Donald Trump, das Werkzeug Gottes?

Viele Evangelikale in den USA glauben an eine göttliche Mission ihres Präsidenten – und berufen sich auf abstruse Bibelverweise.

Vor den Mitgliedern der National Rifle Association (NRA) deutete Trump nach oben und sprach von gottgegebenen Rechten. Foto: Keystone (26.4.2019)

Vor den Mitgliedern der National Rifle Association (NRA) deutete Trump nach oben und sprach von gottgegebenen Rechten. Foto: Keystone (26.4.2019)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Am Donnerstag begingen die US-Amerikaner den jährlichen «Nationalen Tag des Gebets». Eingeleitet wurde er bereits am Mittwochabend im Weissen Haus, wo Donald Trump Vertreter vieler Religionen um sich geschart hatte: Juden, Muslime, Hindus und evangelikale Christen. Letztere waren besonders prominent vertreten, bilden sie doch den harten Kern von Trumps politischer Basis.

Der Präsident pries die «Macht des Gebets», ja das Gebet sei «die mächtigste Sache, die es gibt», sagte er. Für Trump, über dessen Religiosität nur spekuliert werden kann, ist der «Nationale Tag des Gebets» immens wichtig. Muslime mögen nicht so begeistert von ihm sein, andere Religionsgemeinschaften ebenfalls nicht, viele evangelikale Christen sehen in Trump jedoch einen Gesandten Gottes. Laut einer Erhebung von Fox News glauben 45 Prozent der Republikaner an Trumps göttliche Mission.

«Nur Gott konnte Trump schicken»

«Die Heiligsprechung des Donald Trump» überschrieb das Webportal Politico denn auch eine entsprechende Story über den Präsidenten. Trumps politische Berater bestärken seine frommen Anhänger in diesem Glauben. «Nur Gott konnte unserer Nation solch einen Erretter schicken, und nur Gott konnte mir erlauben, dabei mitzuhelfen», meldete sich am Dienstag Brad Parscale, Trumps designierter Wahlkampfmanager, per Twitter zu Wort.

Parscale muss die Gläubigen für die Schlacht 2020 mobilisieren, wobei hilfreich ist, Trump als Kandidat Gottes hinzustellen. Dass Trump nicht gerade wie ein christlicher Asket im Büsserhemd gelebt hat, spielt keine Rolle: Für Gott ist er lediglich ein Mittel zum Zweck.

«Sie nennen Trump einen Verrückten, aber er schliesst Friedensverträge und tut alles, um die Probleme der Welt zu lösen.»Jim Bakker, ehemaliger Fernsehprediger

Schon beim Wahlkampf 2016 hatte der prominente Evangelikale Jerry Falwell junior, Vorsteher der grössten evangelikalen Universität der Welt in Lynchburg im Staat Virginia, Trumps schillernde Vergangenheit entschuldigt und sich für ihn erklärt: Gott habe König David gemocht, obwohl David ein «Ehebrecher und Mörder» gewesen sei, sagte Falwell. Man müsse «denjenigen wählen, der der beste König oder Präsident ist und nicht unbedingt jemanden, der ein guter Pastor ist», so Falwell weiter.

Seitdem sind gewisse Kreise überzeugt, bei Trumps Wahlsieg sei die Vorsehung im Spiel gewesen. Sie glaube, Gott habe «gewollt, dass Donald Trump Präsident wird», erklärte Trumps Sprecherin Sarah Sanders, eine evangelikale Christin, Ende Januar.

Bei einem Interview mit dem christlichen TV-Sender CBN wollte Aussenminister Mike Pompeo, auch er ein evangelikaler Christ, im März gleichfalls nicht auschliessen, dass Trump im Auftrag Gottes handle. Ob der Präsident «wie Königin Esther» dazu auserkoren sei, «das jüdische Volk von der Bedrohung durch den Iran zu retten», wollte der CBN-Interviewer von Pompeo wissen. Das sei «durchaus möglich», antwortete der Aussenminister.

Der evangelikale Fernsehprediger und Apokalyptiker Jim Bakker geht noch einen Schritt weiter. Gott habe ihn höchstpersönlich informiert, Trump sei entsandt worden, «damit ihr euch vorbereiten könnt auf das, was kommt», behauptete Bakker im vergangenen November. Denn das Ende sei nahe, der Antichrist bereits allerorten. «Gott hat uns deshalb einen Mann geschickt, der den Kampf nicht scheut», so Bakker.

«Wir haben einen Präsidenten, über den die Leute sagen, er sei verrückt. Sie nennen ihn einen Verrückten, aber er schliesst Friedensverträge und tut alles, um die Probleme der Welt zu lösen», predigte Bakker.

Wie Donald Trump hat der TV-Prediger ein schillerndes Vorleben: Sein einstmals so einträgliches wie einflussreiches TV-Imperium war 1987 wegen sexueller Verfehlungen und Betrugs zusammengebrochen und Bakker zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Seitdem predigt er im amerikanischen Hinterland.

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