Das Warten auf die zwei Trümpfe

Der FC Thun hat eine durchzogene erste Saisonphase hinter sich, in der er mit Verletzungssorgen, fehlenden Automatismen und Abstimmungsproblemen kämpfte. Dennoch gibts zuversichtliche Stimmen.

Der FC Thun hofft auch auf ihre Rückkehr: Die verletzten Leistungsträger Matteo Tosetti (l.) und Captain Dennis Hediger.

Der FC Thun hofft auch auf ihre Rückkehr: Die verletzten Leistungsträger Matteo Tosetti (l.) und Captain Dennis Hediger.

(Bild: Christian Pfander/Martin Meienberger (Freshfocus))

Simon Scheidegger@theSimon_S

Viel fehlte nicht. Ein paar Zentimeter hier, ein paar Schuhlängen da, und der FC Thun hätte am Sonntag gegen ein zurückhaltendes Sion mindestens einen Punkt geholt. Doch die Thuner sollten sich für eine engagierte Leistung nicht belohnen.

Das 0:1 gegen die Walliser ist der Abschluss einer sehr durchzogenen ersten Saisonphase, in der die Oberländer noch lange nicht da waren, wo sie gerne sein würden, und in der sie in allen Mannschaftsteilen Probleme offenbarten.

Guillaume Faivre ist seit Jahren der verlässliche Rückhalt des FCT, der von allen sehr geschätzt wird. Doch der Neuenburger zeigte in dieser Saison bisher ungewohnte Schwächen, wirkte bisweilen unsicher und verschuldete mehrmals entscheidende Gegentore.

Gegen Sion bekam Andreas Hirzel eine Bewährungschance, und der 26-Jährige Zürcher machte seine Sache gut. Trainer Marc Schneider will die zweiwöchige Nationalmannschaftspause dazu nutzen, die Situation zu analysieren, betont aber, dass Faivres Nichtberücksichtigung vor zwei Tagen primär eine Schutzmassnahme gewesen und der 32-Jährige nach wie vor ein sehr wichtiger Spieler sei.

Die Goaliesituation ist das Thema, das diese ersten neun Partien dominierte, da ist aber auch die bisweilen wacklige Defensive, in der mit Nicola Sutter, Roy Gelmi, Miguel Rodrigues und Nikki Havenaar wegen des strengen Programms schon vier Innenverteidiger zum Einsatz kamen, mal mit besserer, mal mit schlechterer Abstimmung. Oder das Mittelfeld, in dem Schneider eigentlich gern mit drei Zentrumsspielern agieren würde, aufgrund von Verletzungen aber schnell von seinem ursprünglichen Plan abweichen musste.

Das Lazarett der Thuner ist nach wie vor beachtlich gross. Sieben Spieler fehlten gegen Sion verletzt, zwei krank. Dass es bei derart vielen Abwesenden zu einem Leistungsabfall kommt, ist eine logische Folge. Der FC Thun verfügt nicht über die finanziellen Mittel, Positionen gleichwertig doppelt zu besetzen.

Schneider gesteht denn auch ein, dass seinem Team in der aktuellen Verfassung auch etwas die Qualität fehle. Nicht zuletzt in der Offensive, wo die Thuner in der vergangenen Spielzeit vorab dank eines Trios zu den gefährlichsten Teams der Super League zählten.

Doch Marvin Spielmann und Dejan Sorgic sind nicht mehr da, Matteo Tosetti muss seit langem mit einer Oberschenkelverletzung pausieren. «Wir können nicht einfach drei Neue in den Sturm stellen und davon ausgehen, dass einfach alles funktioniert», sagt Schneider, «dessen muss man sich bewusst sein.»

Der 39-Jährige lobt den Einsatz der neuen Offensivkräfte, spricht aber von fehlenden Automatismen, die sich erst mit der Zeit einstellen würden. Das weiss auch Miguel Castroman. Der Berner sagt: «Wir dürfen jetzt nicht anfangen zu zweifeln. Die Saison hat gerade erst begonnen.»

Ruhig wie immer

Auch wenn Schlusslicht Xamax in der Liga nur einen Punkt hinter dem FCT liegt – die Thuner tun das, was sie immer tun: Sie bewahren Ruhe. «Das ist jetzt nicht so tragisch», sagt Basil Stillhart, und Stefan Glarner erwähnt lieber die Partien, die gut gewesen seien.

Das 2:0 in Luzern etwa, das 2:3 gegen Basel oder die beiden Auftritte in der Europa-League-Qualifikation gegen Spartak Moskau. «Wir müssen einfach das Glück wieder auf unsere Seite zwingen», sagt Glarner, der sein Captainamt nur zu gerne bald wieder abgeben würde. Der eigentliche Captain Dennis Hediger ist nach seinem Kreuzbandriss aber noch weit weg vom Comeback.

Hediger ist neben Tosetti der wichtigste Einzelspieler der Thuner und eine grosse Identifikationsfigur. Nicht zuletzt aus der Rückkehr dieser beiden zieht Sportchef Andres Gerber trotz durchzogenem Zwischenfazit, stockender Offensive und magerer Punkteausbeute Zuversicht für den weiteren Saisonverlauf: «Es ist gut zu wissen, dass wir noch mindestens zwei Trümpfe in der Hand und noch nicht unser ganzes Potenzial ausgeschöpft haben.»

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