Die Ermittlungen sind ungenügend

Die Jugend­anwaltschaft Emmental-Oberaargau muss eine Schlägerei auf einem Pausenplatz neu aufrollen.

Die Mütter zweier Schülerinnen gerieten sich in die Haare (Symbolbild/Fotolia)

Die Mütter zweier Schülerinnen gerieten sich in die Haare (Symbolbild/Fotolia)

Chantal Desbiolles

Es passierte im März auf einem Schulhausplatz einer Oberaargauer Primar- und Realschule. Eine Auseinandersetzung unter zwei Schülerinnen wegen eines Posts auf Facebook artete in eine handfeste Schlägerei aus. Involviert waren die Mutter einer der beiden Schülerinnen, eine Schülerin – und ein Besen. Verletzungen trugen beide Frauen davon: Eine riss die andere an den Haaren, diese biss sie in den Unterarm.

Was passiert ist, ist unklar

Die Jugendanwaltschaft hatte erst einen Strafbefehl gegen die Schülerin ausgestellt, nach dem Einspruch ihrer Mutter und einer Einvernahme das Verfahren dann eingestellt. Dagegen erhob die andere Mutter Beschwerde, daher hat sich nun das Obergericht mit dem Fall befasst.

Unbestritten sei, dass sowohl die Beschuldigte (Haarereissen) als auch die Beschwerdeführerin (Biss in den Unterarm) gegenseitig tätlich waren, stellt die Beschwerdekammer in Strafsachen fest. Unklar bleibt, von wem die Auseinandersetzung ausgegangen und wie sie im Einzelnen abgelaufen ist. Die beiden haben gegensätzliche Aussagen gemacht.

Die Jugendanwaltschaft hat die Schülerin persönlich einvernommen und deren Aussagen als glaubhaft erachtet – allerdings ohne darzulegen, weswegen. Die Beschwerdeführerin sei nicht einvernommen worden und die Jugendanwaltschaft sei die Erklärung schuldig geblieben, weshalb ihre Aussagen unglaubhaft sein sollen, stellen die Oberrichter fest. «Eine klare Beweis- und Rechtslage liegt damit nicht vor.»

Vor dieser Ausgangslage hätte die Jugendanwaltschaft das Verfahren nicht einstellen dürfen, urteilt die zweite Instanz. Derzeit sei die Beweislage noch nicht erschöpft. Erst die Einvernahme der Beschwerdeführerin ermögliche zu beurteilen, ob eine Aussage glaubhafter ist. Die Beschwerde wurde gutgeheissen; die Jugendanwaltschaft muss das Verfahren wieder aufnehmen.

Langenthaler Tagblatt

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