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Kongresse im OberlandAbsagen und Verschiebungen sorgen für massive Einbussen

Verluste in Millionenhöhe: Die Corona-Krise wird an den klassischen Standorten für Kongresse und Tagungen im Oberland tiefe Spuren hinterlassen.

Dornröschenschlaf statt Frühlingsgefühle: Blick von der Parkanlage Richtung Kursaalgebäude in Interlaken.
Dornröschenschlaf statt Frühlingsgefühle: Blick von der Parkanlage Richtung Kursaalgebäude in Interlaken.
Hans Peter Roth

Von Frühlingsgefühlen könnten Kongress- und Tagungszentren im Oberland weiter nicht entfernt sein. Daran ändert schon fast frühsommerliches Wetter keinen Deut. Dass es auch staubtrocken ist, passt symbolisch schon eher. Die Corona-Krise hat den Tagungs- und Kongressbetrieb indessen nicht nur ausgetrocknet, sondern ins künstliche Koma versetzt.

50 Anlässe gestrichen

Für die Congress Centre Kursaal Interlaken AG bedeutet dies, in Zahlen ausgedrückt, dass bislang an die 50 Anlässe annulliert oder verschoben wurden – darunter fällt beispielsweise auch das Swiss Economic Forum. «Im Restaurant Spycher erreichten uns bisher über 110 Gruppenabsagen», ergänzt Alexander Hänsel. Damit ist für den Managing Director der Congress Centre Kursaal Interlaken AG längst klar, dass die Coronavirus- bedingte Betriebsschliessung des Kursaals und des Casinos sehr tiefe Spuren hinterlassen wird: «Aktuell betragen die Ausfälle allein im Kursaal über 2 Millionen Franken. Die Einbussen im Bruttospieleertrag des landbasierten Casinos werden sich bis Ende April auf 1,8 Millionen Franken kumulieren.» Und noch sei die Dauer der «Durststrecke» nicht abschätzbar.

Auch Verschiebungen in Thun

Stark betroffen von stornierten oder verschobenen Kongressen und Tagungen ist auch Thun als Standort von Institutionen wie dem KKThun, Hotel Seepark, Hotel Freienhof, Thun-Expo, Konzepthalle 6, Schlossberg Thun AG, Kino Rex, Stockhorn Arena und weiteren. Aus Sicht der Stadt Thun seien die Ausfälle «sehr schwierig abzuschätzen», erklärt die Thuner Kommunikationsbeauftragte Simone Tanner, «da die Anlässe in der Regel durch private Dritte organisiert werden und auch dort stattfinden».

Am Tag X bereit sein

Auch Roman Gimmel, Präsident von Thun-Thunersee Tourismus, bezweifelt, ob sich die Ausfälle durch eine Umfrage bei den betroffenen Leistungserbringern stichhaltig ermitteln liessen. Entsprechende Werte wären niemals vollständig und niemals aktuell bzw. schon wieder veraltet. «Gehen Sie der Einfachheit halber davon aus, dass sämtliche Frühlings- und (Früh-)Sommer-Events gestrichen und im günstigeren Fall in den Herbst oder um ein Jahr verschoben sind.» Gimmel sieht nach vorne: «Am Tag X – wenn die Leute einen riesigen Nachholbedarf haben – wollen wir bereit sein.» Man rechne in einer ersten Phase vor allem mit einer Wiederbelebung durch Schweizer Gäste, später durch Reisende aus Europa. «Ob wir dieses Jahr noch Gäste aus Übersee begrüssen können, bleibt offen.»

Einige Kongresse bis Ende Juni

Auch Alexander Hänsel vom Congress Centre Kursaal Interlaken blickt voraus. Bis Ende Juni seien noch einige wenige Kongresse geplant. Immerhin: «Ab August bis Ende des Jahres haben wir zahlreiche Buchungen im System.» Teilweise seien es Anlässe, die im Frühling geplant waren und jetzt in den Herbst verschoben wurden.