Schon früher hinters Steuer?

Thun

Sollen bereits 16-Jährige in Begleitung Auto fahren können? Am Berufsbildungs-zentrum IDM wurde darüber diskutiert. Die Meinungen gehen auseinander.

Die Podiumsteilnehmer (v.l.): Martin Steffen (Schweizerischer Verkehrssicherheitsrat), Vera Diener (Gemeinderätin Schwarzenburg), Sebastian Luginbühl, Michael Graber, Suzanne Albrecht (VCS-Regionalgruppe Thun-Oberland) und Adrian Christen (Pro Velo Thun).

Die Podiumsteilnehmer (v.l.): Martin Steffen (Schweizerischer Verkehrssicherheitsrat), Vera Diener (Gemeinderätin Schwarzenburg), Sebastian Luginbühl, Michael Graber, Suzanne Albrecht (VCS-Regionalgruppe Thun-Oberland) und Adrian Christen (Pro Velo Thun).

(Bild: Arbër Shala)

Es gab einen regelrechten Stau am Saaleingang im Berufsschulzentrum IDM. Zahlreiche Thuner Gymnasiastinnen und Gymnasiasten drängten sich auf die Zuschauerränge und lauschten den Worten der Moderatoren Sebastian Luginbühl und Michael Graber. Sie sind ebenfalls Gymnasiasten. «Es ist toll, dass so viele Jugendliche heute anwesend sind, denn das Thema betrifft genau euch», sagte Luginbühl. Graber begann die Podiumsdiskussion mit der Frage: «Sollen 16-Jährige in Begleitung schon Auto fahren dürfen?»

«Alter hat nichtsmit Reife zu tun»

Adrian Christen, Präsident von Pro Velo Thun und Architekt, sagte: «In unserer Gesellschaft findet vieles ab 18 Jahren statt, wie die Mündigkeit oder das Stimmrecht. Zwischen 16 und 18 Jahren vollziehen Jugendliche einen gewaltigen Entwicklungsschritt.» Martin Steffen, Experte beim Schweizerischen Verkehrssicherheitsrat, konterte: «Wenn man es intelligent gestaltet, kann mit geschulten Begleitfahrten eine attraktive Möglichkeit entstehen, den Führerschein früher zu erhalten.» Die Schwarzenburger Gemeinderätin und Floristin Vera Diener (SP) stimmte Steffen zu: «Das Alter hat in vielen Fällen nichts mit Reife zu tun, von daher kann man es nicht verallgemeinern.» Im Saal gab es reges Getuschel. «Erfahrungen zu sammeln, ist weitaus wichtiger als die Altersfrage», sagte Steffen.

Andere Länder,andere Sitten

Moderator Luginbühl zeigte den Anwesenden einen Film über die heutige Situation in Deutschland. «Bei unserem nördlichen Nachbarn können Jugendliche bereits mit 17 Jahren nach bestandener Theorieprüfung in Begleitung fahren.» Suzanne Albrecht, Geschäftsführerin VCS-Regionalgruppe Thun-Oberland, ergänzte: «Die Situation im Ausland ist grundsätzlich eine andere. Wir haben in der Schweiz ein ausgezeichnetes ÖV-Netz. Länder wie die USA beispielsweise haben in weiten Teilen des Landes keine Alternativen zum Auto.» Gemeinderätin Diener haderte mit Albrechts Aussage: «Das stimmt nur bedingt. Ich bin in einer ländlichen Umgebung aufgewachsen, und da war der öffentliche Verkehr suboptimal. Ausserdem gibt es Berufe, da ist ein Fahrausweis unabdingbar.»

Über Sicherheitund Ökologie

«Die Unfallstatistiken zeigen, dass Jugendliche sowohl bei Motorrad- wie auch bei Autounfällen als Verursacher und Opfer besonders betroffen sind», sagte Albrecht. Steffen stimmte zu, sagte aber: «Durch Weiterbildungskurse konnten die Unfallzahlen eingedämmt werden. Ausserdem besteht in einigen anderen Ländern die Möglichkeit, die Fahrzeuge in Sachen Geschwindigkeit für Lernfahrer zu beschränken.» Christen entgegnete: «Diese Massnahmen müssen erst mal finanziert werden, und die meisten Jugendlichen hätten das nötige Geld ohnehin nicht.» Die Moderatoren Luginbühl und Graber fragten zum Abschluss der Diskussionsrunde nach dem ökologischen Aspekt. Christen sagte dazu: «Das sollte auf jeden Fall nicht zu unterschätzen sein», und fügte an: «Den Jugendlichen ist es im Moment wichtiger, wegen des Klimawandels auf die Strassen zu gehen, als über das Mindestalter im Strassenverkehr zu diskutieren.»

Berner Zeitung

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