Solarbranche ist wenig begeistert von der BKW

David Stickelberger, Geschäftsleiter des Solar­energieverbandes, greift die BKW an: Kein anderes grosses Elektrizitätswerk zahle so wenig für Solarstrom.

Obschon sie wenig für Solarstrom bezahlt, vermarkte sich die BKW als umwelt- und solarfreundlich. David Stickelberger findet das unredlich.

Obschon sie wenig für Solarstrom bezahlt, vermarkte sich die BKW als umwelt- und solarfreundlich. David Stickelberger findet das unredlich. Bild: Swissolar

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Die BKW zahlt Betreibern von Solarstromanlagen wenig für ihren Strom – viel weniger als die meisten anderen Elektrizitätswerke. Nun doppelt David Stickelberger, Geschäftsführer des Solarenergieverbandes Swissolar, nach: «Was die Vergütung von Solarstrom betrifft, ist die BKW das Schlusslicht unter den grossen Elektrizitätsunternehmen.»

Die BKW sei zwar in einer speziellen Situation. Sie sei das einzige grosse Elektrizitätsunternehmen, welches selber mehr Strom produziere, als es für seine Kunden benötige. Für sie lohne es sich deshalb zurzeit nicht, teuren Solarstrom zu kaufen. Allerdings sei dies ein sehr kurzfristiges Denken.

Bereits in gut zwei Jahren müsse die BKW ihr AKW Mühleberg vom Netz nehmen. Dabei büsse sie viel Produktionskapazität ein – rund 35 Prozent des Verbrauchs. Die BKW müsse dann eine sehr grosse Lücke füllen. ­Stickelberger kritisiert deshalb: «Wenn die BKW jetzt private Solarstromproduzenten in ihrem Einzugsgebiet vor den Kopf stösst, wird sie in zwei Jahren zu wenig Solarstrom haben.»

BKW: Unehrliche Politik

Für Stickelberger ist die Politik der BKW vor allem aber unehrlich: Der Konzern versucht sich mit viel Werbeaufwand als grünes, umwelt- und solarfreundliches Unternehmen zu vermarkten, obwohl sie Solarstromproduzenten am schlechtesten behandelt.»

Basler zahlen das Fünffache

Der Hintergrund: Rund 15 Prozent der Betreiber von Solar­anlagen bekommen heute Geld vom Bund in Form der kosten­deckenden Einspeisevergütung. Alle anderen sind abhängig von den Vergütungen des Elektrizitätswerkes in ihrer Region. Ein Vergleich der Tarife zeigt massive Unterschiede: So zahlt das Kantonswerk Zürich den Betreibern von Solarstromanlagen 6,2 Rappen pro Kilowattstunde Strom und das Stadtwerk Zürich sogar 7,9. Am wohl grosszügigsten vergütet werden die Solarstrom­produzenten in Basel-Stadt: Sie bekommen 23 Rappen pro Kilowattstunde. Schweizweit liegt die Vergütung von Solarstrom im Schnitt bei 9 Rappen.

Die BKW hingegen zahlt für Strom aus Solaranlagen in ihrem Gebiet gerade mal 4 Rappen pro Kilowattstunde – die Hälfte dessen also, was Elektrizitätswerke in der Schweiz im Schnitt zahlen. Dank dieser Tieftarifpolitik macht die BKW mit Solarstrom ein gutes Geschäft: Einem Grossteil ihrer Kunden – den Privatkunden – kann sie Strom zu staatliche re­gulierten Preisen verkaufen.

Die geschützten Tarife liegen mit 9,4 Rappen über dem Marktwert. Bei einer Solarstromvergütung von 4 Rappen ergibt dies für die BKW eine Bruttomarge von über 100 Prozent. Andere Elektrizitätswerke nehmen beim Solarstrom bewusst Verluste hin.

BKW-Tarife unter Druck

Möglicherweise muss die BKW in Sachen Solarstrom schon bald tatsächlich das tun, was sie in der Werbung verspricht: Hans Jörg Rüegsegger, SVP-Grossrat im Kanton Bern und Präsident der Berner Bauern, verlangt in einem Vorstoss, dass die BKW in Zukunft die Vergütungen von Solarstrom erhöht. Rüegseggers Kritik: «Die BKW optimiert ihre Erträge auf dem Buckel vieler Solarpioniere und Hauseigentümer.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.02.2017, 08:20 Uhr

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