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«Bitte sämtliche Post an Aufseher weiterleiten»

Die US-Regierung registriert den gesamten Briefverkehr ihrer Bürger. Leslie James Pickering erfuhr nur durch Zufall, dass er einer speziellen Überwachung ausgesetzt ist.

War früher Sprecher der Earth Liberation Front (ELF): Leslie James Pickering. Foto: www.lesliejamespickering.com
War früher Sprecher der Earth Liberation Front (ELF): Leslie James Pickering. Foto: www.lesliejamespickering.com

Heute wurde bekannt, dass die US-Regierung nebst dem Geheimdienst NSA noch ein zweites Überwachungsmonster besitzt: die amerikanische Post. Die «New York Times» deckte auf, dass im letzten Jahr rund 160 Milliarden Briefe abfotografiert wurden. Das Programm läuft schon seit 2001.

Im Normalfall werden Absender und Empfänger jeder über den staatlichen Postdienst USPS verschickten Sendung von Computern abfotografiert. Bei ausgewählten Personen wird die Korrespondenz jedoch auch geöffnet, wenn die richterliche Erlaubnis vorliegt. Ein ehemaliger FBI-Agent nennt das Mail Isolation Control and Tracking (MICT) – wie das Programm heisst – «eine Informationsgoldgrube».

Interne Nachricht gelangte zu Pickering

Leslie James Pickering erfuhr vergangenen September, dass er beim US Postal Service einer speziellen Überwachung ausgesetzt ist – jedoch nur durch Zufall: Der Autor und Buchhändler entdeckte beim Öffnen der Post eine Nachricht, die nicht für ihn bestimmt war: «Bitte sämtliche Post an Aufseher weiterleiten», stand auf der Karte. Und weiter: «Alle Inhalte müssen vor der Lieferung kopiert werden.» Das Wort «streng vertraulich» war mit Leuchtstift markiert.

Er sei etwas «schockiert» gewesen, teilte Pickering gegenüber der «New York Times» mit. Fairerweise muss man sagen, dass Pickerings Vergangenheit vorbelastet ist. Der Familienvater war Sprecher der Earth Liberation Front (ELF) – einer ökologisch militanten Organisation, die nach eigener Aussage «direkte Aktionen in Form von Wirtschaftssabotage durchführt, um die Ausbeutung und Zerstörung unserer natürlichen Umwelt aufzuhalten». Der geplante Anschlag auf IBM im Jahr 2011 geht etwa auf das Konto des Schweizer Ablegers der Organisation.

Pickering: Ich war nie ein aktives Mitglied

Pickerings Zeit bei der ELF liegt aber bereits über eine Dekade zurück. Er habe nie aktiv in der Gruppierung mitgewirkt, teilte er vergangenen Mai gegenüber der Zeitung «The Buffalo News» mit. «Das wäre viel zu riskant gewesen, weil ich als Sprecher öffentlich in Erscheinung trat», sagte Pickering. Seine Vergangenheit hat er inzwischen transparent gemacht und in mehreren Büchern aufgearbeitet. Eines heisst «If a Tree Falls: A Story of the Earth Liberation Front».

Dem FBI erschien Pickering noch immer verdächtig genug, um ihn bis zuletzt systematisch zu überprüfen. Auf Anfrage der «New York Times» bestätigte es die Überwachung, ohne näher auf den Fall einzugehen. Stattdessen verweist das FBI auf die Erfolge, die in der Vergangenheit mithilfe des MICT-Programms erzielt worden seien. Dank der gesammelten Daten sei es beispielsweise gelungen, die Schauspielerin Shannon Guess Richardson wegen des mutmasslichen Versands von Giftbriefen an Präsident Barack Obama und New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg aufzuspüren.

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