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«Baby Doc» ist wieder in Haiti

Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier ist überraschend in seine Heimat zurückgekehrt. Seine Landsleute rätseln darüber, welche Pläne der einstige Tyrann verfolgt.

Ist wieder im Land: Jean-Claude Duvalier.

In einer Phase grösster politischer und sozialer Spannung ist der frühere haitianische Diktator Jean-Claude «Baby Doc» Duvalier überraschend in sein Land zurückgekehrt. Nach 25 Jahren Exil landete er am Sonntag auf dem Flughafen von Port-au-Prince und wurde von Anhängern begrüsst. Es blieb zunächst unklar, was Duvalier mit der Reise bezweckt. Nach dem Ende seiner Schreckensherrschaft hatten die Menschen aus Freude auf der Strasse getanzt, doch die Erinnerung daran ist nach dem Vierteljahrhundert verblasst.

Nach seiner Ankunft zeigte sich Duvalier auf einem Balkon des Hotels Karibe und winkte Anhängern und Journalisten zu. Ein Mitarbeiter sagte, Duvalier sei froh, wieder zu Hause zu sein. Er sei nach dem langen Flug müde und werde am heutigen Montag eine Pressekonferenz geben.

Wiederaufbau kommt kaum voran

Die Rückkehr Duvaliers erfolgt rund ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben im Januar 2010. Seitdem ist der Wiederaufbau nur schleppend vorangekommen. Noch immer leben mehr als eine Million Menschen in überfüllten Lagern unter armseligen Bedingungen. Seit Oktober wütet eine Cholera-Epidemie im Land, bei der über 3500 Menschen ums Leben gekommen sind.

Zu allem Überfluss ist die politische Lage angespannt. Beobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) übergaben dem amtierenden Präsidenten René Préval am Donnerstag einen Bericht zur ersten Runde der Präsidentenwahl. Die OAS legte ihm nahe, den von der Regierung unterstützten Präsidentschaftskandidaten Jude Celestin von der Stichwahl auszuschliessen. Es gebe Hinweise auf Wahlbetrug.

Nach der ersten Runde am 28. November war es zu Unruhen gekommen, als die Ergebnisse dafür hindeuteten, dass zwischen der früheren First Lady Mirlande Manigat und Prévals Kandidat Celestin zur Stichwahl kommen könnte. Die Anhänger des drittplatzierten Michel Martelly errichteten Strassenbarrikaden und brannten Celestins Wahlkampfhauptquartier nieder. Die für den 16. Januar geplante Stichwahl wurde abgesagt.

Will Duvalier zurück an die Macht?

Beobachter vermuten, dass Duvalier versuchen könnte, die Instabilität auszunutzen, um zurück an die Macht zu kommen. Er war 1986 bei einem Volksaufstand ausser Landes gejagt worden und lebte zuletzt in Paris. Viele Haitianer hatten damals gehofft, er werde niemals zurückkehren. Eine Hand voll Anhänger hatte sich aber für seine Rückkehr eingesetzt und eine Stiftung gegründet, um das Image des einstigen Tyrannen aufzupolieren und seine Partei wiederzubeleben. Dass die Hälfte der Einwohner Haitis unter 21 Jahre alt ist, kommt Duvalier dabei zugute.

Ministerpräsident Jean-Max Bellerive erklärte, falls Duvalier in irgendwelche politische Aktivitäten verwickelt sei, wisse er nichts davon. «Er ist ein Haitianer und es steht ihm als solchem frei, nach Hause zurückzukehren», sagte er der Nachrichtenagentur AP. Im Herbst 2007 hatte Präsident Préval erklärt, Duvalier könnte nach Haiti zurückkehren, müsste sich dann aber vor der Justiz für den Tod von Tausenden Menschen und der Veruntreuung von Millionen von Dollar verantworten.

Jean-Claude und sein Vater, François «Papa Doc» Duvalier, hatten politische Gegner gefoltert und getötet. Sie herrschten in einer Atmosphäre von Furcht und Unterdrückung, ihr wichtigstes Machtmittel war die gefürchtete Geheimpolizei Tonton Macoute. «Baby Doc» und sein Klan sollen den bitterarmen Karibikstaat um viele Millionen Dollar betrogen haben. Das Geld wird auf Schweizer Konten vermutet. Duvalier junior herrschte von 1971 bis 1986 in Haiti.

dapd/miw

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