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Der Urlauber-in-Chief

Urlaub brauche er nicht, und Obama spiele zu oft Golf – diese Meinung vertrat Donald Trump, bevor er US-Präsident wurde. Dabei nimmt er sich inzwischen viel öfter frei als sein Vorgänger.

Ab in die Ferien: Präsident Trump besteigt die Air Force One.
Ab in die Ferien: Präsident Trump besteigt die Air Force One.
Keystone

Gesehen haben die rund 8200 Einwohner des verschlafenen Städtchens in Somerset County den US-Präsidenten seit seinem Amtsantritt nicht ein einziges Mal. Doch sie wissen, dass er da ist, auf dem zwei Quadratkilometer grossen Anwesen vor den Toren Bedminsters. Denn dann ist es mit der Ruhe in dem idyllischen Ort vorbei.

Wenn Trump in seinem Golfclub Quartier nimmt, kreuzen schwarze SUV-Geländewagen durch die Strassen. Und die Dorfpolizisten machen Überstunden. Bürgermeister Steven E. Parker, ein traditioneller Republikaner, verrät, wegen der häufigen Aufenthalte des Präsidenten erhalte der Ort seit kurzem Geld aus der Bundeskasse für seinen Mehraufwand.

Trump verlegte seine Urlaube in sein Resort von New Jersey, in dem 2009 Tochter Ivanaka und Schwiegersohn heirateten, nachdem seine häufigen Besuche im pompösen Mar-a-Lago von Palm Beach in Florida selbst unter seinen treuesten Fans Murren ausgelöst hatten.

Urlaub oder nicht?

Dabei ist der Golfclub in Bedminster nicht weniger vornehm. Die Gegend gehört mit einem Einkommen, dessen Median bei knapp unter einhunderttausend Dollar liegt, zu den reichsten Wohngebieten der USA. Frequentiert von Spezialisten, die für Unternehmen der Pharma-, der Biotech- und der Telekommunikationsindustrie tätig sind.

Während sich Trump in Bedminster selbst nicht blicken lässt, plaudert er gerne mit den 425 Mitgliedern seines Clubs. Eine Mitgliedschaft kostet eine einmalige Aufnahmegebühr zwischen 75'000 und 100'000 Dollar plus jährliche Gebühren von 22 100 US-Dollar. Die Nutzung des Helipads inklusive. «Der Präsident wird über die kommenden Wochen hier weiterarbeiten», versuchte Sprecherin Lindsay Walters der Kritik an den häufigen Abwesenheiten des Präsidenten den Wind aus dem Segel zu nehmen.

Kurz nach seinem Eintreffen doppelte Trump via Twitter nach: «Das ist kein Urlaub – Treffen und Telefonate.» In Wirklichkeit mache er nicht frei, sondern entfliehe bloss den Renovierungsarbeiten im Weissen Haus, das er kürzlich erst als «Müllhalde» bezeichnet hatte. Dort werden die 27 Jahre alte Klimaanlage erneuert, die Teppiche gereinigt.

Obama gönnte sich 15 Tage

Doch wie so oft bei Donald Trump, stimmt seine Geschichte auch in diesem Fall nur halb. Bereits vor seiner Reise nach Bedminster führte er die Liste der Präsidenten mit den meisten freien Tagen unangefochten an. Nach seinem nun offiziell als Arbeitsurlaub ausgegebenen Aufenthalt in seinem Golfclub kommt Trump im ersten halben Jahr auf 53 freie Tage. Barack Obama hatte zu diesem Zeitpunkt seiner Präsidentschaft ganze 15 Tage freigenommen.

2011 kritisierte Trump seinen Vorgänger in einem Interview mit «60 Minutes» wegen dessen Arbeitsethik. «Ich werde keine Zeit zum Golfspielen haben und sicher nicht viel Urlaub nehmen», sagte er zu der hypothetischen Frage, was er als Präsident tun würde. «Es gibt so viele Dinge, die erledigt werden müssen.»

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