Franzosen kaufen 45 Prozent von BLS Cargo

Die BLS hat eine neue Teilhaberin für ihre international tätige Güterbahn gefunden. Die französische Staatsbahn SNCF übernimmt 45 Prozent an BLS Cargo.

Das Aktienpaket über 45 Prozent gehörte bis 2015 indirekt der Deutschen Bahn, künftig also der französischen SNCF.

Das Aktienpaket über 45 Prozent gehörte bis 2015 indirekt der Deutschen Bahn, künftig also der französischen SNCF. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Nord-Süd-Güterverkehr auf der Schiene werden die Karten neu verteilt. BLS Cargo hat wieder eine potente Partnerin im Ausland gefunden, nachdem die Kooperation der Berner Güterbahn mit DB Schenker Ende 2014 geplatzt ist.

Die BLS kaufte damals deren 45-Prozent-Anteil an ihrer Tochter zurück. Just diesen Anteil verkauft sie nun zu einem geheimen Preis an SNCF Logistics. Das ist die international tätige Logistik- und Güterverkehrssparte der französischen Staatsbahn, ein Koloss mit 10,3 Milliarden Euro Umsatz und 52'550 Angestellten.

«Beste Lösung»

Der Kanton Bern drängte darauf, dass die Risiken des stark umkämpften Güterverkehrs nicht zu stark bei ihm als Hauptaktionär der BLS liegen bleiben.

Die SNCF sei aber nicht einfach die zweite Wahl nach der Deutschen Bahn, sagt BLS-Chef Bernard Guillelmon: «Wir wollen ein eigenständiges Unternehmen sein und aus der Schweiz heraus agieren.» Die DB hingegen habe die Verkehre sowie Marketing und Vertrieb seinerzeit vermehrt aus Deutschland hinaus steuern wollen.

Seither suchte BLS Cargo breit nach neuen Partnern, um im Kerngeschäft auf dem Korridor zwischen Rotterdam/Antwerpen und Genua bestehen zu können. SNCF Logistics habe sich als die beste Lösung herausgestellt, sagt Guillelmon. Mit ihr könne BLS Cargo auf Augenhöhe verkehren. Schliesslich betreibt diese mit Captrain Deutschland und Captrain Italia erfolgreiche Töchter. Diese sind in ihren Märkten die zweitstärksten Akteure.

In der Schweiz und auf dem Nord-Süd-Korridor ist die SNCF-Gruppe bisher schwach, sodass BLS Cargo vor allem im internationalen Kombinierten Verkehr deren Geschäft «ideal ergänzt». Zudem wollen die beiden Bahnen vermehrt den linksrheinischen Korridor nutzen.

Besitzstand garantiert

Das heisst nicht, dass künftig französische Lokführer mit tieferen Löhnen durch die Schweiz fahren. «Im Inland fahren weiterhin unsere Mitarbeitenden», verspricht der BLS-Chef.

Laut der zuständigen SNCF-Managerin Sylvie Charles stützt der französische Konzern das erfolgreiche Geschäftsmodell von BLS Cargo (siehe Kasten) und deren unabhängigen Marktauftritt. Die bisherigen Unternehmensstrukturen, der Standort Bern, die Werkstätten und das Ma­nagement sollen unverändert ­bleiben. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2017, 12:40 Uhr

Jahresergebnis

BLS Cargo geht trotz harter Konkurrenz und Nachteilen wegen der Frankenstärke stabil in die neue Partnerschaft. Im letzten Jahr vergrösserte sie die Erträge um fast zwölf Prozent auf rund 190,6 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte 2016 ein Gewinn von 1,5 Millionen Franken nach einem Plus von knapp 0,3 Millionen im Vorjahr. Dank des schlanken Geschäftsmodells mit 350 Angestellten und den grenzüberschreitenden Lokeinsätzen gelinge es BLS Cargo als eine der wenigen europäischen Güterbahnen, seit Jahren finanziell erfolgreich zu arbeiten, bilanzierte das Unternehmen gestern. Dirk Stahl, Chef von BLS Cargo, sieht im Gewinnanstieg den Beweis dafür, dass neue Aufträge gutes Geschäft sind. Denn insgesamt nahm das Verkehrsvolumen ab: Die Zahl der Züge sank um 3 Prozent auf 17 617. Während BLS Cargo im Transit via Lötschberg–Simplon um 7 Prozent zulegen konnte, fiel die Zahl der Züge via Gotthard um 23 Prozent und jene der Ganzzüge in der Schweiz um 22 Prozent. Dieses Jahr wird es am Gotthard trotz der Eröffnung des Basistunnels noch schwieriger, weil der Südast nach Luino monatelang geschlossen ist. Aber 2018 erwartet BLS Cargo starkes Wachstum am Gotthard. jw

Artikel zum Thema

Am Gotthard muss sich BLS Cargo noch gedulden

BLS Cargo hat im vergangenen Jahr unter der Frankenstärke gelitten. Im Juni steht nun die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels an. Doch Firmenchef Dirk Stahl erwartet nicht, dass die BLS in naher Zukunft viel mehr Züge über diese Achse fahren wird. Mehr...

SBB-Güterwagen werden leiser

Während moderne Personenzüge hörbar leiser geworden sind, rattern Güterzüge ohrenbetäubend weiter. Nun testet SBB Cargo ab Mitte Jahr moderne Güterwagen mit leiserer Technik. Die Firma stellte gestern in Muttenz einen Prototyp vor. Mehr...

Rote Karte für BLS-Loks

Die BLS darf mit 22 ihrer Güterloks ab Dezember nicht mehr auf der Gotthardachse fahren. Mehr...

Kommentare

Blogs

Bern & so Guten Abend, liebe Sorgen

Echt jetzt? Manchmal hilft nur noch Beten

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Die Welt in Bildern

Männchen machen für einen Heiligen: Auf den Hinterbeinen bahnen sich Pferd und Reiter ihren Weg durch die Menschenmenge in Ciutadella auf der spanischen Insel Menorca. Das ist Brauch während des San-Juan-Fests – und wer die Brust des Tieres streicheln kann, soll vom Glück gesegnet werden. (23. Juni 2017)
(Bild: Jaime Reina) Mehr...