Hoffen und siegen

An einem Tag, da lange nichts gelingen will, schlägt Wacker Thun Suhr 32:25. Die Berner Oberländer treten gegenwärtig in einer Besetzung an, mit der sie kaum Meister würden.

Prominent besetzte Bank: Verletzte und ausgewechselte Spieler jubeln, als ein Mitstreiter trifft. Physiotherapeut Dähler (2.v.r.) blickt sorgenvoll.

Prominent besetzte Bank: Verletzte und ausgewechselte Spieler jubeln, als ein Mitstreiter trifft. Physiotherapeut Dähler (2.v.r.) blickt sorgenvoll. Bild: Markus Grunder

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Selbst ist der Mann. Aufregend ist die Meisterschaft dieser Tage nicht. Sechs Wochen vor Playoff-Beginn herrscht so was wie die Ruhe vor dem Sturm. Also sorgt Wacker Thun im Heimspiel gegen Suhr selber für Spannung. Martin Rubins Team agiert in der Startphase so mies, dass es nach neun Minuten 0:5 zurückliegt. 0:5! Gegen den Aufsteiger.

Lenny Rubin hat gekonnt verborgen, ein Ausnahmetalent zu sein, Fehler an Fehler gereiht, die Verteidigung verteidigte nicht, und Keeper Marc Winkler vermochte sich nicht ein Mal auszuzeichnen. Als Kreisläufer Reto Friedli kurz darauf das erste Berner Oberländer Tor an jenem Tag gelingt, ballt er die Faust, während die Aargauer hadern, als wären sie eben abgestiegen. Skurriles in der Lachenhalle.

Wacker gewann am Samstag doch noch, 32:25 bezwang der Cupsieger den gut organisierten, spielerisch limitierten Widersacher. Der Erfolg in dieser Höhe war aufgrund der Dramaturgie ein Statement gegen die Finalrunde, die sich als Zweiklassengesellschaft präsentiert, und er gründete auf die Steigerung nach der Pause, als die Thuner innerhalb weniger Minuten aus einem Dreitorerückstand eine Führung gemacht hatten, welche sie in der Folge sukzessive ausbauten.

In der ersten Hälfte hatten sich die Hausherren nach dem miserablen Beginn weiter schwergetan, sie waren 4:9, 5:10 und 7:12 hinten gelegen, Coach Rubin sollte später von einem in dieser Phase lethargischen Auftritt seiner Leute sprechen. Der Tag endete in stehenden Ovationen, Spieler Rubin hatte in der Zwischenzeit acht Tore erzielt, wie Roman Caspar.

Durch den Sieg stehen die Berner Oberländer auch rechnerisch als Playoff-Teilnehmer fest, und sie verteidigten vorerst Rang 3, um den sie mit Kriens konkurrieren, dem Gegner von übermorgen.

«Es reicht, oder es reicht nicht»

Gegen Suhr verzichteten die Thuner auf den angeschlagenen Lukas von Deschwanden. Der Urner fehlte genauso wie die verletzten Linkshänder Nikola Isailovic und Nicolas Raemy sowie die ausser Kraft gesetzten Aargauer Andreas Merz und Markus Hüsser, welche nie wieder werden auflaufen können. Die vier Schweizer haben alle eine Menge Länderspiele bestritten, der Aufbauer aus Serbien ist der einzige Profi im Team – bei den Abwesenden handelt es sich lückenlos um Leistungsträger.

Angesichts der jüngsten Darbietungen gilt festzuhalten: Kehren von Deschwanden und nicht zumindest einer der andern beiden Rückraumakteure auf die Playoffs hin zurück, ist der Cupsieger im Kampf um den Meistertitel nicht Topfavorit.

Im Falle von Isailovic ist es laut Cyril Dähler vergleichsweise einfach, eine Prognose abzugeben. Der Physiotherapeut sagt: «Eine Rückkehr in dieser Saison ist nicht ausgeschlossen. Sollten wir uns für den Final qualifizieren, könnte Isailovic unter Umständen mittun.» Bei Raemy, welcher unter den Folgen eines Schleudertraumas leidet, existiert für das Comeback kein Zeitplan (mehr).

Dähler erzählt: «Es ist unmöglich, etwas Verlässliches vorauszusagen. Und es bringt nichts, Druck aufzusetzen.» Gerade nach Kopfverletzungen sei es wichtig, nicht zu früh wieder einzugreifen. «So banal es klingen mag: Entweder es reicht noch, oder es reicht eben nicht.» Wacker bleibt demnach nichts anderes übrig, als zu hoffen. Und mit Siegen Selbstvertrauen zu sammeln. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2017, 07:23 Uhr

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