«Velosolex sind sensible Fahrzeuge»

Die leise surrenden Zweiräder mit dem unverwechselbaren Design sind seine grosse Passion: Christof Kipfer aus Thun restauriert alte Velosolex und macht sie wieder alltagstauglich.

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«Das sind doch einfach tolle Vehikel, nicht?» Christof Kipfer (44) steht in der Werkstatt im Keller seines Hauses und strahlt übers ganze Gesicht. Da stehen sie also. Schwarze, blaue und rote, aufgepeppte und solche, die noch auf Schraubenschlüssel und Ersatzteile warten. Und an den Wänden hangen Werbeplakate aus verschiedenen Jahrzehnten.

Ja, alles in dem Raum dreht sich um dieses «tolle Vehikel»: um das Velosolex. Von 1946 bis 1988 in Frankreich gebaut und millionenfach verkauft. Ein Zweirad, das eine grosse Faszination auf Christof Kipfer ausübt und dem der Oberstufenlehrer aus Thun viel Zeit widmet. Er ersetzt Benzinpumpen, Zündkabel, Leitungen und Kondensatoren, reinigt die Motoren, repariert Bremsen, Lichter und so weiter.

Bis jedes Exemplar, das in seiner Werkstatt landet, wieder fahr- und strassentauglich ist. Zwanzig Stück besitzt er unterdessen, drei davon hat er bereits reserviert für seine 13-, 11- und 8-jährigen Töchter. «Und die freuen sich bereits darauf, später mit ihnen herumzukurven.» So wie auch er bei schönem Wetter gerne mal eines seiner Zweiräder ausführt.

«Es hat mich gepackt»

Doch wie kam Christof Kipfer zu seinem aussergewöhnlichen Hobby? «Vor 16 Jahren erwarb ich in einem Altersheim im Oberaargau das Solex einer verstorbenen Frau», erzählt er. «Im Keller begann ich, das Gefährt zu flicken.» Schon bald musste Kipfer aber feststellen: «Mir fehlte das nötige Wissen. Auch Werkzeuge und Ersatzteile waren nicht genügend vorhanden.»

Auf Umwegen lernte er Ulrich Hofer aus Kirchberg kennen, der schon seit vielen Jahren Velosolex restaurierte. «Er gab mir zahlreiche Ratschläge und half mir weiter.» Schliesslich stand dann das erste zu «neuem Leben erweckte» Velosolex im Untergeschoss seines Hauses. «Da hat es mich dann so richtig gepackt», erinnert sich Christof Kipfer.

Über verschiedenste Quellen kam er im Laufe der Zeit zu weiteren renovationsbedürftigen Zweirädern. Schraubte und bastelte an ihnen herum, machte sie wieder flott. Organisierte Ersatzteile aus der ganzen Schweiz und dem Ausland. Und für Interessierte richtete er gar eine Website (www.velo-solex.ch) ein. «Gerade über diese Website nehmen heute regelmässig Besitzer von Velosolex mit mir Kontakt auf. Und wenn wir handelseinig werden, dann schlage ich zu», sagt er mit einem Schmunzeln.

«Toller Ausgleich zum Schulalltag»

Und was fasziniert ihn ausgerechnet an Velosolex? Christof Kipfer denkt kurz nach. «Es sind einfach unverwechselbare, sanftmütige und sensible Fahrzeuge», meint er beinahe philosophisch. «Man kommt mit diesen alten Solex noch immer flott voran, und sie verbrauchen kaum Benzin.»

Er sammle heute alles rund um die geschichtsträchtigen Zweiräder mit dem charakteristischen Hilfsmotor über dem Vorderrad. Und an andere Fans dieser besonderen Vehikel versende er inzwischen auch Ersatzteile, die diese für eigene Renovationsarbeiten benötigten. Zudem: Ab und an verkaufe er auch eines seiner eigenen Gefährte.

«Doch Velosolex ist und bleibt einfach mein Hobby», winkt er die entsprechende Frage ab, ob er die Schrauberei nicht irgendwann professionell machen wolle. «Ich bin sehr gerne Lehrer», betont Christof Kipfer. «Die Sache mit den Velosolex ist aber ein ganz toller Ausgleich zum Schulalltag.» Wer die renovierten Fahrzeuge betrachtet, spürt, mit wie viel Engagement und Herzblut Kipfer sein Hobby ausübt.

Berner Zeitung

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