Alle Macht dem Radler

Kopenhagen will die velofreundlichste Stadt der Welt werden.

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Velofahrer haben in Kopenhagen eine Art Sonderstatus. Auf den Strassen bekommen sie viel Platz, manchmal mehr als die Autos. Sie dürfen an einigen Ampeln nach der Rotphase früher losfahren und häufig abkürzen, sogar über Friedhöfe. Dass die Stadt ihre Radler so gut behandelt, hat eine lange Tradition. Bereits nach der Ölkrise in den Siebzigerjahren hat sie das Radwegnetz konsequenter als andere Städte ausgebaut. Heute ist es quasi zum demokratischen Grundrecht geworden, dass jeder mit seinem Velo überall schnell und kostenfrei hinkommt.

Ende 2011 beschloss der Stadtrat, der seit den Dreissigerjahren sozialdemokratisch geführt ist, Kopenhagen bis zum Jahr 2025 zur velofreundlichsten Stadt der Welt zu machen. Für Kopenhagen sind die Radfahrer längst zum Standortfaktor geworden: Die Stadt vermarktet sich seit einigen Jahren international als «City of Cyclists» und Vorbild für Radfahrkonzepte. Bereits 2012 sind 36 Prozent der Kopenhagener mit dem Zweirad zur Schule oder zur Arbeit gefahren, 50 Prozent sollen es bald sein.

Dem dänischen Verkehrsminister Magnus Heunicke, ebenfalls Sozial­demokrat, genügt das noch nicht. Er veröffentlichte im Sommer 2014 eine neue nationale Velostrategie. Im Vorwort beklagt er, dass die Dänen heute weniger Rad fahren als in den Neunzigerjahren. 180 Millionen Kronen (etwa 25,5 Millionen Franken) investiert er nun in mehr Fahrrad-Autobahnen – «Cycle Superhighways» –, auf denen Radfahrer schneller weite Strecken zurücklegen können. Weitere 175 Millionen Kronen sollen in neue Initiativen im bestehenden Strassennetz fliessen. 21 Millionen sind allein dafür gedacht, Unfälle mit Fahrrädern beim Rechtsabbiegen zu vermeiden.

Auch den Nutzen der Radförderung rechnet das Ministerium den Dänen vor: Für jeden Kilometer, den ein Däne in der Stadt mit dem Velo statt mit dem Auto zurücklegt, spare er dem Gesundheitssystem 7 Kronen. Ein noch greifbareres Argument ist der Platzmangel, vor allem in Kopenhagen mit seinen vielen Brücken: Allein die Dronning Louises Bro im Zentrum überqueren täglich bis 40 000 Radfahrer. Würde jeder von ihnen in einem Auto sitzen, käme der Verkehr dort zum Stillstand.

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