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Den Tourismusorten stinktsAusflugsregionen greifen durch

Immer häufiger schlagen Touristen ihre Zelte ausserhalb der Campingplätze auf – und hinterlassen ihren Unrat in der freien Natur. Nun müssen sie vielerorts mit härteren Strafen rechnen.

Nicht überall ist das erlaubt: Campen in der Natur.
Nicht überall ist das erlaubt: Campen in der Natur.
Foto: Keystone/Arno Balzarini

Vergangenen Herbst hiess es noch: Der Kanton «prüfe» ein Verbot, um gegen die Wildcampierer am Seealpsee vorzugehen. Nur wenige Monate später haben die Appenzell Innerrhoder nun endgültig genug: Die Kantonsregierung hat vor wenigen Tagen den politischen Prozess angestossen, um konsequenter gegen die Wildcampierer vorzugehen. Gelten dürfte das nicht nur für den bekannten See, sondern für das ganze Alpsteingebiet. Den Stein ins Rollen brachten wohl die vielen Ausflügler, die während des Lockdown dort ihre Zelte aufschlugen, Müll hinterliessen und unweit der Wege ihr Geschäft verrichteten.

Auch die Glarner gehen wegen der Wildcampierer über die Gesetzesbücher. So klärt die Gemeinde Glarus Nord ihre rechtlichen Möglichkeiten, um gegen die unerwünschten Übernachtungsgäste vorzugehen.

Hohe Bussen: Die Gemeinde Flühli macht ernst gegen Wildcampierer.
Hohe Bussen: Die Gemeinde Flühli macht ernst gegen Wildcampierer.
Foto: Biosphäre Entlebuch

Im Entlebuch sorgte das wilde Campieren punktuell für Konflikte und Ärger. Deshalb hat zum Beispiel die Gemeinde Flühli-Sörenberg Sofortmassnahmen ergriffen und an diversen Orten ein Campingverbot erlassen. Wer sich nicht daran hält, muss tief in die Tasche greifen: eine Busse kann bis zu 20’000 Franken kosten, in leichten Fällen bis zu 5000 Franken.

TCS verlängert die Campingsaison

Die Buchungszahlen der Campingplätze lassen vermuten, dass auch im Sommer viele Ausflügler ihre Zelte in der Natur aufstellen werden. Laut Daniel Graf, Sprecher des Touring-Clubs Schweiz (TCS), sind viele der 24 TCS-Zeltplätze für Juli und August bereits voll. «Die Buchungen liegen 70 Prozent über den Vorjahreszahlen», sagt er. Reservationen seien dringend empfohlen. Der TCS hat nun beschlossen die Campingsaison im Herbst um zwei Wochen zu verlängern.

11 Kommentare
    Barbara L

    Auch ich ärgere mich über wildes Zelten. Das Zurücklassen von Müllbergen und anderen Hinterlassenschaften finde ich respektlos und unverschämt. Was ich aber verstehen kann ist das Bedürfnis. In unzähligen Pfadilagern habe ich erlebt, wie schön erlaubtes Zelten in der Natur ist. Statt nur mit Verboten zu reagieren sollte man überlegen, was man dem Bedürfnis entgegen stellen kann. Mittlerweile gibt es in der Schweiz eine Internetplattform, auf der Private ihre Alp oder sonst ein spektakuläres Stück Land als Natur-Stell- und Zeltplatz anbieten (wurde auch schon in einem Tagesanzeiger-Bericht beschrieben). Es gibt dort nur eine rudimentäre Infrastruktur, man ist für sich und kann das Wildnis-Gefühl erleben. Es ist eine Chance für Tourismusgebiete ihr Angebot zu erweitern. Kleine, einfache Naturzeltplätze in Ergänzung zu Hotels, Ferienwohnungen und bestehenden Zeltplätzen mit hoher Infrastruktur.