Fast alle Autofahrer zahlen zu hohe Gebühren

Eine Analyse des Preisüberwachers zeigt: Die Ämter verlangen in vielen Kantonen mehr als nötig.

Wer Strassen benützt, muss dafür Verkehrsabgaben leisten: Verkehr auf einem Schweizer Autobahnabschnitt.

Wer Strassen benützt, muss dafür Verkehrsabgaben leisten: Verkehr auf einem Schweizer Autobahnabschnitt.

(Bild: Keystone)

Ob Gebühren für Fahrausweis, Fahrzeugkontrolle oder neues Nummernschild – Schweizer Autofahrer müssen viel Geld bei den kantonalen Strassenverkehrsämtern liegen lassen. Eine Analyse der Preisüberwachung des Bundes zeigt jetzt: Die Ämter verlangen in vielen Kantonen mehr als nötig. So zahlen 2018 knapp 90 Prozent der Schweizer Autofahrer zu viel Gebühren.

Eigentlich sollten die Ämter nach dem sogenannten Kostendeckungsprinzip wirtschaften. Dieses besagt, dass der Gesamtertrag aus Gebühren die Gesamtkosten nicht oder nur geringfügig übersteigen darf. Das schreibt die Preisüberwachung in einer Medienmitteilung am Dienstagmorgen.

Zu hohe Gebühren in neun Kantonen

In vielen Kantonen liegt allerdings ein Missverhältnis vor. So stechen im Vergleich für das Jahr 2018 die Strassenverkehrsämter der Kantone Genf, Jura, Graubünden, Tessin, Basel-Landschaft, Wallis, Schwyz, St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden besonders negativ hervor. Konkret: Sie erzielen mit Gebühren einen Gewinn. Zum einen sind in diesen Kantonen die Gebühren sehr hoch, gleichzeitig werden die Kosten bei weitem durch die gesamten Gebühreneinnahmen mehr als gedeckt, schreibt die Preisüberwachung.

Wie die Analyse zeigt, liegen etwa in Genf die Gebühren 63 Prozent über dem ausgeglichenen Gebührenniveau. Im Kanton Graubünden sind es 31 Prozent, in Basel-Landschaft 49 Prozent und im Tessin 59 Prozent zu viel. Im Wallis und in St. Gallen verrechnet das jeweilige Verkehrsamt 40 Prozent mehr Gebühren als nötig. In Appenzell Ausserrhoden sind es 33 Prozent zu viel.

Zürcher zahlen ein Viertel zu viel

Weil in diesen neun Kantonen sowohl die Gebühren sehr teuer sind als auch die Einnahmen die Kostendeckung weit überschreiten, sieht die Preisüberwachung vor allem hier Handlungsbedarf und verlangt eine Senkungen der Gebühren. In diesen Kantonen sind knapp 1,4 Millionen Personenwagen zugelassen, was rund 30 Prozent aller Zulassungen in der Schweiz entspricht.

Auch in anderen Kantonen gibt es ein Missverhältnis zwischen Kostendeckung und Gesamteinnahmen. In Zürich zahlen die Autofahrer ein Viertel zu viel. Allerdings sind die Gebühren nicht so hoch, so dass die Preisüberwachung hier nicht zwingend eine Senkung der Kosten verlangt. Im Kanton Neuenburg macht das Amt keine Gewinne – obwohl die Gebühren auf hohem Niveau liegen.

Die Analyse macht klar: 87 Prozent der Autos der Schweiz werden derzeit mit zu hohen Gebühren belastet. «Das Kostendeckungsprinzip wird in diesem Bereich derzeit noch kaum berücksichtigt», so die Preisüberwacher.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt