IS-Bomben bremsen Operation Tikrit

30'000 irakische Soldaten stossen gegen die Terrormiliz vor. Am Strassenrand deponierte Bomben verlangsamen den Angriff.

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Die Grossoffensive der irakischen Streitkräfte auf die von der Terrormiliz Islamischer Staat kontrollierte Stadt Tikrit kommt nur langsam voran. Die Soldaten hätten am Dienstag Stellungen der Terroristen innerhalb der Stadt beschossen, teilten örtliche Beamte mit. Der Vormarsch der Armee, an deren Seite sunnitische und schiitische Kämpfer stehen, sei jedoch durch am Strassenrand deponierte Bomben verlangsamt worden. Es gebe Kämpfe in der Stadt Al-Dur südlich von Tikrit.

Die irakische Regierung hatte am Montag die Offensive auf die Heimatstadt des einstigen Diktators Saddam Hussein begonnen. Die Grossstadt, rund 130 Kilometer nördlich von Bagdad, war im Sommer an den IS gefallen. Tikrit gilt bis heute als Hochburg von Saddams Baath-Partei. Aus deren Reihen hatte der IS Zulauf erhalten. Saddam war nach der US-Invasion 2003 gestürzt und später hingerichtet worden.

Sollte die Vertreibung des IS gelingen, wäre dies ein grosser Erfolg für die Regierung unter Ministerpräsident Haidar al-Abadi. Zuletzt hatte sie bereits mit der Rückeroberung der Raffineriestadt Beidschi Fortschritte im Kampf gegen den IS gemacht, der rund ein Drittel des Iraks beherrscht.

Im Juni war eine Offensive zur Rückeroberung Tikrits noch gescheitert. Für Bagdad ist sie die Voraussetzung für den angekündigten Angriff auf die noch grössere Stadt Mossul, die der IS vergangenes Jahr handstreichartig eingenommen hatte.

Australien schickt 300 weitere Soldaten

Für den Kampf gegen den IS wird Australien seine Truppen im Irak mehr als verdoppeln. 300 Soldaten zusätzlich sollen gemeinsam mit 140 neuseeländischen Soldaten die Ausbildung der irakischen Armee unterstützen. Dies teilte Regierungschef Tony Abbott am Dienstag mit. Damit steigt die Zahl der australischen Soldaten im Irak auf rund 500. Die Entscheidung sei aufgrund einer formellen Anfrage der irakischen und der US-Regierung gefallen. Die Entsendung von Verstärkung sei «absolut im nationalen Interesse Australiens», sagte Abbott.

Die Regierung habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Letztlich müsse der Irak die Jihadisten selbst bekämpfen. «Aber wir wollen die Iraker nicht allein lassen», sagte Abbott. «Wir sind als friedliebendes Volk natürlich zurückhaltend, uns in weit entfernte Konflikte einzuschalten, aber wie wir wissen, hat uns dieser Konflikt nun schon seit Monaten selbst erreicht.»

Abbott zufolge kämpfen rund hundert Australier an der Seite des IS und anderer Extremistengruppen im Irak und in Syrien. Weitere 150 Menschen in Australien unterstützten den IS.

«Daher ist diese Entscheidung sowohl eine Frage der inländischen als auch der internationalen Sicherheit», sagte der Premierminister. Abbott hatte kürzlich gewarnt, es werde über längere Zeit eine Bedrohung durch Islamisten in Australien geben. Er kündigte neue Sicherheitsmassnahmen an, darunter den Entzug der Ausweise Verdächtiger.

Seit September gab es in Sydney und Brisbane mehrere Razzien. Im Dezember tötete ein Islamist in einem Café in Sydney zwei Geiseln, bevor er selbst getötet wurde. Im Februar vereitelten die Behörden nach eigenen Angaben ein Attentat in Sydney.

cpm/sda/afp

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