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Lauterbrunnen/SaanenAir-Glaciers in finanzieller Schieflage

Die Air-Glaciers kämpft mit Liquidationsproblemen. Das Unternehmen will nun fast die Hälfte des Personals abbauen.

Die fliegende Ambulanz der Air-Glaciers Lauterbrunnen: Der voll ausgerüstete Eurocopter EC-135.
Die fliegende Ambulanz der Air-Glaciers Lauterbrunnen: Der voll ausgerüstete Eurocopter EC-135.
Foto: Bruno Petroni

Das Walliser Luftfahrtunternehmen Air-Glaciers mit zwei Geschäftsstellen in Lauterbrunnen und Saanen steckt offenbar in finanziellen Nöten. Diese haben sich durch die Coronakrise noch verschärft. So steht ein Abbau des Personals von 60 Personen (von 146) bevor. Entsprechend läuft momentan ein Konsultationsverfahren. Dieses verlangt vom Arbeitgeber, als dass er vor seiner definitiven Beschlussfassung einer drohenden Massenentlassung die Belegschaft über den geplanten Schritt informiert und dieser die Gelegenheit gibt, Vorschläge zu unterbreiten, wie die Entlassungen vermieden werden könnten. Im Fall der Air-Glaciers hat das Personal bis zum 20. Mai Zeit, entsprechende Vorschläge zu machen.

Die seit Wochen in Kurzarbeit stehenden Angestellten der Air-Glaciers wurden am Dienstagabend via Videokonferenz informiert. Die Rettungsflüge sollen zur Zeit noch gewährleistet sein.

Philipp Perren, der Verwaltungsratspräsident der beiden Unternehmen Air Zermatt und Air-Glaciers, rechnet vor: «Wir haben bei den Rettungsflügen einen Rückgang der Nachfrage von 90 Prozent, und bei den kommerziellen Flügen 70 Prozent. Ganze Betriebszweige wie beispielsweise die Ausbildung sind auf auf null gesunken.» Trotzdem hat Perren die Zuversicht nicht verloren, dass die Air-Glaciers gerettet werden kann: «Wir schaffen das.»

Finanzprobleme sind nicht neu

Medienberichten zufolge sah sich Air-Glaciers bereits im Geschäftsjahr 2019 mit finanziellen Verlusten von gegen 1,5 Millionen Franken konfrontiert. Ohne Sofortmassnahmen könnten die Verluste für das laufende Jahr die Existenz des Unternehmens gefährden, hiess es mit Verweis auf den Verwaltungsrat.

Schon vor fünf Jahren kämpfte die Air-Glaciers mit finanziellen Sorgen. Damals schuldete das Luftfahrtunternehmen seiner Heimatstadt Sitten über eine Million Franken für Kerosin und hatte laut Medienberichten einen Schuldenberg von über zwei Millionen. Der drohende Konkurs konnte nur mit dem Verkauf des Hangars auf dem Flugplatz Sitten abgewendet werden.

Ein halbes Jahrhundert im Berner Oberland

Erst vor zwei Monaten verkündete die Air-Glaciers, «ein Stück gemeinsam mit der Air Zermatt in die Zukunft zu gehen», wie Verwaltungsratspräsident Philipp Perren es ausdrückte.

Die Air-Glaciers wurde im Jahr 1965 gegründet, beschäftigt zur Zeit 150 Mitarbeiter und besitzt eine Flotte von 15 Helikoptern und 5 Flugzeugen. Im Berner Oberland hat die Air-Glaciers Tradition: Ende 1971 gründete Luftrettungspionier Adolf Litzler die heutige Air-Glaciers-Basis in Lauterbrunnen, in welcher heute 16 Mitarbeiter arbeiten. 1989 kam eine zweite Oberländer Basis mit Sitz auf dem Flugplatz Saanen mit den heutigen sieben Vollzeit-Arbeitsstellen dazu.