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NachrufAlt-Staatsarchivar Wälchli gestorben

Nach einem reichen Leben im Dienste der Öffentlichkeit ist am 6. April Alt-Staatsarchivar Karl Friedrich Wälchli gestorben.

Karl Wälchli (1934-2020) amtete lange Jahre als Staatsarchivar.
Karl Wälchli (1934-2020) amtete lange Jahre als Staatsarchivar.
Foto: PD

Geboren 1934, prägten die Kriegsjahre Karl Wälchlis Jugend und weckten in ihm sowohl das Interesse an Geschichte wie auch die aktive Anteilnahme an der politischen Gegenwart. Mit einer Dissertation über einen der bedeutendsten Reformer und Magistraten der bernischen Aufklärung, Niklaus Emmanuel Tscharner (1727–1794), schloss Karl Wälchli 1963 seine Studien an den Universitäten Bern und Wien ab. Seine Tätigkeit als Hauptlehrer für die Fächer Latein und Geschichte an den Gymnasien Kirchenfeld und Neufeld war für Karl Wälchli weit mehr als ein Beruf – es war im tiefsten Sinne Berufung.

Seine enge Verbundenheit mit bernischer Tradition und Geschichte verband Karl Wälchli mit einem ungebrochenen Reformeifer und Fortschrittsglauben. Dies zeigte sich auch, als Karl Wälchli 1977 ans Staatsarchiv wechselte, wo er sogleich mit der Planung der seit langem fälligen Erweiterung begann und diese – über mehrere Etappen – gegen alle Widerstände auch zu Ende führte. 1982 wurde Karl Wälchli zum Staatsarchivar gewählt.

Unter seiner Ägide begann die systematische Erschliessung der Archivbestände des 19. und 20. Jahrhunderts, die bisher für die Forschung schwer zugänglich waren. Als Pädagoge und als Offizier wusste Karl Wälchli um den Wert von Karten und Plänen: Dies motivierte ihn, sich für deren Erhaltung einzusetzen und ihre wissenschaftlich fundierte Restaurierung zu einem Schwerpunkt in der Arbeit des Staatsarchivs zu machen. In der Zusammenarbeit mit anderen Instituten mit ähnlichen Problemen entstand die Arbeitsgemeinschaft für Papierrestauration Bern (AGPB), aus der sich schliesslich die Fachausbildung für Papierrestaurierung an der Hochschule der Künste entwickelte.

Seine Begeisterung für den Lehrerberuf hatte Karl Wälchli auch in seine neue Stellung als Staatsarchivar mitgenommen. Nun aber waren Regierung und Öffentlichkeit seine Adressaten. Mit Zeitungsartikeln, Ausstellungen, Unterlagen für Regierung und Parlament versuchte Karl Wälchli das Bewusstsein für historische Zusammenhänge zu fördern. Einer der Höhepunkte seiner beruflichen Laufbahn waren sicherlich die vielfältigen, 1991 unter seiner Leitung durchgeführten Feierlichkeiten zum 800-jährigen Bestehen des Staates Bern.

Es kam Karl Wälchlis Wirken in der Öffentlichkeit sicherlich zugut, dass er keineswegs ein akademischer Stubengelehrter war, sondern sich (wie «sein Tscharner») aktiv am öffentlichen Leben beteiligte: In der Armee hatte er – obwohl aus bescheidenen Verhältnissen stammend – den Rang eines Obersten erreicht; im Grossen Gemeinderat von Köniz, dem er von 1972 bis 1975 angehörte, leitete er die freisinnige Fraktion und die
Geschäftsprüfungskommission. Vor allem aber wirkte er als Mitglied des Grossen und später auch des Kleinen Burgerrates der Stadt Bern prägend auf die Kulturpolitik der Berner Burgergemeinde, eine Aufgabe, der er sich nach seiner Pensionierung auf Ende Januar 1999 noch in verstärktem Masse widmen konnte.

Der Autor Vinzenz Bartlome ist wissenschaftlicher Mitarbeiter Staatsarchiv des Kantons Bern.