Eskalation im Streit um UPC-Kauf

6,3 Milliarden Franken will Sunrise für UPC bezahlen. Der Hauptaktionär macht aber nicht mit. Dafür gibts von Sunrise eine Breitseite.

«Das Unternehmen (Freenet, Anm. der Redaktion) steht finanziell unter Druck und sucht eine kurzfristige Lösung»: Sunrise-CEO Olaf Swantee. Foto: Christian Beutler/Keystone

«Das Unternehmen (Freenet, Anm. der Redaktion) steht finanziell unter Druck und sucht eine kurzfristige Lösung»: Sunrise-CEO Olaf Swantee. Foto: Christian Beutler/Keystone

Sunrise und Grossaktionär Freenet haben wegen der geplanten Übernahme von UPC das Heu definitiv nicht mehr auf der gleichen Bühne. Ein Kompromissvorschlag ist gescheitert. Sunrise hat nun den «Abstimmungskampf» für die Generalversammlung eröffnet.

Der Sunrise-Verwaltungsrat erhebt heftige Vorwürfe. Die Argumente von Freenet gegen den UPC-Deal seien nicht nachvollziehbar sowie von eigennützigen und kurzfristigen Überlegungen geleitet, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Die Pläne von Freenet seien nicht im Interesse aller Aktionäre.

Die Freenet-Vertreter im Verwaltungsrat hätten zudem mutmasslich die Vertraulichkeitsverpflichtungen verletzt, litten ohnehin unter einem Interessenskonflikt und würden nun von Beratungen im Zusammenhang mit der UPC-Transaktion ausgeschlossen.

Zur Vorgeschichte: Am letzten Freitag hatte das deutsche Unternehmen Freenet publik gemacht, dass es die geplante Kapitalerhöhung für den UPC-Kauf an der für kommenden Herbst geplanten Generalversammlung ablehnen wird. Diese Meinung hat Gewicht, weil Freenet rund ein Viertel an Sunrise besitzt.

Sunrise will - wie seit Februar bekannt ist - UPC für 6,3 Milliarden Franken kaufen. Dafür ist eine Kapitalerhöhung in Höhe von 4,1 Milliarden geplant. Ursprünglich hätten die Freenet-Vertreter dem Kaufpreis zugestimmt, hiess es weiter.

«Freenet mit Problemen»

Der Meinungsumschwung habe wohl mit finanziellen Problemen von Freenet zu tun, sagte Sunrise-CEO Olaf Swantee der Nachrichtenagentur AWP. «Das Unternehmen steht finanziell unter Druck und sucht eine kurzfristige Lösung.» Es wolle den Anteil so schnell wie möglich verkaufen, um den eigenen Schuldenberg abzubauen.

Der Sunrise-Verwaltungsrat wollte Freenet laut der Mitteilung entgegenkommen. Es sei kürzlich eine alternative Finanzierungsstruktur diskutiert worden. Konkret stand laut Finanzchef André Krause eine Pflichtwandelanleihe mit einer Laufzeit von drei Jahren im Raum. Damit wäre der Umfang der Kapitalerhöhung verringert worden. Freenet habe diesen Vorschlag jedoch abgelehnt.

Die Sunrise-Aktionäre werden nun aber aller Voraussicht nach so über die Finanzierung in ihrer ursprünglich vorgesehenen Form abstimmen. «Davon gehe ich aus», sagte Krause. «Wir sind in der Endphase der Planung und können nicht bis zur letzten Minute warten.» Es gebe aber noch einen gewissen Raum für Anpassungen.

Segen der Weko bis Anfang Oktober

CEO Swantee geht davon aus, dass die Wettbewerbshüter den Deal bis spätestens Anfang Oktober absegnen werden. Sofern die Generalversammlung zustimme, soll die Transaktion dann im November 2019 abgeschlossen werden, wie es am Donnerstag weiter hiess.

Das Sunrise-Management eröffnete am Donnerstag den «Abstimmungskampf» für die Generalversammlung. Laut ihm ist der Kauf von UPC noch attraktiver geworden. Denn bei UPC entwickelten sich die Geschäfte besser als erwartet. Zudem hätten neue Berechnungen ein höheres Synergiepotenzial ergeben. Insbesondere sei nun geplant, Dienstleistungen zu günstigeren Kosten selber zu erbringen, die UPC bislang bei der Muttergesellschaft Liberty Global eingekauft habe.

Marktanteile gewonnen

Auch Sunrise selber entwickelte sich im zweiten Quartal «sehr gut», wie CEO Swantee sagte. Der Umsatz verringerte sich zwar um 1,7 Prozent auf 455 Millionen Franken. Der eigentliche Telekomumsatz, ohne die tiefmargigen Geräteverkäufe und ohne den internationalen Handel mit Telefonminuten (Hubbing), sei jedoch um 3,1 Prozent gestiegen.

In der Folge nahmen der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) um 3,4 Prozent auf 155 Millionen und der Reingewinn sogar um knapp 12 Prozent auf 27 Millionen zu. Die Gesamtjahresprognose für den Ebitda wurde daher leicht präzisiert (618-628 Mio; bisher: 613-628 Mio). Unverändert sind die Prognosen für den Umsatz (1,86-1,90 Mrd) und die Investitionen (420-460 Mio).

Sunrise habe eine bessere Performance als die Konkurrenten gezeigt, kommentierte Swantee die Zahlen. So seien 40'000 Mobilfunk-Abokunden, 12'000 Internetkunden und 11'000 TV-Kunden gewonnen worden. Platzhirsch Swisscom hatte vor einer Woche durchwegs schlechtere Kundenzahlen präsentiert. Mit anderen Worten: Sunrise gewinnt Marktanteile.

aru/sda

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