Schläge und ein «Gummibärchen»

Bern

Am Stephanstag-Meeting im ausverkauften Kursaal haben Alain Chervet und Aniya Seki verdiente Punktsiege davongetragen.

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Adrian Ruch

Boxen ist mehr als Kraft und Technik. Das wird den 987 Zuschauern im ausverkauften Berner Kursaal bereits im ersten Kampf vor Augen geführt. Im ­Duell zweier ungeschlagener Profis überragt Shokran Parwani Widersacher Swjatoslaw Swirid deutlich.

Der Deutschafghane wirkt zudem austrainierter, und er ist technisch bedeutend besser ausgebildet. Doch der Ukrainer überzeugt mit Mut und Nehmerqualitäten. Und in der vierten Runde gelingt es Swirid tatsächlich, Parwani zu fällen.

Obwohl dieser hart mit dem Hinterkopf auf dem Boden aufschlägt, steht er umgehend wieder auf. Doch kurz danach, als Parwani erneut zu Boden geht, bricht Ringrichter Fabian Guggenheim den Fight zu Recht ab.

Sekis Zukunftsplanung

Auch Aniya Seki bekommt es am ersten von Leander Strupler organisierten Stephanstag-Meeting mit einer kleinen Gegnerin zu tun: Die Ungarin Judit Hachbold misst nur 1,55 Meter, zeichnet sich aber ebenso durch Mut aus wie zuvor Swirid. Seki dominiert das Geschehen deutlich; am Ende schreiben ihr die drei Punktrichter einstimmig sämtliche Runden zu.

Trotzdem ist die Japanbernerin mit ihrer Leistung nur bedingt zufrieden. Als klare Favoritin hätte sie gerne überzeugender triumphiert. Sie sei bei ihrem ersten Auftritt am Boxing Day seit 2012 nervös gewesen, sagt sie. «Zudem war Hachbold schwierig zu treffen, sie war wie ein Gummibärchen», sagt die 38-Jährige.

Seki ist, was die Zukunft anbelangt, dennoch frohen Mutes. Sie fühlte sich im Boxclub Bern gut betreut, kann auf Unterstützung von Sponsoren zählen wie nie zuvor in ihrer Karriere und hat den nächsten Kampf bereits geplant: Im März wird sie in Gümligen gegen die Französin Anne Sophie da Costa antreten. Im Herbst 2018 will ­Seki (33 Siege, 3 Niederlagen, 2 Remis) um einen bedeutenden WM-Titel kämpfen.

Auch Davide Faraci hat Grosses vor, setzt er doch voll auf die Karte Profiboxen. Im Kursaal führt der Italo-Aargauer die feinere Klinge als der bullige Zura Mekereshvili. Immer wieder bekommt Faraci Szenenapplaus, doch sein erfahrener Gegner bleibt gefährlich.

In der letzten Runde trifft Mekereshvili mit einem rechten Schwinger exakt, worauf Faraci zu Boden sinkt. Der 26-Jährige rappelt sich wieder auf und hält sich in der Folge, kräftig unterstützt vom Publikum, mühevoll bis zum Schlussgong auf den Beinen. Faraci kommt mit einem blauen Auge davon und feiert im siebten Kampf den siebten Sieg.

Chervets unklare Zukunft

Nichts für Ästheten ist der Fight direkt nach der Pause, das liegt freilich nicht an Bruno Tavares. Maisha Samson, der Widersacher des Freiburg-Portugiesen, boxt äusserst unsauber.

Ringrichter Beat Hausammann muss immer wieder eingreifen, zweimal belegt er den technisch limitierten Tansanier mit einem Punktabzug. Dadurch wird das Verdikt ­zugunsten Tavares’ noch deutlicher. Der Gegner sei sehr unangenehm gewesen, erzählt der 26-Jährige.

Weil Samson immer wieder geklammert habe, habe er keine Kombinationen anbringen können, «daher musste ich meine Taktik anpassen». Als Ziel nennt Tavares (12 Siege, 1 Niederlage, 1 Remis) pragmatisch «den nächsten Kampf gewinnen». Doch dann verrät er noch, dass es sein Kindheitstraum sei, Europameister zu werden.

Den Abschluss des Meetings bildet der Kampf von Alain Chervet. Es ist für den Zollikofer ein hartes Stück Arbeit, bis er gegen den Georgier Giorgi Abramishvili als Punktsieger feststeht. Chervet ist mit seinem Auftritt zufrieden, «denn der Gegner war gefährlich. Ich traf ihn mehrmals hart, aber er liess sich nichts anmerken.»

Anfänglich sei es ihm gut gelaufen, sagt der 27-Jährige (14 Siege, 1 Niederlage, 2 Remis). Doch mit zunehmender Müdigkeit habe er sich weniger gut bewegt, räumt er ein. «Daher steckte auch ich einige harte Schläge ein.»

Wie Chervets Zukunft als Profiboxer aussieht, ist noch unklar. Das Aushängeschild der lokalen Szene ist mittlerweile nämlich auch Boxklubbetreiber, Trainer und Familienvater. «Zehn Jahre kann ich sicher nicht mehr so weitermachen», sagt er. Kurzfristig aber wohl schon.

Berner Zeitung

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