Demografischer Wandel verändert die Politik in Texas

Künftig werden in der republikanischen Bastion die Latinos, die in El Paso ins Visier eines Rechtsextremisten geraten sind, eine Mehrheit bilden.

Besuch in der Hochburg der Republikaner: Präsident Donald Trump hält in Begleitung von First Lady Melania Trump eine texanische Flagge mit dem «Lone Star» hoch. (Archiv)

Besuch in der Hochburg der Republikaner: Präsident Donald Trump hält in Begleitung von First Lady Melania Trump eine texanische Flagge mit dem «Lone Star» hoch. (Archiv)

(Bild: Keystone)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Ein ureigener amerikanischer Romantizismus umweht den Bundesstaat: Texas gibt sich als US-Amerika in Reinkultur, eine nostalgische Erinnerung an das, was einmal war, ist der nach Alaska flächenmässig grösste Bundesstaat. Genau daran setzte der mutmassliche Todesschütze von El Paso an. In einem Manifest, das nach Ansicht des FBI und der örtlichen Polizei höchstwahrscheinlich von ihm stammt, beklagt Patrick C. die «Invasion» der Latinos in «meinem geliebten Texas».

Der Staat, so heisst es in diesem Manifest, sei bald unwiederbringlich verloren, da ihn Latinos überfluteten und Texas in einen von Demokraten beherrschten Staat umwandelten. Der rassistische Text ist eine Reaktion auf profunde demografische Veränderungen: Um 1,9 Millionen ist die Zahl der Latinos in Texas seit 2000 gestiegen, rund 40 Prozent der Gesamtbevölkerung haben einen hispanischen Migrationshintergrund. Allein zwischen 2010 und 2017 wuchs der Anteil hispanischer Texaner an der Gesamtbevölkerung um 18 Prozent.

Republikanische Bastion wackelt

Die Zuwanderung treibt das enorme Wachstum texanischer Metropolen wie San Antonio, Dallas, Houston, El Paso und Austin. 1976 gewannen die Demokraten mit Jimmy Carter letztmalig eine Präsidentschaftswahl in Texas, seit Jahren hat kein Demokrat ein staatsweites Amt wie etwa Gouverneur oder US-Senator bekleidet. Wegen der demografischen Verschiebungen aber beginnt die republikanische Vorherrschaft zu wanken. Bei den Kongress- und Präsidentschaftswahlen 2016 kamen 68 Prozent der insgesamt in Texas abgegebenen Stimmen aus städtischen Ballungsgebieten und garantierten demokratischen Kandidaten erhebliche Zugewinne.

Ohne einen Sieg in Texas kann sich kein republikanischer Präsidentschaftskandidat Chancen auf einen Erfolg ausrechnen. Texas war bislang republikanisches Urgestein, nur das verlässlich demokratische Kalifornien bietet mehr Wahlmännerstimmen bei Präsidentschaftswahlen. Der republikanische Vorsprung bei staatsweiten Wahlen ist jedoch geringer geworden. Demokratische Strategen hoffen, dass der Staat im kommenden Jahrzehnt kippen werde oder die Republikaner zumindest teuere Ressourcen investieren müssen, um ihn zu halten.

Donald Trumps Zustimmungrate in Texas liegt derzeit einer neuen Umfrage zu Folge bei 48 Prozent, eine knappe Mehrheit von 49 Prozent der befragten Texaner lehnt den Präsidenten ab. Ebenfalls als Warnzeichen werten republikanische Granden in Washington Erhebungen, die Trump gegen mehrere demokratische Präsidentschaftskandidaten in Texas auf der Verliererstrasse sehen.

Warnung an Trump

Der Wahlkampfstab des Präsidenten müsse die Herausforderungen in Texas «ernst nehmen», mahnte kürzlich der texanische Senator Ted Cruz in einem Interview. Denn es sei «keinesfalls garantiert», dass Trump bei der Wahl 2020 in Texas den Sieg davontragen werde. Cruz musste 2018 um seinen republikanischen Senatssitz bangen, sein Sieg über den ehemaligen texanischen Kongressabgeordneten Beto O’Rourke fiel knapp aus.

Die hispanische Zuwanderung wird Texas weiter verändern, und Trumps Attacken gegen hispanische Migranten sind ein Garant für demokratische Wahlerfolge. Es war nicht immer so: Bei Gouverneurswahlen erzielte George W. Bush in den neuziger Jahren beachtliche Erfolge bei texanischen Latinos, weil sich der spätere Präsident und sein Stratege Karl Rove um die hispanische Bevölkerung bemühten. Doch davon ist nichts übriggeblieben.

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