«Als Casino-Betreiber haben Sie das Geld von Ospel gerne genommen»

SVP-Nationalrat Alfred Heer liess Viktor Giacobbo in dessen Sendung in der Ecke stehen. Dabei half ihm nicht nur sein grobschlächtiger Humor.

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Simon Eppenberger@S_Eppenberger

Als gestern Sonntagabend der Präsident der Kantonalzürcher SVP bei Giacobbo/Müller auftrat, wurde es spannend. Wie würde sich Alfred Heer schlagen, wenn er von den beiden Satirikern in die Mangel genommen wird? Nach 15 Minuten war klar: Besser, als sich das wohl die meisten Zuschauer im Saal gewünscht haben.

Gleich zu Beginn wollte Viktor Giacobbo vom SVP-Nationalrat wissen, wie die Schweiz im Bankenstreit den USA begegnen soll. Dabei zitierte er Heer mit dem Wort «Wirtschaftskrieg» und fragte, ob man nun militärisch zurückschlagen solle. Der Politiker antwortete zuerst sachlich mit «Nein» und kritisierte die USA scharf, beim Bankengeheimnis eine Doppelmoral zu vertreten. Damit gab er sich gleich selber den Steilpass, um Giacobbo an den Karren zu fahren.

«Oberzuhälter»

«Sie als Casino-Betreiber haben das Geld von Ospel auch gerne genommen», sagte Heer. Damit spielte er auf das Casinotheater Winterthur an, das Giacobbo betreibt und dabei von Ex-UBS-Banker Marcel Ospel unterstützt wurde. «Wenn Sie nun die Banker als Zuhälter bezeichnen, dann sind Sie der Oberzuhälter», sagte Heer weiter. Dem Publikum blieb das Lachen im Hals stecken und Mike Müller intervenierte umgehend mit einem Vorschlag zur Lösung des Bankenstreits (Drogengeld aus Mexiko statt US-Kunden). Doch es half nichts.

Obwohl Giacobbo immer wieder auf das Bankgeheimnis zurückkam, liess sich Heer nicht aufs Glatteis führen. Stattdessen brachte er einen alten Witz über Müllers ausgeprägten Bauch («Haben sie heute Waschtag? Ihre Trommel ist voll») oder liess Giacobbo mit einer Beschimpfung in süditalienischem Slang auflaufen, die der Satiriker trotz seines italienischen Namens scheinbar nicht verstand.

«Bleibt man sachlich, hat man verloren»

Eigens vorbereitet hatte sich Heer auf die Sendung nicht, wie er auf Anfrage sagt. Es habe kein Vorgespräch gegeben, Giacobbo habe ihm lediglich gesagt, welche Themen er ansprechen werde. Für Heer ist die Erklärung einfach, weshalb die Satiriker kaum Pointen auf seine Kosten landen konnten: «Man darf einen solchen Auftritt nicht bierernst nehmen und muss frech zurückgeben.»

Im Gegensatz zu anderen habe er diesbezüglich weniger Hemmungen. Zudem sieht sich Heer als jemand, der sich nicht gerne schlachten lasse. «Ich bin nicht geeignet als Opfer.» Während er den Witz über den Bauch vom Fussball kannte, sei ihm die Bemerkung, den Atommüller zur Warnung mit den Konterfeis von Giacobbo/Müller zu versehen, spontan eingefallen, so Heer.

«Frecher Siech»

Nach seinem Auftritt hatte Heer diverse Mails erhalten. «Viele fanden es gut, einige bezeichneten mich als ‹frechen Siech›.» Das nimmt er gelassen. «Diese Reaktionen sind normal bei einer Sendung, die polarisiert.» Für ihn ist klar: «Wenn man nur sachlich bleibt, dann hat man in einer Satiresendung verloren.»

Wie Giacobbo das Wortgefecht mit Heer beurteilt, war auf Anfrage nicht zu erfahren. Das Schweizer Fernsehen lässt ausrichten, dass er Sendungen nicht kommentiere.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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