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Donald Trump 24/7

Der US-Präsident ist in Hochform: Allgegenwärtig tingelt er durch den US-Wahlkampf – er liebt den Rummel und die Medien lieben ihn.

Mega-Spektakel im Weissen Haus: Kanye West besucht Donald Trump und die Medienwelt steht Kopf. (AFP, AP)

Der Moderator wusste nicht mehr, wozu er den Präsidenten befragen sollte. Nach 47 Minuten war alles abgehakt, Donald Trump aber schien willens, weiter zu reden. «Machen Sie sich auf und regieren Sie!», beendete Steve Doocy, Journalist bei Fox News, das Interview.

Ein Einzelfall war der Auftritt nicht: Geschwätzig und zugänglicher als jeder US-Präsident vor ihm eilt Donald Trump dieser Tage durch die amerikanische Medienwelt, ein Hansdampf in allen Formaten – Print, TV, Internet - , der sich nur Wochen vor den Kongresswahlen selbstgefällig inszeniert. Trump ist in Hochform, nach dem Erfolg der Kavanaugh-Nominierung und dem neuen Handelsvertrag mit Kanada und Mexiko wähnt er sich bereits im Pantheon grosser amerikanischer Präsidenten.

«Private Pressekonferenz» mit dem halben Kabinett

Mehrmals in der Woche tritt er bei Wahlveranstaltungen vor Getreuen auf, an einem einzigen Tag gab er den medialen Gefolgsleuten bei Fox News gleich mehrere Interviews. So viel turnte Trump auf Rupert Murdochs Kabelkanal herum, dass die Fox-Macher die Wahlkampfversammlungen ihres Helden inzwischen nicht mehr live übertragen - zu viel Trump schadet selbst beim Hauskanal des Präsidenten der Quote.

Trump kann es verkraften: Er redet mit Reportern an Bord des Präsidentenflugzeugs und überrascht Journalisten spätabends am Telefon. Olivia Nuzzi vom liberalen Magazin New York lud er sogar einfach so ins Weisse Haus ein, wo der Reporterin eigenem Bekunden zu Folge eine «private Pressekonferenz» zuteil wurde. Trump, Vizepräsident Pence sowie Aussenminister Pompeo versuchten Nuzzi dabei zu überzeugen, dass zwischen dem Präsidenten und seinem Stabschef John Kelly alles in Butter sei.

«Ehrlich, das ist Donald Trump als ganzer Kerl», preist seine Beraterin Kellyanne Conway die kinetische Energie des Präsidenten. Formale Veranstaltungen wie das tägliche Pressebriefing im Weisse Haus sind out, der «ganze Kerl» ist in.

Unter solchen Umständen gerät eine Begegnung Trumps mit seinem Bewunderer Kanye West im Weissen Haus selbstverständlich zum Mega-Spektakel. Dass sich der Rapper wundert, im Sanktum der Präsidentschaft empfangen zu werden, obschon er doch ein «Motherfucker» sei, zeigt anschaulich, wie Trump sein Amt versteht: Nämlich als gigantische Bühne zur Selbstdarstellung.

Südstaatengeneral als «grossen Kämpfer» gelobt

Natürlich unterlaufen ihm dabei Fehler. So fordert Trump am Freitag bei einem Liebesfest mit seinen Fans in der Kleinstadt Lebanon im Staat Ohio Afroamerikaner auf, republikanisch zu wählen, preist aber im gleichen Atemzug den konföderierten Oberbefehlshaber und Sklavenbesitzer Robert E. Lee als «grossen Kämpfer» und «grossen General».

Auch erfindet der Präsident auf seinem turbulenten Weg durch den Wahlkampf mal dies und mal jenes. Da plant der Stahlproduzent United Steel doch tatsächlich «sieben neue Werke» - wegen Trumps Zöllen! -, wenngleich der Konzern nichts davon weiss. Venezuela ist laut Trump ruiniert worden durch ein «sozialistisches Gesundheitswesen», wie es den Demokraten vorschwebt. Und überhaupt sind die Demokraten ein «zorniger Mob» linker Miesepeter, der nicht verkraften kann, wie Donald Trump US-Amerika wieder «gross» macht.

«Der beste Bote»

Das Tingeln durch die Medien hat Methode, die Unwahrheiten und Übertreibungen schaden Trump schon deshalb nicht, weil seine Zielgruppe die republikanischen Fans sind. Trump will sie motivieren und mobilisieren, um einen demokratischen Wahlsieg im November zu verhindern.

«Der Präsident ist immer der beste Bote», sagt Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders. Recht hast sie: Enthusiastischer als noch vor wenigen Wochen reagiert Trumps Basis auf die permanente Berieselung durch den Präsidenten und auf dessen Mahnung, wer das Schlimmste verhindern wolle, müsse im November wählen. Und wer am Wahltag zu Hause bleibe, trage Mitschuld an einem Desaster. Trump liebt den Rummel, die Medien lieben ihn gleichfalls. Und die Verlierer könnten die Demokraten sein.

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