico Schirinzi bekam beim Spiel gegen Lugano in seiner 300. Partie zum ersten Mal eine direkte Rote Karte.

Enrico Schirinzi bekam beim Spiel gegen Lugano in seiner 300. Partie zum ersten Mal eine direkte Rote Karte. Bild: Patric Spahni

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299 Spiele bestritt Enrico Schirinzi bis vor dem Aufeinandertreffen mit Lugano am Ostermontag in den beiden höchsten Schweizer Ligen. 299 Partien, in denen er nicht als unfairer Akteur auffiel. Einmal wurde er für ein Vergehen an Vincent Rüffli nachträglich gesperrt. Zudem sah er zweimal die Gelb-Rote-Karte.

Einen direkten Platzverweis erhielt Schirinzi jedoch nie. Und dann wird er im Tessin eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung des Feldes verwiesen. Nur Zufall? Oder war seine Intervention gegen Luganos Jonathan Sabbatini, welche der Schiedsrichter als Nachtreten wertete, die Folge seiner ungemütlichen Situation?

«Keine Absicht»

Schirinzis Vertrag läuft im Sommer aus. Während die Kontrakte der langjährigen Weggefährten wie Dennis Hediger, Guillaume Faivre und Nelson Ferreira in den letzten Monaten erneuert worden sind, wird beim Linksver­teidiger erst Ende Saison entschieden, ob er bleiben kann. Seine Personalie hat keine Priorität. Wollte Schirinzi deshalb in Lugano zu viel? Sagte er sich: Jetzt erst recht? Oder war gar Frust im Spiel?

Der 32-Jährige hatte in den letzten Tagen Zeit, über seinen Platzverweis nachzudenken. Auf den Fernsehbildern ist zu sehen, wie er dem Schiedsrichter nach der Roten Karte sagt, er habe nichts gemacht, gefolgt von einem ungläubigen Lächeln. Schirinzi beharrt darauf, seinen Gegenspieler nicht absichtlich getreten zu haben. Er sagt: «Doch leider Gottes muss ich das Verdikt akzeptieren.» Er findet, die zwei Spielsperren kämen unpassend. «Ich würde dem Team sehr gerne helfen.» Denn: «Wir stecken im Abstiegskampf. Das ist Fakt.»

«Eine Win-win-Situation»

Enrico Schirinzi wird den Thunern beim sonntäglichen Spiel in St. Gallen (13.45 Uhr) und daheim gegen Sion fehlen. Er ist einer der wenigen Routiniers im jungen und unerfahrenen Team.

2010 hatte er als Vereinsloser zu den Oberländern gewechselt. Was erst als Notlösung angedacht war, wurde zur Erfolgsgeschichte. 185 Partien bestritt Schirinzi für den FCT, jahrelang zählte er zum Stamm, mehrmals wurde sein Vertrag verlängert. Schirinzi bezeichnet seine Zeit in Thun als sehr schöne Win-win-Situation: für ihn, für den Klub. Zuletzt aber kämpfte er mit Verletzungsproblemen.

Während der Vorrunde fiel er monatelang aus. Seit der Winterpause kam er meist zu Teileinsätzen, erzielte immerhin zwei Treffer. Mit dem starken linken Fuss ist er in der Lage, präzise Flanken zu schlagen, aus dem Nichts ein Tor zu schiessen wie vor zwei Wochen gegen Lau­sanne. «Nach schwierigen Monaten mit gesundheitlichen Problemen lief es mir wieder», sagt er. Und er erwähnt, seit der Winterpause fast kein Training verpasst zu ­haben.

Schirinzi würde gerne im Oberland bleiben, der FC Thun sei der Plan A, meint er. Den Berater hat er aber mittlerweile instruiert, nach Optionen Ausschau zu halten, wie er sagt. Für den Fall, dass der Vertrag nicht verlängert werden sollte.

«Keine Tragödie»

Bis Ende Saison bleiben Schirinzi höchstens sechs Partien, sich für eine Vertragsverlängerung zu empfehlen. Der Familienvater gesteht, dass die Ungewissheit unangenehm sei. «Aber sie ist keine Tragödie.» Er findet: «Ich hoffe nicht, dass nur die letzten Partien über meine Zukunft entscheiden, sonst hätte ich in der Vergangenheit wohl einiges nicht richtig gemacht.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2017, 10:41 Uhr

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Zukunftsfragen

Enrico Schirinzi ist nicht der einzige Spieler im Oberländer Kader, der vor einer ungewissen Zukunft steht: Der Vertrag von Innenverteidiger Nicolas Schindelholz läuft aus, mit dem verletzungsanfälligen 29-Jährigen trifft sich Sportchef Andres Gerber in den nächsten Tagen zum Gespräch.

Ebenfalls ungeklärt ist, wie es mit den YB-Leihgaben Marco Bürki und Nicolas Bürgy weitergeht. Für Bürki haben die Oberländer eine Übernahme­option. Gerber hat allerdings angetönt, dass er einem Rückholbegehren der Young Boys nicht widersprechen würde, im Sinne der guten Zusammenarbeit, wel­che die Klubs seit Jahren pflegen. Derweil überzeugte Bürgy zuletzt meistens, der 21-Jährige darf als Versprechen für die Zukunft bezeichnet werden.

Mindestens einen der beiden Innenverteidiger würden die Thuner gerne über diese Saison hin­aus behalten. Mit YB-Sportchef Christoph Spycher will sich Gerber nächste Woche austauschen.

Das Oberland verlassen muss Lotem Zino. Der 25-jährige israelische Mittelfeldakteur kam letztmals vor eineinhalb Jahren in der Super League zum Einsatz. Sein Vertrag läuft aus.

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