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Die USA auf der Suche nach dem Todesstoff

Aufgrund eines Liefermangels kann die USA zurzeit keine Todesspritzen verabreichen. Könnte die USA auf eine allfällige Unterstützung aus der Schweiz zählen?

Intravenös verabreichte Todescocktails sind in den USA zurzeit nicht möglich: Exekutionzelle in Alabama.
Intravenös verabreichte Todescocktails sind in den USA zurzeit nicht möglich: Exekutionzelle in Alabama.
Keystone

Die USA haben ein Problem: Ihnen ist das Gift für Todesspritzen ausgegangen. In 34 von 35 Bundesstaaten müssen zurzeit Exekutionen aufgeschoben werden. Die Rede ist von Dutzenden Häftlingen, die nun in ihren Todeszellen schmoren und nicht wissen, wann das schlimmste aller Urteile über sie hereinbricht.

Konkret handelt es sich um das Narkosemittel Pentothal und den darin enthaltenen Wirkstoff Thiopental, das in allen 34 Staaten, die noch Todesstrafen durchführen, als Todescocktail verabreicht wird. «Wir stellen die Produktion von Pentothal ein», vermeldete die Firma Hospira in einer Medienmitteilung. Das vorläufige Todesurteil für die Todesspritze. Der Pharmakonzern ist gemäss der Sueddeutsche.de das einzige Unternehmen, das diesen Stoff in den USA herstellt. Detail am Rande: Der Name Hospira wird aus dem Lateinischen abgeleitet und bedeutet «Hoffnung» und «Optimismus».

Vergebliche Hilfesuche in Europa

Damit die Todesmaschinerie nicht vollständig zum Stillstand kommt, hofft die USA auch auf Hilfe aus Europa. Bisher vergeblich. Das erste Land, das sich querstellte war Italien – schon im Jahr 2007. Hospira wollte die Produktion von Thiopental nach Italien verlagern. Doch das EU-Land untersagte damals den Export des Mittels. Mit der Begründung, dass es in den USA als Hinrichtungsmittel eingesetzt werde, wie US-Medien am vergangenen Wochenende berichteten.

Bei einer Anfrage in der Schweiz würde die USA auf Widerstand stossen. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass eine Schweizer Pharmafirma einen Stoff zu Tötungszwecken liefern würde, sagt Walter Hölzle, Präsident der Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz. Etwas weniger vage die Äusserung von Andreas Balsiger, Leiter des Rechtsdienstes des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic, das zuständig ist für die Zulassung von Medikamenten: Die Zulassung eines Arzneimittels zu Tötungszwecken würde dem Schweizer Heilmittelgesetz widersprechen, weshalb Swissmedic auf ein entsprechendes Gesuch vermutlich nicht eintreten würde. Balsiger verweist auf Artikel 4 Heilmittelgesetz, in dem Arzneimittel als Produkte definiert werden, die: «(...) zur Erkennung, Verhütung oder Behandlung von Krankheiten, Verletzungen und Behinderungen (...)» bestimmt sind. Ein Todescocktails würde diesen Vorgaben nicht entsprechen.

Das einzige Unternehmen in der Schweiz, welches das Präparat «Pentothal» mit dem tödlichen Wirkstoff Thiopental vertreibt, ist die Handelsfirma Ospedalia mit Sitz im zugerischen Hünenberg. Geschäftsinhaber Christoph Bärlocher sagt gegenüber Redaktion Tamedia, dass Ospedalia nur Medikamente auf dem heimischen Markt verkauft. Bei einer allfällige Anfrage aus den USA wäre es der Firma untersagt, das Präparat zu exportieren. Das sei «vertraglich so festgehalten», sagt Bärlocher. Ospedalia liefert das Medikament nur an Schweizer Spitäler. Dort werden sie für Narkosezwecke verwendet.

Widerstand aus Deutschland

Auch eine Hilfe aus Deutschland wäre für die USA schwierig: Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat an die deutsche Pharmaindustrie appelliert, den USA das für Hinrichtungen eingesetzte Betäubungsmittel Thiopental nicht zu liefern. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP einen entsprechenden Bericht der «Süddeutschen Zeitung». Rösler hat demnach die Herstellerfirmen und den Grosshandelsverband in einem Schreiben eindringlich gebeten, Anfragen aus den USA zur Lieferung von Thiopental nicht zu entsprechen. Das Ministerium hat laut dem Zeitungsbericht auch ein Ausfuhrverbot geprüft, jedoch keine rechtliche Möglichkeit dafür gefunden.

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