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Clintons Notruf aus dem Katastrophengebiet

Ein Jahr nach der Katastrophe fällt die Bilanz des Wiederaufbaus in Haiti ernüchternd aus: Barack Obama und Bill Clinton, die sich vor Ort ein Bild verschafften, erfordern konkrete Massnahmen.

Menschen stehen am 17. Januar 2010 in den völlig zerstörten Strassen von Port-au-Prince. Damals kamen Schätzungen zufolge zwischen 230'000 und 300'000 Menschen ums Leben.
Menschen stehen am 17. Januar 2010 in den völlig zerstörten Strassen von Port-au-Prince. Damals kamen Schätzungen zufolge zwischen 230'000 und 300'000 Menschen ums Leben.
Keystone
Noch heute sind die Folgen des Erdbebens überall zu sehen.Icaris Celne steht in den Trümmern der Kathedrale von Port-au-Prince, einst ein Wahrzeichen dieser Stadt. Die Kirche wurde bis heute nicht wieder aufgebaut.
Noch heute sind die Folgen des Erdbebens überall zu sehen.Icaris Celne steht in den Trümmern der Kathedrale von Port-au-Prince, einst ein Wahrzeichen dieser Stadt. Die Kirche wurde bis heute nicht wieder aufgebaut.
Keystone
Das Leben geht trotz allem weiter. Ein Mitglied der beinamputierten Fussballspieler beim Training.
Das Leben geht trotz allem weiter. Ein Mitglied der beinamputierten Fussballspieler beim Training.
Reuters
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Zum ersten Jahrestag des verheerenden Erdbebens in Haiti hat US-Präsident Barack Obama die internationale Gemeinschaft gedrängt, ihre Hilfszusagen einzuhalten. Er betonte jedoch, dass Haiti selbst die Führung beim Wiederaufbau übernehmen müsse.

Seit dem Erdbeben am 12. Januar vergangenen Jahres hätten zahlreiche Leben gerettet werden können und die Haitianer hätten heute besseren Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung, erklärte Obama am Dienstag. Es blieben jedoch viele Probleme.

Immer noch Schutt auf den Strassen

«Zu viel Schutt blockiert die Strassen, zu viele Menschen leben weiter in Zelten und für so viele Haitianer ist Fortschritt nicht schnell genug gekommen», sagte Obama und verwies darauf, dass der Karibikstaat noch Jahrzehnte auf Hilfe angewiesen sein könnte.

Der frühere US-Präsident und derzeitige Koordinator für internationale Hilfe, Bill Clinton, äusserte sich am Dienstag bei einer Gedenkfeier in Haiti frustriert über die langsamen Fortschritte beim Wiederaufbau.

Zwischen den internationalen Hilfsversprechen und den tatsächlich ausgezahlten Mitteln gebe es riesige Lücken, sagte auch Clinton. Bisher seien nur 60 Prozent der für 2010 zugesagten Mittel ausgezahlt worden, diesen Rückstand gelte es 2011 aufzuholen. Kritiker machen für die Verzögerung die Ineffizienz und die schlechte Koordination der haitianischen Regierung verantwortlich.

Politische Krise

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte davor, Haiti allein zu lassen. Die Anstrengungen müssten vielmehr verdoppelt und erneuert werden, sagte Ban. Der Leiter der UNO-Mission in Haiti, Edmond Mulet, warnte davor, dass ohne Fortschritte bei der Herrschaft des Rechts alle gegenwärtigen und zukünftigen Bemühungen für Wiederaufbau und Entwicklung folgenlos bleiben könnten.

Insbesondere die politische Krise nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen Ende November bereitet der UNO Sorgen. Der amtierende haitianische Präsident René Préval bat darum, dass ein Bericht der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zu den Wahlen nicht während der Gedenkfeiern überreicht werde.

Die OAS habe diesen «völlig berechtigten Wunsch» akzeptiert, teilte die Organisation mit. In dem Bericht empfiehlt die OAS, wie vorab bekannt wurde, den Rückzug des von Prévals favorisierten Kandidaten Jude Célestin. Dieser soll demnach seinen Platz in der Stichwahl an den bisher Drittplatzierten Michel Martelly abgegeben.

Zweitägige Gedenkfeiern

Ein Jahr nach dem verheerenden Beben finden in Haiti am Dienstag und Mittwoch offizielle Gedenkfeier statt. Am Mittwoch soll um 16.53 Uhr Ortszeit, dem genauen Moment des Erdbebens vergangenes Jahr, mit einer Schweigeminute der mehr als 225'000 Opfer gedacht werden.

Noch immer kämpft Haiti mit den Folgen des Erdbebens. Weiterhin leben mehr als 800'000 Menschen in improvisierten Notunterkünften, eine Cholera-Epidemie fordert täglich neue Opfer und der weiterhin ungelöste Streit um die Wahlen sorgt immer wieder für Unruhen auf den Strassen und blockiert zusätzlich den ohnehin nur schleppenden Wiederaufbau.

SDA/mrs

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