Hohe Schweizer Offiziere leiteten Schiessübung mit Nordkoreanern

Neue Fakten zum Fall zweier Nordkoreaner, die auf einem Genfer Schiessplatz trainierten: Ein Oberst und ein Oberstleutnant der Schweizer Armee führten die Übung durch.

Die Nordkoreaner übten mit Schweizer Sturmgewehren: Reguläre Rekruten bei einer Schiessübung.

Die Nordkoreaner übten mit Schweizer Sturmgewehren: Reguläre Rekruten bei einer Schiessübung.

(Bild: Keystone)

Wie Recherchen der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens ergeben haben, wurde die umstrittene Schiessübung mit Studenten des Genfer Zentrums für Sicherheitspolitik (GCSP) von einem Oberst im Generalstab geleitet. Mit von der Partie war auch ein Oberstleutnant, wie Armeesprecher Daniel Reist bestätigte. Es gebe «ab und zu Schiessübungen mit ausländischen Gästen.»

Der Oberst führt laut der «Rundschau» hochsensible Abteilungen der Armee im Raum Zürich. Die ganze Kommunikation der Armee werde über sein Umfeld betrieben. Dazu gehöre auch die Abteilung für elektronische Kriegsführung.

Private Schiessübungen erlaubt

Die beiden Schweizer Berufsoffiziere hatten an einem Kurs des GCSP teilgenommen und im Rahmen eines privaten Schweizer Abends diese Schiessübung für ihre Mitstudenten organisiert, wie das Verteidigungsdepartement (VBS) bereits gegenüber dem «SonntagsBlick» erklärt hatte.

Der «Sonntagsblick» hatte die Schiessübung aufgedeckt. An der Übung vergangenen Donnerstag auf dem Armeeschiessplatz Chancy der Kaserne der Rettungstruppen 76 in Genf nahmen auch zwei Mitstudenten aus Nordkorea teil.

Ein Kommandant eines Waffenplatzes der Schweizer Armee könne Schiessübungen mit Zivilisten genehmigen, wenn der Platz frei sei und wenn die Organisatoren die Sicherheitsvorschriften einhielten, sagte Armeesprecher Reist. Und die Organisatoren müssten die Zivilisten korrekt anleiten. Solch private Schiessübungen dürften aber nur von Schweizer Berufsoffizieren durchgeführt werden.

Militärjustiz ermittelt

Gegen jenen Berufsoffizier, der die Schiessübung mit den Nordkoreanern organisiert hat, ermittelt aber inzwischen die Militärjustiz. Deren Sprecher Tobias Kühne wollte unter Hinweis auf das laufende Strafverfahren keine Auskunft geben. Die Beweisaufnahme habe erst begonnen, sagte Kühne zur Frage, wann er informieren könne.

Gemäss Armeesprecher Reist muss die Untersuchung unter anderem zeigen, ob alles gemäss Vorschrift gelaufen ist. Der Oberst, der die Schiessübung geleitet habe, sei nicht suspendiert und weiter Mitglied des Generalstabs.

ldc/sda

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