Schiessübung mit Nordkoreanern: Woher sind Gewehre und Munition?

Der Fall von zwei Nordkoreanern, die auf einem Genfer Schiessplatz trainierten, hat ein juristisches Nachspiel.

Die durch einen Berufsoffizier der Schweizer Armee organisierte Schiessübung mit zwei Nordkoreanern ruft Kritik hervor: Soldaten auf dem Schiessplatz Chancy bei Genf (Archivbild).

Die durch einen Berufsoffizier der Schweizer Armee organisierte Schiessübung mit zwei Nordkoreanern ruft Kritik hervor: Soldaten auf dem Schiessplatz Chancy bei Genf (Archivbild).

(Bild: www.he.admin.ch)

Die vom «SonntagsBlick» aufgedeckte Schiessübung auf einem Schiessplatz der Armee – mutmasslich mit Nordkoreanern – wird zum Fall für die Militärjustiz. Das sagte der Kommunikationschef Verteidigung, Daniel Reist, der Nachrichtenagentur sda.

«Der stellvertretende Armeechef, Korpskommandant Dominique Andrey, hat heute eine Untersuchung der Militärjustiz zum Fall angeordnet», sagte Reist. Diese richte sich gegen den Berufsoffizier der Schweizer Armee, einen Instruktor, der für seine Mitstudenten am Zentrum für Sicherheitspolitik in Genf einen Schweizer Abend organisiert hatte.

Woher kamen Gewehre und Munition?

Im Rahmen dieses gemäss Reist privaten Anlasses hatte die Schiessübung auf dem Schiessstand der Kaserne der Rettungstruppen in Genf stattgefunden. Ziel der Untersuchung sei herauszufinden, «was genau passiert ist und ob es Regelverstösse gab», sagte Armeesprecher Reist weiter.

Gegenstand der Untersuchung sei auch die Frage, woher Gewehre und Munition kamen und wie es dazu kam, dass der Schiessstand habe gemietet werden können. Ein Schiessstand der Armee könne für private Anlässe gemietet werden - allerdings nur unter militärischer Führung, sagte Reist. Ein Beispiel dafür sei das Parlamentarierschiessen.

Keine militärischen Kurse

Das Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik (GCSP) steht unter dem Patronat des Verteidigungsdepartement (VBS) und des Aussendepartements (EDA). Es führt seit Jahren Kurse für Offiziere, Diplomaten oder auch zivile Beamte zum Thema Sicherheitspolitik durch. Ziel der Kurse ist die Friedensförderung.

Das betonte auch VBS-Sprecher Renato Kalbermatten: «Am GCSP geht es um Sicherheitspolitik; es gibt sicher keine militärischen Kurse oder militärische Ausbildung dort», sagte er. Das Departement habe vom Schweizer Abend vorab keine Kenntnis gehabt. Die Schiessübung sei offenbar von dem Schweizer Instruktor organisiert worden, um «den Teamgeist zu fördern».

Nordkoreaner werden gefördert

Gemäss dem «SonntagsBlick» nahmen auch zwei GCSP-Studenten aus Nordkorea an der Schiessübung teil. Dass an den Kursen des Genfer Zentrums auch Studenten aus dem vom stalinistischen Alleinherrscher Kim Jong Un regierten Land teilnehmen dürfen, war bereits in diesem Frühling in der Kritik. Dies insbesondere, weil das VBS die Ausbildung von insgesamt acht nordkoreanischen Offizieren finanziert hat.

Mehr als 150'000 Franken seien dazu seit 2011 bereitgestellt worden, hatte das VBS Ende März erklärt. Verteidigungsminister Ueli Maurer rechtfertigte damals die Ausbildung der Nordkoreaner als sinnvoll, weil diese «dort auf Südkoreaner treffen». Solche Treffen erweiterten den Horizont und verbesserten das Verständnis in dieser Region.

Die Teilnahme nordkoreanischer Offiziere fördere den Frieden. Es sei besser, die Nordkoreaner einzubinden statt auszugrenzen. Die Schweiz sei als neutrales Land eine ideale Gastgeberin für solche Kurse, sagte Maurer im März.

thu/sda

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