Zum Hauptinhalt springen

Die dunkle Seite des Paradieses

Plünderungen und Gewalt auf der sturmversehrten Karibikinsel Saint-Martin offenbaren die soziale Misere, vor der Frankreich bisher die Augen verschlossen hatte.

Nach dem Hurrikan Irma: Hilfsgüter erreichen Saint-Martin. Ein Teil der Insel ist französisch, der andere niederländisch.
Nach dem Hurrikan Irma: Hilfsgüter erreichen Saint-Martin. Ein Teil der Insel ist französisch, der andere niederländisch.
Keystone

6,3 Millionen Bewohner Floridas wurden aufgefordert, sich vor Irma in Sicherheit zu bringen. Viele Wohnungen sind daher leer, viele Ladeninhaber ­haben die Städte verlassen. Kriminelle haben leichtes Spiel.

Gemäss Berichten sollen Diebe das Chaos genutzt haben, um Geschäfte zu plündern und in Wohnungen einzubrechen. US-Medien schilderten aus mehreren Städten Überfälle, viele der Täter seien bewaffnet. In der Stadt Weston wurde nach Angaben verschiedener lokaler Medien ein 17-jähriger Dieb von einem Sicherheitsbeamten angeschossen.

Noch zahlreicher sind die Meldungen von Plünderungen auf den karibischen Inseln, wo Irma zuvor gewütet hatte. Im französischen Überseegebiet Saint-Martin, wo der Hurrikan 95 Prozent der Behausungen beschädigte, wirken die Behörden machtlos.

Läden, Restaurants und Villen werden oft gewaltsam geplündert. Eine Sprecherin der Gendarmerie erklärte, gestohlen würden vor allem Hi-Fi- und Luxusprodukte, aber auch Nahrungsmittel. In vielen Haushalten gebe es schlicht nichts mehr zu essen. «In dem Fall sehen wir von Rechtsfolgen ab und verlangen die Rückgabe des Essens.»

Paris lässt aufstocken

Die Regierung in Paris ist daran, die Zahl der Sicherheitskräfte von 1100 lokalen Ordnungshütern auf 2000 aufzustocken – inklusive Fremdenlegionären. Schätzungsweise 500 bis 600 Plünderer seien mit Macheten unterwegs, heisst es aus Polizeikreisen. In Paris verlangen mehrere politische Parteien eine Untersuchungskommission über die späte Reaktion der Behörden.

Im fernen Mutterland hören die Franzosen erstmals von den sozialen Hintergründen. Saint-Martin ist viel weniger bekannt als die südlich gelegenen Reisedestinationen Guadeloupe und Martinique. Auf Saint-Martin lebte schon vor Irma über die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

Immerhin ist der Lebensstandard der von Frankreich stark subventionierten «Konfetti» – wie die Relikte des französischen Kolonialreiches genannt werden – noch höher als in den armen Nachbarinseln Haiti, Kuba oder der Dominikanischen Republik.

Die illegalen Zuwanderer sind zahlreich auf Saint-Martin, wo 30 Prozent der rund 80'000 ­Bewohner ausländischer Herkunft sind. Hoch ist auch die Kriminalitätsrate: Jährlich werden rund 3500 Straftaten registriert.

(brä/sda)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch