Schlägereien in Thun: Offene Jugendarbeit gefordert

Thun

Jugendgruppen prügelten sich Samstagnacht in Thun. Stadträtin Alice Kropf (SP) wirft den Behörden vor, dass diese die Augen vor den sich mehrenden Fällen von Gewalt in der Innenstadt verschliessen.

Die Polizei verzeichnet keine Zunahme von Schlägereien in Thun. (Symbolbild)

Die Polizei verzeichnet keine Zunahme von Schlägereien in Thun. (Symbolbild)

(Bild: iStock)

Mehrere Gruppen Jugendlicher, drei Schlägereien kurz nacheinander, Bedrohungen mit einem abgeschlagenen Flaschenhals, Verfeindungen und offene Rechnungen, die beglichen werden müssen: So schildert Stadträtin Alice Kropf (SP) die Geschehnisse, die sich in der vergangenen Samstagnacht in und vor dem Lokal Mundwerk und in weiteren Bereichen der Oberen Hauptgasse zugetragen haben sollen.

«Die Polizei musste intervenieren», schreibt Kropf in einer Nachricht an diese Zeitung. Es sei nicht das erste Mal, dass sie Schlägereien zwischen rivalisierenden Jugendgruppen beobachte: «Solches Geschehen kommt in letzter Zeit mehr und mehr vor.»

«Thematik wird seit Jahren diskutiert»

Kritik übt Kropf diesbezüglich am Verhalten der Stadtbehörden: «Die Amtspersonen verschliessen Augen und Ohren, die einzige Antwort ist mehr Repression oder eben Ignoranz.»

«Die Amtspersonen verschliessen Augen und Ohren, die einzige Antwort ist mehr Repression oder Ignoranz.»Alice KropfStadträtin (SP)

Dies, obwohl die Thematik nicht neu sei und seit Jahren diskutiert werde. Als Lösungsansatz sieht Kropf eine «offene, aufsuchende Jugendarbeit», die aktiv auf betroffene Jugendliche zugehen und sich mit ihnen auseinandersetzen würde.

«Zahl an Prügeleien nicht gestiegen»

Peter Siegenthaler (SP), Thuner Gemeinderat und Sicherheitsvorsteher, beruft sich auf polizeiliche Abklärungen seitens der Stadt: «Untersuchungen haben ergeben, dass es in Thun keine Häufung von Schlägereien gibt», sagt er.

«Untersuchungen haben ergeben, dass es in Thun keine Häufung von Schlägereien gibt.»Peter SiegenthalerSicherheitsvorsteher undSP-Gemeinderat

Die Streiterei vom vergangenen Wochenende bestätige die Berner Kantonspolizei zwar: «In einem Fall musste interveniert werden.» Die Zahl an registrierten Prügeleien sei aber im Vergleich zu vergangenen Jahren nicht aussergewöhnlich angestiegen.

«Das ist nicht Sache der Sicherheitsdirektion»

Dies bestätigte Dominik Jäggi von der Medienstelle der Kantonspolizei Bern. «Bei uns sind in den letzten zwei Monaten eine knappe Handvoll Meldungen zu Streitereien in der Thuner Innenstadt eingegangen, darunter jene in der Nacht vom letzten Samstag in der Oberen Hauptgasse.» In diesem Fall sei niemand verletzt worden, und es habe bislang keine weiteren Massnahmen seitens der Polizei gegeben.

Einen neuen Ansatz in der Jugendarbeit zur Prävention der Schlägereien kommentierte Peter Siegenthaler nicht: «Das ist nicht Sache der Sicherheitsdirektion.» Beim Amt für Bildung und Sport, das sich um die städtische Jugendarbeit kümmert, war am Montag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Thuner Tagblatt

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