Brandgefährliche Fake-News um einen US-Flugzeugträger

US-Korrespondent Thomas Spang über Donald Trumps Drohungen gegen Nordkorea.

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Atomkrieg wegen Fake-News – Donald Trumps Entsendung einer «imaginären Armada» in die Gewässer vor der koreanischen Halbinsel bloss als «Kommunikationspanne» abzutun, verkennt den Ernst der Lage. Angesichts der Spannungen mit dem Regime in Pyongyang können Funken reichen, das nukleare Pulverfass in der Region zu zünden.

Der Korea-Krieg in den 50er-Jahren begann auch mit der Fehleinschätzung von Äusserungen des US-Aussenministers Dean Acheson vor dem Nationalen Presseclub. Kim Jong-uns Grossvater nahm diese zum Anlass, den 38. Breitengrad zu überschreiten. Der Krieg brachte mehreren Hunderttausend Menschen den Tod.

Verglichen mit der damaligen Situation, verfügen heute beide Seiten über sehr viel zerstörerische Waffen. Die Militärdoktrin des Nordens sieht bei einem Konflikt den Ersteinsatz des kleinen, aber wachsenden Arsenals an Atomwaffen vor. Darüber hinaus verfügt Kim über ein gewaltiges Potenzial an konventionellenRaketen, welche Südkoreas Hauptstadt Seoul in Schutt und Asche legen könnten. Kein vernünftiger US-General hält es deshalb für eine denkbare Option, Nordkorea mit einem Schlag zu entwaffnen.

Das gilt auch unter Trump, der vollmundig damit drohte, die Politik der «strategischen Geduld» sei nun zu Ende. Dummerweise erweist sich Ungeduld nicht als Strategie, sondern – wie die Entsendung der imaginären Armada zeigt – als Spiel mit dem Feuer. Dass weder der nationale Sicherheitsberater noch der Verteidigungsminister oder der Präsident die tatsächlichen Koordinaten des Flugzeugträgers Carl Vinson und seiner vier Begleitschiffe kannten, ist so unglaublich wie die nachgereichte Erklärung.

Die Konsequenzen der Fake-News aus dem Munde Trumps stehen dagegen ausser Frage. Die Irrfahrten des Flugzeugträgers Carl Vinson bedeuten einen Strategie-GAU für die Vereinigten Staaten. Denn nun wird dem US-Präsidenten niemand mehr glauben, wenn er den grossen Knüppel auspackt. Damit hat Trump nun eine Option weniger, das Regime in Pyongyang militärisch unter Druck zu setzen, um auf diplomatischem Weg etwas zu erreichen.

Spätestens seit der peinlichen Enthüllung um die Entsendung der eingebildeten Seestreitmacht sollte Trump realisieren, dass seine Worte als Präsident der Supermacht USA Konsequenzen haben. Ein zweiter Korea-Krieg aus Versehen wäre ein zu hoher Preis für ein paar unbedachte Sprüche.

ausland@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.04.2017, 07:20 Uhr

US-Korrespondent Thomas Spang. (Bild: zvg)

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