«Wir sind weiterhin am Hallenbad interessiert»

Heimberg

Die Stadt Thun verhindere den Bau des neuen Hallenbades, so tönt es aus Heimberg. Gegen diese Vorwürfe wehrt sich der Gemeinderat. Doch er beharrt weiterhin auf dem Kostenteiler.

«Der Gemeinderat hat sich immer klar für das Projekt ausgesprochen und ist bereit, mit Abstand den grössten Beitrag an die Projektierung und an die Realisierung zu leisten», sagt Roman Gimmel (SVP), Vorsteher der Direktion Bildung Sport Kultur.

«Der Gemeinderat hat sich immer klar für das Projekt ausgesprochen und ist bereit, mit Abstand den grössten Beitrag an die Projektierung und an die Realisierung zu leisten», sagt Roman Gimmel (SVP), Vorsteher der Direktion Bildung Sport Kultur.

(Bild: PD)

«Thun bremst Hallenbadprojekt aus»: So titelte diese Zeitung, als letzte Woche bekannt wurde, dass die Stadt die 150000 Franken für die Planung eines neuen Hallenbads in Heimberg nicht bezahlt, solange der Kostenteiler nicht bekannt ist. Eine Bedingung, welche der Gemeinderat bereits im Vorfeld so festgelegt hatte (wir berichteten). Und eine Bedingung, die die Genossenschaft Sportzentrum Heimberg nicht erfüllen konnte.

Obwohl die SVP im Thuner Stadtrat in einer für dringlich erklärten Motion forderte, dass die 150000 Franken «jetzt und ohne Auflagen» bezahlt werden und dieses Geschäft vermutlich bereits in der nächsten Sitzung vom 13. Dezember behandelt werden wird: Am Dienstag beschloss der Verwaltungsrat der Genossenschaft an einer Sitzung, dass das Projekt ad acta gelegt wird.

«Der Gemeinderat hat sich immer klar für das Projekt ausgesprochen und ist bereit, den grössten Beitrag daran zu leisten.»Roman GimmelSVP-Gemeinderat

Die Vorwürfe aus Heimberg sind deutlich. «Wenn der wichtigste Partner und Protagonist nicht an den Standort Heimberg glaubt und diesen nicht voll und ganz unterstützt, macht eine weitere Planung keinen Sinn», schrieb die Genossenschaft in der Mitteilung vom Mittwoch. Das will die Stadt Thun nicht auf sich sitzen lassen.

«Der Gemeinderat hat sich immer klar für das Projekt ausgesprochen und ist bereit, mit Abstand den grössten Beitrag an die Projektierung und an die Realisierung zu leisten», sagt Roman Gimmel (SVP), Vorsteher der Direktion Bildung Sport Kultur. «Daher erstaunt es mich, dass die Stadt nun als Verhinderin des Projekts dargestellt wird.» Die neue Schwimmhalle sei sogar eine Massnahme innerhalb der Legislaturziele 2019–2022. Aber: An einem teuren Papiertiger sei man nicht interessiert – daher beharre Thun weiterhin auf einem gerechten und nachvollziehbaren Kostenteiler für die Planungs- und Baukosten.

Die Stadt möchte doch

Trotz dem Bescheid aus Heimberg zeigt sich Gimmel versöhnlich: Die Stadt sei nach wie vor bereit und interessiert daran, das Projekt zu realisieren. «Aber dafür ist regionale Solidarität gefragt.» Es würden sich deshalb zwei wichtige Fragen stellen: erstens, ob der Verwaltungsrat der Genossenschaft das Projekt doch noch realisieren wolle; und zweitens, ob die umliegenden Gemeinde bereit seien, das Projekt nicht nur in der Planung, sondern auch in der Realisierung unterstützen zu wollen. Um die verschlossene Tür erneut zu öffnen, sagt Gimmel, könnte er sich vorstellen, dass dazu derzeit eine Absichtserklärung der Exekutive ausreichen würde. Gespräche hätten seit dem Entscheid des Verwaltungsrates vom Dienstagabend keine stattgefunden.

Auf die Motion der SVP wolle man voraussichtlich an der nächsten Stadtratssitzung vom 13. Dezember eingehen, sagt Gimmel. Der Gemeinderat werde eine Antwort zuhanden des Stadtrates formulieren. Ob es dazu überhaupt noch kommt, ist im Moment aber offen. «Es steht die Frage im Raum, ob wir sie nach dieser Geschichte zurückziehen», sagt Philipp Deriaz, Parteipräsident der SVP Thun und Mitglied der SVP-Fraktion im Stadtrat. Sie würde wenig Sinn machen, wenn die Planung wirklich beendet sei.

Kommt die Initiative?

«Aufrichtig überrascht» über die Geschehnisse zeigte sich am Donnerstag Peter Stutz, Präsident des Vereins Pro Hallenbad. Der Verein, 2014 gegründet, setzt sich dafür ein, dass in der Region Thun ein Hallenbad gebaut wird. Er unterstützte das Projekt in Heimberg. «Wir können jeden einzelnen Punkt, den die Genossenschaft in ihrer Mitteilung aufführt, verstehen», zeigt sich Stutz solidarisch mit der Genossenschaft Sportzentrum Heimberg. «Das Vorgehen ist nachvollziehbar.» Nun will der Verein handeln.

Bereits habe man Kontakt zur Verwaltung der Stadt Thun aufgenommen und einen Gesprächstermin angefordert. Ob Gemeinderat Roman Gimmel dort anwesend sein werde, sei noch offen. Eine weitere Option sei es, im Stadtrat eine Anfrage zu deponieren, sagt Stutz, vormals selbst Stadtrat für die Grünen. Zudem hoffe der Verein auf die dringliche Motion, die voraussichtlich in der Stadtratssitzung vom 13. Dezember behandelt wird. «Sollte das alles nichts nützen, werden wir, wie schon öfter angekündigt, unsere Initiative lancieren.» Das ist bereits seit 2014 ein Thema. Die Initiative würde ein Hallenbad auf Thuner Gemeindeboden fordern.

Janine Zürcher

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