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Die Amerikaner streiten über den Umgang mit ihrer Flagge

Zwischen Heiligtum und Gebrauchsgegenstand: Das Sternenbanner ist ein Symbol für die Zerrissenheit der Gesellschaft.

Zweckdienliches Tuch: Eine Trump-Anhängerin während einer Wahlkampfveranstaltung 2016. Foto: Keystone
Zweckdienliches Tuch: Eine Trump-Anhängerin während einer Wahlkampfveranstaltung 2016. Foto: Keystone

Wer sehen will, dass die Amerikaner ihre Flagge sowohl ehren als auch besudeln, der sollte dieses Land am 4. Juli besuchen. Sie feiern Independence Day an diesem Tag, und sie benutzen das in der Nationalhymne mit Pathos besungene Sternenbanner als Bikini, Bandana, Bierdosenhalter und, ja, auch dies: Taschentuch, Serviette oder Toilettenpapier, zum Säubern sämtlicher Körperöffnungen also. Wer die drei Buchstaben der Landes-Abkürzung ruft, der erntet ein Echo, aus dem nicht selten ein Massengebrüll wird: ­«U-S-A! ­U-S-A! ­U-S-A!»

Flagge, Hymne und Gebrüll stehen in direkter Relation zueinander, wie der Streit zwischen Donald Trump und Profisportlern um das Niederknien beim Abspielen der Hymne und Ausrollen der Flagge gezeigt hat. Der Präsident brüllte seinen Anhängern auf einer Kundgebung zu, dass man die Knienden rauswerfen müsse: «Schafft den Hurensohn vom Feld – du bist gefeuert!» Die gebrüllte Antwort der Trump-Fans: ­«U-S-A! ­U-S-A! ­U-S-A!»

Ein besseres Dasein für die heilige Flagge

In einigen Kleinstädten ist die Debatte um die Zurschaustellung der Flagge neu entbrannt. In Hamtramck (Michigan) zum Beispiel verbot der Stadtrat den Mitarbeitern, an den Scheiben der Fahrzeuge mit Klebeband Flaggen anzubringen – nach heftigen Protesten sagte Stadtdirektorin Kathy Angerer, dass sie keineswegs unamerikanisch sei. Vielmehr habe die heilige Flagge ein besseres Dasein verdient: «Sie sollte mit mehr Respekt behandelt werden.» Sie wolle die Flagge auf sämtliche Fahrzeuge der Stadt lackieren lassen.

Das führt in die Kleinstadt Laguna Beach, südlich von Los Angeles: Der Stadtrat hatte eine Umlackierung der Einsatzfahrzeuge angeordnet, die zuvor weiss mit dunkelblauer Aufschrift («Laguna Beach Police») gewesen waren. Nun sind sieben von elf Fahrzeugen schwarz mit weissen Seitentüren, dort ist in Flaggenfarben das Wort Police zu sehen – also weisse Sterne auf blauem Grund für «POL» und rot-weisse Streifen für «ICE». Allerdings: «ICE» ist die Abkürzung der unter anderem für Abschiebungen zuständigen Behörde des Heimatschutzministeriums.

«Wir sind Surfer»

Ungefähr die Hälfte der 23000 Einwohner von Laguna Beach hat sich darüber beschwert: Die Lackierung wirke aggressiv, schrecke Touristen ab und beleidige Einwanderer. «Es passt ästhetisch nicht zu unserer kleinen Gemeinde», sagt eine Künstlerin: «Wir sind Surfer, die Regenbogen-Sandalen tragen und Avocados essen.» Eine Anwältin dagegen sieht in solchen Äusserungen einen Angriff auf Flagge und Vaterland: «Diese Leute sind derart hasserfüllt dem Präsidenten gegenüber, dass sie vergessen, dass es kaum etwas Amerikanischeres gibt als ein Polizeiauto mit der Flagge darauf.»

In Laguna Beach kam es kürzlich zum Showdown. 200 Leute kamen zur Stadtratssitzung, sie beschimpften sich gegenseitig. Dann begann eine Frau, eingehüllt in eine Nationalflagge, die Hymne anzustimmen – und alle sangen mit. Der Beschluss: Die Flaggen bleiben auf den sieben Polizeiautos, und die verbleibenden vier werden umlackiert.

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