Demokraten bereiten sich auf TV-Debatte in Detroit vor

Die zweite TV-Debatte der demokratischen Kandidaten steht an. Sie wird tiefe politische Risse offenbaren, zur Freude Donald Trumps.

Bereit für die grosse Show: Das Fox Theater in Detroit. (29. Juli 2019) Bild: Jim Watson/AFP

Bereit für die grosse Show: Das Fox Theater in Detroit. (29. Juli 2019) Bild: Jim Watson/AFP

Martin Kilian@tagesanzeiger

Während der neueste Twitter-Ausbruch des Präsidenten über Ratten in der Stadt Baltimore für Schlagzeilen sorgte, hat sich die Schar der demokratischen Präsidentschaftsbewerber auf die zweite TV-Debatte heute und Mittwoch in Detroit vorbereitet. Die vergangenen Tage, in denen der Präsident mit seinen hässlichen Tweets einmal mehr seine Wahlkampfstrategie offenbarte, bewiesen eindrücklich, dass die Wahl im November 2020 von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der USA sein wird. Die demokatische Opposition ist sich dessen gewiss, flösst jedoch nicht unbedingt Vertrauen ein. Die Partei ist sich unsicher, wie und mit welchen Mitteln Trump die Wiederwahl verwehrt werden kann. Sie ist zerstritten zwischen einem gemässigten und einem progressiv-linken Flügel – und sie wird über Monate hinweg hitzige und bisweilen bittere Debatten führen, um aus einem grossen Feld von Bewerbern ihren Präsidentschaftskandidaten auszusieben. Plakat am Fox Theater in Detroit. (29. Juli 2019) Bild: Scott Olson/AFP

Insgesamt 20 Bewerber werden in Detroit vor den Fernsehkameras stehen, vier davon sind die chancenreichsten: Die Senatorin Elizabeth Warren (Massachusetts), der in Umfragen führende ehemalige Vizepräsident Joe Biden, die Senatorin Kamala Harris (Kalifornien) sowie der parteilose Senator Bernie Sanders (Vermont). Ihre Debatte wird von grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei geprägt werden: Sollen die Demokraten versuchen, abtrünnige Wähler aus den weissen Mittelschichten zurückzugewinnen und sich deshalb nahe der politischen Mitte bewegen? Oder sollen neue Wähler unter Minderheiten und jungen Amerikanern durch eine konsequent progressiv-linke Politik gewonnen werden? Und weiter: Geht es bei der kommenden Wahl nur darum, Donald Trumps Wiederwahl zu verhindern? Oder müssen sich Partei und Präsidentschaftskandidat durch visionäre Pläne zum Klimaschutz, zur Reform des Gesundheitswesens und zur Behebung sozialer Ungleichheit profilieren? Soll gegen den Präsidenten ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden oder nicht?

Gezwungenermassen nach links Die demokratische Basis hat sich seit 2016 nach links bewegt, was die Präsidentschaftsbewerber vor eine knifflige Aufgabe stellt: Um bei den innerparteilichen Vorwahlen zu siegen, müssen die meisten Kandidaten nach links rücken. Oft besetzen sie dabei politische Positionen, die beim Hauptwahlgang 2020 zum Hindernis werden. Die von mehreren Kandidaten bei der ersten TV-Debatte Ende Juni befürwortete Entkriminalisierung illegaler Grenzübertritte von Migranten zählt ebenso dazu wie der Vorschlag, ein staatliches Gesundheitswesen für alle einzuführen – wodurch rund 150 Millionen Bürger ihre vom Arbeitgeber gestellte Krankenversicherung verlieren würden. In der Debatte am Mittwoch wird Joe Biden wieder versuchen, sich von seinen Konkurrenten zur Linken abzugrenzen. Biden will sich als Kandidat der politischen Mitte präsentieren, der bestens gerüstet sei, Donald Trump zu besiegen. Sein Auftritt bei der ersten Debatte war indes wenig vertrauenserweckend, Biden wirkte fahrig und unsicher. Am Mittwoch muss der angeschlagene Spitzenreiter die Attacken seiner Widersacher deshalb parieren, ohne sich Blössen zu geben.

Die Zerwürfnisse im Feld der Kandidaten mitsamt dem Richtungsstreit innerhalb der Partei kommen Donald Trump natürlich gelegen: Der Präsident, der keinen ernsthaften innerparteilichen Widersacher befürchten muss, wird beides ausschlachten und durch den gezielten Einsatz sozialer Medien wie bereits 2016 zu vertiefen versuchen. Seine politischen Gegner werden heute und Mittwoch nervös verfolgen, ob die demokratische Kandidatenschar das eigentliche Ziel, nämlich Donald Trump eine zweite Amtszeit zu verwehren, in den Mittelpunkt der Debatte stellen wird.

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